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Vom Titelgarant zum Bankdrücker - Löwe Gedeon Guardiola wird im Sommer nach Lemgo wechseln

erstellt am Freitag, 29 November 2019
Vom Titelgarant zum Bankdrücker - Löwe Gedeon Guardiola wird im Sommer nach Lemgo wechseln Bild: AS Sportfoto

sport-kurier. Denkt man an die ruhmreichen Zeiten der Rhein-Neckar Löwen zurück, also an die zwei deutschen Meisterschaften und den Pokalsieg, drängt sich insbesondere ein Name auf, der von Spielmacher Andy Schmid.

Aber eben nicht nur, denn der Handball ist ein Mannschaftssport, in dem einer alleine herzlich wenig ausrichten kann.

Ein wesentlicher Faktor für den Höhenflug der Gelbhemden war definitiv auch Gedeon Guardiola. Im Sommer 2012 wechselte der Spanier zu den Löwen und war schnell nicht mehr wegzudenken. Der 2 Meter große Hüne war der Abwehrchef, sorgte dafür, dass die Löwen ein regelrechtes Bollwerk vor dem eigenen Kreis aufbauen konnten. Bis zur letzten Saison war er gesetzt.

Unter Neu-Trainer Kristjan Andresson ist das anders. Der Isländer verfolgt einen etwas anderen Ansatz, präferiert den modernen Handball. Oder anders formuliert: Andressons Vision vom Handball ist es, eigentlich nur mit einem echten Abwehrspezialisten zu spielen, um nicht ständige Abwehr-Angriff-Wechsel durchführen zu müssen. Das macht Sinn, weil man so viel schneller nach vorne stürmen kann.

Allerdings muss man dafür eben auch die richtigen Spieler für dieses Konzept haben - und die Löwen scheinen sie zumindest (noch) nicht zu haben. Denn ohne Guardiola, der in den ersten Monaten unter Andresson eigentlich nur auf der Bank saß, glich die Löwen-Abwehr meist eher einem Schweizerkäse. Überall waren Löcher, die die Konkurrenz ausnutzte.

Das konnte auch Ilija Abutovic nicht verhindern. Er ist der zweite reine Abwehrmann im Kader und er wird von Andresson bevorzugt. Für viele Fans und Experten ist das jedoch ein Fehler. Sie hoffen auf ein Umdenken, auf eine dauerhafte Rückkehr zum Gespann Guardiola/Abutovic. Beide können es nämlich zusammen richtig gut.

Hier noch vereint: Ilija Abutovic, Ex-Trainer Nikolaj Jacobsen und Gedeon Guardiola                                                                                                                                                                  Bild: AS Sportfoto

Gezeigt hat sich das kürzlich erst wieder als der THW Kiel in Mannheim zu Gast war: Die ersten 20 Minuten, als die Löwen mit 6:13 hinten lagen, wurden die Löwen vorgeführt und bloßgestellt. Andresson nahm die Auszeit und nahm einen Schachzug vor, der das Spiel letztlich in die komplett andere Richtung drehen sollte.

Er brachte Guardiola und mit ihm die Sicherheit in der Abwehr, denn der Spanier ist nicht nur groß, sondern auch sehr beweglich. An ihm und Abutovic im Doppelpack bissen sich die Kieler "Zebras" die Zähne aus und kassierten letztlich eine schmerzhafte 25:26-Niederlage in Mannheim.

Dass Guardiola darauf brennt zu spielen, ist ohnehin klar: Er will sich beweisen, sein Vertrag läuft im Sommer 2020 aus und mittlerweile ist klar, dass es zur Trennung kommen wird: Die Löwen wollen sich verjüngen und haben dem 35-Jährigen keinen neuen Kontakt mehr angeboten. Also dachte der Defensivspezialist um und fand eine Lösung.

Ab der kommenden Saison wird er wieder mit seinem Zwillingsbruder Isaias beim TBV Lemgo zusammenspielen. Nachvollziehbar ist die Entscheidung der Löwen - sie wollen den Kader verjüngen. Ihn fit für die Zukunft machen. Andererseits haben sie aber eben noch ein paar andere Spieler im Aufgebot, die ebenfalls schon in die Jahre gekommen sind. Andy Schmid ist 36, Alexander Petersson sogar schon 39 und mit ihm wurde letztes Jahr nochmals bis 2021 verlängert.

Also warum nicht auch nochmals mit Guardiola, dass er es noch kann, beweist er, wenn er auf dem Spielfeld stehen darf. Noch dazu hat er eigentlich eine große Fanbase bei den Löwen. Immer wenn der Hallensprecher seinen Namen ruft, sei es zur Begrüßung vor dem Spiel oder nach einem Tor, schicken die Zuschauer ein stimmgewaltiges "Ole" hinterher.

Klar ist: Die Anhänger werden ihn vermissen. Menschlich sowieso. Dafür, dass er sportlich keine Riesenlücke hinterlässt, muss die Geschäftsführung sorgen. Deren Aufgabe ist es jetzt, einen vergleichbar starken Mann für den Innenblock zu finden.

Leicht ist das nicht. Andererseits: Es ist nicht auszuschließen, dass die Löwen-Macher längst die passende Antwort parat haben, und zwar in Form eines Vertrags mit einem Guardiola-Erben, der bereits unterschrieben in der Schublade von Geschäftsführerin Jennifer Kettemann liegt.

 

Auch erschienen in unserer Printausgabe 26.11.19

 

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 29 November 2019

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