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Rhein-Neckar Löwen marschieren ganz vorne mit +++ Titelkampf offen +++ Belastungen sind enorm

erstellt am Freitag, 30 Dezember 2016
Rhein-Neckar Löwen marschieren ganz vorne mit +++ Titelkampf offen +++ Belastungen sind enorm AS Sportfotos

sport-kurier. Einen Top-Handballer, der in der deutschen Bundesliga unter Vertrag steht, beneiden viele.

Er verdient gut und steht im Rampenlicht. Doch da sind auch Schattenseiten: Die Belastung ist nämlich enorm. Aktuell zeigt sich das mal wieder: Kaum ist der Vereinsstress in Bundesliga, Champions League und DHB-Pokal beendet, geht es auch schon weiter.

Bereits am 28. Dezember hat die deutsche Nationalmannschaft das Unternehmen Handball-WM in Frankreich (11. bis 29. Januar 2017 ) gestartet. In der Sportschule Kamen bereitet sich die nationale Elite auf den globalen Schlagabtausch vor. Wobei einige bekannte Gesichter fehlen, was eben mit der enormen Belastung zusammenhängt. So hat sich beispielsweise auch Europameister Hendrik Pekeler, der für die Rhein-Neckar Löwen am Kreis arbeitet, eine schöpferische Pause verordnet. Im deutschen Team ist somit nur noch ein Löwe dabei: Patrick Groetzki, der Rechtsaußen der Gelbhemden.

Und der dürfte mit Rückenwind zur WM reisen, schließlich lief mit den Löwen alles rund bislang. Für viele überraschend rund, denn es ist nicht selbstverständlich, dass eine Mannschaft im Jahr eins nach dem ersten großen Titel, wieder genau dort weitermacht, wo sie aufgehört hatte. Und genau das hat der Meister getan.

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Hendrik Pekeler gönnt sich eine schöpferische Pause und wird nicht mit der Nationalmannschaft in die Sportschule Kamen fahren. AS Sportfotos

In Siebenmeilenstiefeln ging es durch die Liga. Bis Weihnachten hat man nur vier Minuspunkte angesammelt. Das reicht zu Platz drei. Zweiter sind die punktgleichen Kieler, während die SG Flensburg-Handewitt mit drei Verlustpunkten auf dem Platz an der Sonne steht. Folglich ist im Titelkampf noch alles drin.

Allerdings war für die Löwen sogar noch mehr drin. Am 26. Dezember, als der erste Rückrunden-Spieltag anstand, patzte das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen und ging in Magdeburg mit 32:35 unter. Bei einem Gegner, bei dem man verlieren kann. Denn in Magdeburg hängen die Trauben traditionell hoch. Und trotzdem reagierten viele Anhänger enttäuscht, was mit der gestiegenen Erwartungshaltung zusammenhängt. Das Meisterjahr hat seine Spuren hinterlassen, aber auch der vorweihnachtliche Coup in Kiel, wo sich die Badener mit 29:26 durchgesetzt haben und den Rekordmeister dabei richtig alt aussehen ließen.

Doch bei all der Enttäuschung, - wäre nicht eher Stolz angebracht? Schließlich war auch der Titel in der Vorsaison schon keine Selbstverständlichkeit. Denn nimmt man mal die finanziellen Möglichkeiten als Maßstab, so haben Kiel und Flensburg einfach die Nase vorne. Was sich am Kader zeigt. Die Nordlichter haben ein großes Arsenal an Topkräften, während die Löwen vielmehr auf eine verdammt starke erste Sieben bauen können, beziehungsweise müssen. Längere Ausfälle, von denen die Löwen glücklicherweise bislang verschont geblieben sind, könnten kaum kompensiert werden.

Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn auch ohne verletzte Spieler ist dieses Pensum kaum zu bewältigen. Spiele im Drei-Tages-Rhythmus sind normal - und das im Fall der Löwen ohne wirklich rotieren zu  können. Der Spielplan kennt da kein Pardon. Fragwürdig war sicherlich auch die Ansetzung der Weihnachtsspiele. So mussten die Löwen am 21. Dezember in Kiel ran, um dann schon wieder am 25. nach Magdeburg aufbrechen zu dürfen - nicht zu vergessen das Abschlusstraining an Heiligabend.

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Die Löwen trafen in der Hinrunde häufig. Hier jubelt Gudjon Valur Sigurdsson / RNL - Rhein-Neckar Loewen vs. HC Erlangen. AS Sportfotos.

Kiel befand sich da schon fast in einer Komfortzone. Dem Duell gegen die Löwen folgte am zweiten Weihnachtsfeiertag ein erneutes Heimspiel gegen den Bergischen HC. In der Vorsaison lief es ähnlich, da durfte die Jacobsen-Sieben am 23. Dezember in Kiel antreten. Spricht man Löwen-Trainer Jacobsen auf solche Dinge an, lächelt er sie weg. Das ehrt ihn, ändert aber nichts an den Tatsachen.

Vieles wird nun davon abhängen, wie die Löwen die EM überstehen. Dass sich Spieler wie ein Patrick Groetzki oder ein Mads Mensah Larsen nicht verletzen. Allerdings haben Kiel und Co. da größere Sorgenfalten, denn sie stellen einige Asse ab. Bei den Löwen kann hingegen durchgeschnauft werden. Andy Schmids Schweizer sind gar nicht dabei und Alexander Petersson sowie Kim Ekdahl du Rietz haben ihre Nationalmannschaftskarriere bereits beendet. Hinzu kommt der pausierende Pekeler. Vier Leistungsträger, die bis Mitte Januar zum Trainingsstart nun die Beine hochlegen können, und das kann wahre Wunder bewirken.

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Kann Erfolgscoach Jacobsen die Doppelbelastung ab Sommer 2017 so einfach meistern? AS Sportfotos

Jacobsen erholt sich derweil im Familienurlaub am Meer von der stressigen Hinrunde. Es werden wohl auch auf lange Sicht seine letzten Ferien sein, was mit seiner baldigen Doppelfunktion zusammenhängt. Zur Erinnerung: Der Däne wird ab Sommer 2017 die Nationalmannschaft seines Heimatlandes übernehmen. Also eine Nation, die noch 2016 olympisches Gold holte und in der der Handballsport einen riesigen Stellenwert hat. Dementsprechend groß ist natürlich auch der Erfolgsdruck.

Im Umfeld der Löwen ist damit nicht jeder glücklich, denn Jacobsen wird dann unter Dauerstress stehen und nur noch unterwegs sein. Ob das überhaupt machbar ist, bleibt abzuwarten. Ähnliche Beispiele haben jedoch gezeigt, dass so etwas in der Regel nach hinten los geht und in einer Trennung gipfelt.

Es liegt also ein spannendes Jahr 2017 vor den Löwen. Ein Titel ist jedenfalls erneut zum Greifen nah. Und wer weiß, vielleicht klappt es diesmal ja auch endlich mal mit dem Pokal-Coup beim Final Four in Hamburg. Dann wäre der Fluch endlich besiegt.

Letzte Änderung am Freitag, 30 Dezember 2016