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Irgendwie ist die Luft raus ++ Die Rhein-Neckar Löwen laufen ihrer Form hinterher

erstellt am Dienstag, 09 März 2021
Romain Lagarde (Nr.8) und seine Rhein-Neckar Löwen sind derzeit außer Tritt Romain Lagarde (Nr.8) und seine Rhein-Neckar Löwen sind derzeit außer Tritt Bild: AS Sportfoto

sport-kurier. Dass die Rhein-Neckar Löwen in dieser Saison in der Bundesliga nicht mehr zum Höhenflug ansetzen würden, war schon länger klar.

Und das scheint sie auch nicht sonderlich zu stören, andernfalls hätte man Alexander Petersson nie mitten in der Saison zur SG Flensburg Handewitt, einem direkten Konkurrenten um den Titel, ziehen lassen, ohne sich dafür einen Ersatz zu organisieren.

Die Prioritäten haben sich eben verschoben, während der Coronakrise geht es nicht darum Titel einzufahren, sondern darum zu überleben. Dennoch sollte man es nicht ganz schleifen lassen und genau diesen Eindruck muss man - so hart es klingen mag - derzeit haben.

Denn nach der WM-Pause läuft so gut wie nichts mehr. Klammert man mal den Galaauftritt bei den Berliner Füchsen aus, wo die Badener mit 29:23 gewonnen haben, war das nichts. In Minden, bei einem Team, das Jahr für Jahr froh ist, wenn es nicht absteigt, reichte es nur zu einem 26:26 Remis.

Besonders bitter waren aber die beiden Auftritte gegen Frisch Auf Göppingen. Beide Landesderbys gingen innerhalb kürzester Zeit verloren. In Göppingen mit 32:34 und in Mannheim mit 31:32. In beiden Spielen präsentierte man sich phasenweise in einer unterirdischen Form.

Die Pleiten richtig einzuordnen fällt schwer, denn jeder weiß, dass man es besser kann. Auch momentan oder wie ist sonst der herausragende Sieg in Berlin, der zeitlich zwischen den beiden Göppingen-Schlappen lag, zu erklären. Wenn man den Gelbhemden Böses will, könnte man die Einstellung hinterfragen. Eben dass nicht jeder immer mit 100 Prozent bei der Sache ist.

Aktuell liegen die Kronauer nun auf dem vierten Rang, müssen aber aufpassen, dass sie nicht noch weiter zurückfallen. Denn ihnen hängen einige Teams im Nacken. Neben Berlin eben auch der Bergische HC und Göppingen. Und mit Verlaub, die beiden Letzteren sind Mannschaften, die sich finanziell und auch bezüglich der spielerischen Klasse mit den Löwen sicher nicht auf Augenhöhe bewegen.

Fraglich ist mittlerweile auch, ob es so gut war, dass man den Abschied von Trainer Martin Schwalb, den es im Sommer zurück nach Hamburg zieht, so früh bekannt zu geben. Denn irgendwie scheint seitdem erst recht die Luft raus zu sein. Was auch nicht überraschen würde, denn im Sport hat sich schon häufig gezeigt, dass solch eine Konstellation es recht kompliziert macht. Nicht jeder Spieler hängt sich dann immer noch voll rein.

Schwalb vorzuwerfen, er würde es austrudeln lassen, wäre hingegen nicht fair. Wer ihn kennt, weiß dass er dafür nicht der Typ ist. Der gebürtige Stuttgarter ist ein Mensch, der den Handball lebt und ihm alles unterordnet.

Und ein gemeinsames Ziel hat man ja noch. Die Löwen mischen nach wie vor in der EHF European League mit. Sie hat zwar bei weitem nicht den Stellenwert der Champions League, gewinnen würde man den Wettbewerb aber trotzdem gerne. Gerade auch, weil er ein echtes Highlight zum Schluss bietet: Der Sieger wird bei einem Final 4 Turnier ermittelt.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Die Bundesliga ist das Kerngeschäft und in ihr sollte man schnell zurück in die Erfolgsspur finden, schließlich geht es auch darum, den Fans wieder Lust auf Löwen-Handball zu machen. Nicht dass man in der nächsten Saison, wenn hoffentlich wieder Zuschauer zugelassen sein werden, plötzlich immer noch vor halbleeren Rängen spielen muss.

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 09 März 2021