Donnerstag, 28. Januar 2021

Niko Katsigiannis im Löwen-Podcast: Zwischen Fast-Aus und Champions League

erstellt am Mittwoch, 11 November 2020
Niko Katsigiannis im Löwen-Podcast: Zwischen Fast-Aus und Champions League Bild: Rhein-Neckar Löwen

Er kämpfte sich selbst in die Handball-Bundesliga, erlebte zwei Insolvenzen, einen Abstieg, ein Champions-League-Final Four.

Zweieinhalb Jahre war er raus aus dem Profisport wegen eines komplizierten Kreuzbandrisses. Und nun, im Spätherbst seiner Karriere, will er mit den Rhein-Neckar Löwen noch einmal richtig angreifen: Mit Nikolas Katsigiannis ist ein Mann in der aktuellen Ausgabe von #1team1podcast zu Gast, der nicht nur die wildesten Geschichten erzählen kann, sondern der auch die richtigen Schlüsse daraus gezogen hat.

Hier folgt eine Auswahl der besten Zitate:

Zum Spitzenspiel in Magdeburg: Das ist definitiv eine der besten Mannschaften in der Bundesliga. Sie sind sehr, sehr heimstark, was auch an den überragenden Fans liegt. Dass die am Mittwoch nicht dabei sein werden, ist sicher ein großer Vorteil für uns. Wir sind uns bewusst, dass dieses Spiel viel zu bedeuten hat.

Zur Eingewöhnung als neuer Spieler unter Corona-Bedingungen: Es ist ein bisschen schwieriger als sonst. Dadurch, dass wir wegen Corona mehrere getrennte Kabinen haben, bekommt man nicht so richtig mit, wie die Stimmung im gesamten Team ist, wer den Ton angibt.

Zum besten Moment in seiner Karriere: Das war 2005 in Hildesheim. In bin kurzfristig dahingekommen, das Ziel war aufzusteigen in die Bundesliga. Als wir das dann geschafft hatten, war das für mich persönlich ein besonderer Moment, denn es hat bedeutet: Jetzt bist du in der ersten Liga. Wenn man als 14-, 15-Jähriger genau dieses Ziel schon hatte und es dann schafft, ist das etwas ganz Besonderes.

Zu dem, was den Handball als Familiensport ausmacht: Wenn es früher auf Auswärtsfahrten ging, musste die Mannschaft versorgt werden. Und mein Vater ist so ein typisch griechischer Kümmerer. Der hat dann Tsatsiki angerührt. Ich treffe heute noch ganz oft Leute, die mich darauf ansprechen und sagen: Grüß deinen Papa, das Tsatsiki war lecker.

Zu seinen einzigartigen Bewegungen als Handball-Torwart: Ich habe immer nach Instinkt gespielt. Es gab genug Leute, die gesagt haben: Mach das lieber so oder so. Aber für mich war es so, dass ich immer eine bessere Idee hatte und mich danach gerichtet habe. Ich bin, glaube ich, ganz gut damit gefahren.

Zu dem Verrücktesten, was er - als verrückter Torwart - jemals gemacht hat: Was das Bekloppteste an mir ist, ist, glaube ich, dass ich schlafwandele. Wenn ich irgendwo neu bin und mir dann zum ersten Mal das Zimmer mit einem Teamkollegen teile, muss ich das erst einmal erklären. Da gab es genug Geschichten in meiner Karriere, wenn man zum Beispiel nicht die Sprache des anderen sprach und der wiederum kein Englisch konnte: Versuch' mal einem mit Händen und Füßen zu erklären, dass man schlafwandelt!

Zu dem Spieler, der ihm in all den Jahren Handball-Bundesliga als besonders ausgeflippt in Erinnerung geblieben ist: Das ist Piotr Przybecki, der damals mit mir in Nordhorn gespielt hat. Als ich da 2007 hingekommen bin, war er 38. Ich dachte: Okay, das ist ein älterer polnischer Spieler, der wird eher ruhig sein. Und dann hat er vom ersten Tag an nur Müll erzählt. Wirklich nur Müll. Und ich habe mir gedacht: Was ist denn da los? Man muss doch irgendwann seriös werden, wenn man älter wird. Piotr ist ein Pfundskerl. Wir haben so viel gelacht in der Zeit, sind heute noch immer gut befreundet. Das war der, der mich von allen am meisten überrascht hat.

Zu der Mentalität von Menschen aus dem Ruhrpott: Da wird nicht lange mit seiner Meinung hinterm Berg gehalten, wenn einem etwas nicht passt. Man trägt sein Herz auf der Zunge. Bei mir ist das alles ein bisschen durcheinander. Der größere Teil von mir ist deutsch, weil ich hier aufgewachsen bin. Aber so ein bisschen griechischen Einschlag habe ich auch. Mit der Zeit habe ich mich auch weiterentwickelt, allein schon dadurch, dass ich in vielen verschiedenen Bundesländern gelebt habe. Aber den Ruhrpott kriegt man aus mir definitiv nicht raus.

Zu der schweren Kreuzbandverletzung 2010: Das ist am vorletzten Spieltag passiert und war ziemlich kompliziert, so dass ich letztlich zweieinhalb Jahre keinen Handball spielen konnte. So etwas ist für einen Profisportler hart. Das war echt übel. Da kommt man nur durch mit der Unterstützung der Familie. Für mich war es so: Ich habe nicht aufgegeben. Ich wollte unbedingt weitermachen. Als es wieder ging, habe ich versucht, den besten Teil meiner Karriere nachzuholen. Das ist mir auf Vereinsebene auch gelungen. Dass ich mit Kiel und den Löwen noch einmal zu zwei Topteams komme, hätte mir 2012 wahrscheinlich keiner mehr zugetraut. Nur mit der Nationalmannschaft ist mir das nicht gelungen. Der Zug ist halt einfach abgefahren. Ich laufe zwar immer noch hinterher, glaube aber nicht, dass das noch etwas wird.

Zu seinen guten Leistungen als Erlanger Keeper gegen Löwe Andy Schmid: Das hängt auch immer von der Tagesform ab. Ich kann mich auch an Spiele erinnern, in denen mich Andy auf der Rolle hatte. Es gibt aus Torhüter-Sicht aber schon Spieler, die eine offenere Wurfbewegung haben oder besser zu lesen sind. Niclas Kirkeløkke ist zum Beispiel jemand, dessen Wurf extrem schwer zu lesen ist.
Zu Mannschaftsabenden: Es gibt kein besseres Teambuilding als einen Mannschaftsabend. Ich habe schon ein paar Geschichten gehört, was so bei den Löwen abgeht. Schockiert hat mich das aber nicht.

Zu dem, was eine funktionierende Mannschaft ausmacht: Ich glaube, du brauchst eine sehr gute Arbeitseinstellung innerhalb der Gruppe. Es muss einen Kern in der Mannschaft geben, der die anderen mitzieht. Wenn du so einen Kern hast, der fleißig und sehr motiviert ist, dann ziehst du auch die mit, die mal nicht so Bock haben. Ich habe es oft erlebt, dass die Trainings- und Spielleistungen verlaufen wie in einer Achterbahn. Wenn es gut läuft, lässt man ein bisschen nach, dann geht es wieder nach unten. Und wenn man dann verliert, fängt man wieder an zu arbeiten. Man muss es also als Mannschaft schaffen, dass man jeden Tag vernünftig arbeitet. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, sich wirklich zu verbessern.

Rhein-Neckar Löwen GmbH

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 November 2020

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