Mittwoch, 27. Januar 2021

"Das schockiert und stimmt nachdenklich" - Die Eulen Ludwigshafen verlieren ihr Nest

erstellt am Sonntag, 22 November 2020
Die Friedrich-Ebert-Halle wird umfunktioniert. Die Halle wird zum Impfzentrum. Die Friedrich-Ebert-Halle wird umfunktioniert. Die Halle wird zum Impfzentrum. AS Sportfoto

sport-kurier. Die Handball-Bundesliga wird von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen.

Denn im Gegensatz zum Fußball leben die Handballer in erster Linie von den Zuschauereinnahmen, TV-Gelder spielen eher eine untergeordnete Rolle. Klar ist: Geht das mit den Geisterspielen noch lange weiter, dürfte es so manchem Verein, der sich schon jetzt in einer finanziellen Schieflage befindet, das Genick brechen. Und als wäre das nicht schon genug an Sorgen, trifft es die Ludwigshafener Eulen nun noch doppelt hart.

Denn was sich eigentlich unglaublich anhört, ist tatsächlich wahr: Die Eulen haben ab Dezember kein Nest mehr. Die Friedrich-Ebert-Halle, in der die Vorderpfälzer seit vielen Jahren ihre Handball-Schlachten schlagen, wird umfunktioniert. Anstatt um Punkte soll es in dem altehrwürdigen Gemäuer künftig darum gehen, Leben zu retten. Die Halle wird zum Impfzentrum.

Ein Entschluss, der in einer Phase, in der die Corona-Pandemie die Menschheit in Atem hält, ein lobenswerter ist. Andererseits aber eben auch ein ganz bitterer, denn er verdeutlicht, dass man in Ludwigshafen offenbar nicht sonderlich viel von seinem sportlichen Aushängeschild hält. Man stelle sich nur mal vor, man würde den 1. FC Kaiserlautern aus dem Fritz-Walter-Stadion vertreiben.

 

Maximilian Haider Lukas Nilsson #65 / RNL Dominik Mappes-Eulen Ludwigshafen vs. Rhein-Neckar Loewen. RNL Saison 2020 / 2021. AS Sportfoto

Die Eulen jedenfalls haben nun ein riesiges Problem. Denn eine Ersatzspielstätte ist noch nicht in Sicht. Was auch schwierig ist, denn man kann nicht einfach in irgendeine x-beliebige Halle ausweichen. Einerseits muss für die ein spezielles Hygienekonzept vorliegen und andererseits muss die Halle auch den Ansprüchen von Sky, das die Handball-Bundesliga mit Live-Übertragungen begleitet, entsprechen. Die Kriterien sind hier umfassend. Vom passenden Hallenboden bis hin zu speziellen Lichtverhältnissen.

Besonders bitter: Die Eulen traf der Entschluss aus heiterem Himmel. Lisa Heßler, die als Geschäftsführerin beim Ludwigshafener Handball-Bundesligisten arbeitet, hat sich auch deshalb in einem Brief, der auf der eigenen Homepage erschienen ist, an die Fans gerichtet. Er gleicht einem Hilferuf. Unter anderem heißt es darin: "Es fühlt sich bildlich gesprochen danach an, von heute auf morgen das Dach über dem Kopf zu verlieren."

Die Nachricht über den Verlust der Heimspielstätte erreichte Heßler am Telefon. Völlig unvermittelt und überraschend. Die junge Macherin der Eulen weiter: "Das irritiert, schockiert und stimmt nachdenklich." Nun hat ein Wettlauf mit der Zeit begonnen. Die Suche läuft auf Hochtouren. Wirklich weiter scheint man bei einer Ausweichstätte noch nicht zu sein. Eine Lösung könnte die SAP Arena sein, in der bekanntlich auch die Rhein-Neckar Löwen ihre Heimspiele austragen.

Auf der anderen Rheinseite gelegen, ist sie quasi nur einen Steinwurf von der Friedrich-Ebert-Halle entfernt. Das Problem: Ein Ausweichen nach Mannheim dürfte nicht billig werden. Da aktuell auch die Adler Mannheim wieder so langsam ins Rollen kommen, muss ständig zwischen Eis und Parkett hin und her geswitcht werden. Allein dieser routinemäßige Umbau verschlingt schon viel Geld. Eine Lösung könnten Doppelspieltage mit den Löwen sein. Allerdings muss hier auch wieder der übertragende TV-Sender Sky mitspielen.

 

 

Letzte Änderung am Sonntag, 22 November 2020

Handball