Montag, 04. Juli 2022

Kristijan Vidakovic von der TSG 62/09 Weinheim beendet seine Karriere ++ "Ich werde nicht von der Bildfläche verschwinden"

erstellt am Dienstag, 24 Mai 2022
Archivbild: Kristijan Vidakovic  (blau/TSG Weinheim) im Kopfballduell mit dem heutigen Mannschaftskameraden Patrick Geissinger (VfB Gartenstadt). Archivbild: Kristijan Vidakovic (blau/TSG Weinheim) im Kopfballduell mit dem heutigen Mannschaftskameraden Patrick Geissinger (VfB Gartenstadt). Bild: Berno Nix

sport-kurier. Wer sich in der regionalen Fußballszene auch nur ansatzweise auskennt, der muss den Namen Kristijan Vidakovic einfach kennen.

Der 35-Jährige, der momentan noch bei der TSG 62/09 Weinheim in der Verbandsliga unter Vertrag steht, hat als 1,93 m großer Innenverteidiger für Aufsehen gesorgt. Nun rückt das Karriereende bei ihm immer näher. Oder besser gesagt es ist quasi schon da. Vidakovic hat vor 2 Monaten die Diagnose Thrombose im rechten Bein bekommen. An Fußball spielen ist deshalb momentan nicht mehr zu denken. Wir sprachen mit ihm über eine bewegte Laufbahn mit vielen Höhepunkten.

Hallo Herr Vidakovic, wie schwer fällt Ihnen der Abschied als Spieler?

Sehr schwer natürlich. Ich hatte schon im letzten Jahr mit dem Karriereende spekuliert, da kam dann aber Corona dazwischen und so wollte ich nicht aufhören. So ist es jetzt natürlich auch kein schöner Abgang. Aber als ich die Diagnose Thrombose vor 2 Monaten bekommen habe, hieß es, dass ich für 6 Monate keinen Kontaktsport machen darf.

Thrombose ist schon eine heftige Sache.

Ja, zunächst gab es aber auch eine Fehldiagnose. Es hieß, dass ich einen Muskelfaserriss hätte. Als die Schmerzen dann immer schlimmer wurden, bin ich in Mannheim in die Notaufnahme gefahren. Diese Schmerzen waren nicht mehr zum Aushalten.

Und weshalb wollten Sie ihre Karriere schon vor einem Jahr beenden, gab es da bereits andere Verletzungen?

Nein, eigentlich gar nicht. Ich hatte mit Verletzungen immer Glück. Es hing eher damit zusammen, dass ich bei meinem Arbeitgeber John Deere begonnen habe, im Dreischicht-Dienst zu arbeiten. Da ist es schwierig immer da zu sein. Man fehlt häufiger auch mal im Training und so bin ich nicht, wenn ich etwas mache, dann will ich es richtig machen. Und ich bin ja auch längst in einem Alter, in dem viele andere auch mit dem Fußball aufhören. Jetzt ist auch mal Zeit für die Familie. Meine Frau stand und steht immer hinter mir. Sie hat auf ganz viele Dinge verzichten müssen, jetzt will ich ihr auch mal etwas zurückgeben.

ARCHIVBILD: Kristijan Vidakovic (rechts/weiß) im Trikot des damaligen Oberligisten VfR Mannheim - Spiel gegen den SV Waldhof Mannheim. Bild: Berno Nix

Leicht wird der Abschied aber sicher nicht fallen.

Nein, ich bin mir sicher, dass es richtig hart wird. Ich habe immer Angst vor dieser Entscheidung gehabt. Aber die Zeit ist jetzt einfach gekommen. In Weinheim habe ich ja zuletzt als spielender Co-Trainer gearbeitet. Das hat mir viel Spaß gemacht. Und ich habe auch vor, dass ich irgendwann im Trainerbereich tätig werde. Eigentlich war es immer mein Traum, einen fließenden Übergang hinzubekommen. Vom Spieler zum Trainer. Ich hätte in Weinheim als Co-Trainer weitermachen können. Sie haben sich sehr um mich bemüht. Aber ich brauche jetzt nach fast 30 Jahren Fußball einfach mal eine Pause, um den Kopf abschalten zu können.

Wie ging denn alles los mit dem Fußball?

Das war mit 5 oder 6 Jahren. Begonnen hat alles bei Phönix Mannheim, danach bin ich zum SV Waldhof und später zum VfR Mannheim. Das waren meine Stationen in der Jugend. Beim VfR konnte ich mich dann gleich in der 1. Mannschaft etablieren. Da war ich fester Bestandteil in der Oberliga-Mannschaft. 3 Jahre habe ich dort gespielt. Danach bin ich zu FSV Ludwigshafen-Oggersheim in die Regionalliga gewechselt. Das war natürlich eine mega Erfahrung. Die 3. Liga gab es damals ja noch gar nicht. Dort haben wir unter Profibedingungen gearbeitet. 29 Spiele habe ich damals in der Regionalliga gemacht. Und habe mich dafür auch für ein Jahr von der Arbeit freistellen lassen.

Und warum ging es dann nicht weiter in der Regionalliga?

Der Verein ging leider in die Insolvenz. Ich hatte weitere Angebote von Regionalligisten, aber dazu hätte ich nach Bayern oder Westfalen ziehen müssen. Und das für vergleichsweise wenig Geld. Also ging es wieder zurück zum VfR und zur Arbeit bei John Deere. Beim VfR habe ich dann auch 2 Jahre unter Kenan Kocak trainiert. Weiter ging es dann bei der SpVgg. Wallstadt. Das war zwar nur in der Kreisliga, aber der Sportplatz lag nur 200 Meter von unserem Haus entfernt. Es folgten 4 tolle Jahre beim VfB Gartenstadt und jetzt mittlerweile auch schon wieder 4 Jahr in Weinheim.

Was war denn die schönste Zeit?

Puh, das kann ich wirklich nicht sagen. Im Endeffekt sind momentan vor allem die 4 Jahre in Weinheim präsent. Ganz viel zu verdanken habe ich natürlich auch dem VfR Mannheim. Unvergessen bleibt auch die Zeit in Gartenstadt. Der Zusammenhalt dort war gigantisch. Unsere Mannschaft, mit der wir damals in die Oberliga aufgestiegen sind, ist noch immer ein verschworener Haufen. Wir treffen uns regelmäßig. Erst vor 2 Wochen war das komplette Team wieder in Gartenstadt vereint. Das ist sicher nicht alltäglich und zeigt, was wir für eine Truppe waren.

Auch beim VfB Gartenstadt hatte Kristijan Vidakovic eine gute Zeit. Bild: Siegfried Lörz

Beim FSV Oggersheim war es aber sicher die erfolgreichste Zeit. Oder?

Natürlich, für einen jungen Spieler wie ich es damals war, war das eine andere Welt. Wir haben uns gefühlt wie Profis. Wir haben 2 Mal am Tag trainiert. Die erste Einheit fand um 10 Uhr statt. Wir mussten aber immer schon um 9 Uhr da sein. Da gab es ein gemeinsames Frühstück. Einer unserer Sponsoren war Bäcker. Da war wirklich alles durchgeplant. Nach dem Vormittagstraining hatten wir dann bis zum zweiten Training ein wenig Pause, die wir auch im Ludwigshafener Südweststadion verbracht haben. Dort hatten wir alles. Eine Couch, die Playstation, große Fernseher. Da hat es einem an nichts gefehlt. Ich habe zu dieser Phase wirklich mehr Zeit in den Katakomben des Südweststadions verbracht als Zuhause.

Waren Sie immer in der Innenverteidigung aktiv oder auch auf anderen Positionen?

Innenverteidiger war meine Position im Herrenbereich. Wobei ich anfangs beim VfR auch als 6er im Mittelfeld eingesetzt worden bin. Mein großer Förderer war damals unser Trainer und Waldhof-Legende Walter Pradt, der leider viel zu früh gestorben ist. Es war wie mein Papa. Ich weiß es noch genau, damals haben wir am 3. Spieltag bei der TSG Hoffenheim 2 im Dietmar Hopp Stadion gespielt. Sie haben einige Spieler von oben an die Reserve abgegeben, wir haben aber trotzdem mit 3:0 gewonnen. Walter hat mich in diesem Spiel quasi ins kalte Wasser geschmissen, weil bei uns mehrere Innenverteidiger ausgefallen sind. Es war vielleicht das Spiel meines Lebens. Ab diesem Zeitpunkt war ich bei Walter gesetzt, es war mein Durchbruch. Ich durfte spielen, obwohl wir Spieler im Kader hatten, die schon viel mehr Erfahrung hatten und teilweise auch schon in der 2.Liga gespielt hatten.

Wenn man so viel mit dem Fußball erlebt hat, ist eine Trainerkarriere doch die logische Folge. Oder?

Ja, das sehe ich auch so. Ich habe in meiner Laufbahn mit vielen sehr guten Trainern zu tun gehabt und habe mir von allen Dinge abgeschaut. Ich bin sehr ehrgeizig und diszipliniert und arbeite gerne mit jungen Spielern zusammen. Ich mache mir da aber jetzt wirklich keinen Kopf. Alles zu seiner Zeit. Vielleicht komme ich auch erst einmal als Co-Trainer zurück, das wird sich alles zeigen. In Weinheim stehen mir die Türen beispielsweise immer offen. Ich werde ganz sicher nicht von der Bildfläche verschwinden.

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 24 Mai 2022

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