Freitag, 07. Mai 2021

"Nach wie vor eingefleischter Waldhöfer" - Torhüter Dennis Broll fühlt sich aber auch bei Fortuna Heddesheim pudelwohl

erstellt am Freitag, 30 April 2021
Dennis Broll stellst sich Weinheims Knauer in den Weg. Links Heddesheims Ajdin Zeric (blau). Dennis Broll stellst sich Weinheims Knauer in den Weg. Links Heddesheims Ajdin Zeric (blau). Bild: Lothar Fischer

sport-kurier. Eines ist klar: In der Verbandsliga Baden macht Dennis Broll so schnell niemand etwas vor.

Wenn er zwischen den Pfosten steht, wissen seine Vorderleute bei der Fortuna aus Heddesheim, dass da einer hinter ihnen die Arme ausbreitet, auf den Verlass ist. Bewiesen hat Broll das auch schon 2 Etagen höher beim SV Waldhof als Torhüter in der Regionalliga Südwest.

Nach einem rund dreijährigen Abstecher zum VfB Gartenstadt hütet der 27-Jährige seit Sommer 2020 nun das Tor der Heddesheimer. Wie sich im Interview zeigt, fühlt sich Broll, der in Mannheim mittlerweile hauptberuflich seit 8 Jahren bei einer Spedition für Seefracht arbeitet, bei der Fortuna sehr wohl.

Hallo Herr Broll, wie schwer ist es für Sie denn derzeit ohne den Fußball?

BROLL: Na ja, man kann sich ja schon einigermaßen fit halten. Torwartspezifisch geht hingegen schon seit langem gar nichts mehr. Das macht mir sehr zu schaffen. Aber es ist für alle Fußballer im Amateurbereich eine harte Zeit, wir müssen da jetzt irgendwie durch.

Die Saison wurde abgebrochen. Das ist schade, schließlich waren Sie mit Heddesheim als Zweiter gut im Rennen.

Das stimmt. Unser Ziel war es, um die Meisterschaft mitzuspielen und da waren wir ja auch gut dabei. Mittlerweile ist die Saison leider abgebrochen. Für uns ist das natürlich bitter. Wir hatten von 7 Spielen 6 gewonnen und nur ein Mal verloren.

Wie optimistisch sind Sie denn, dass die nächste Saison pünktlich angepfiffen werden kann?

Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir nicht pünktlich starten können. Was eben mit den Inzidenzwerten und den Beschlüssen der Politik zusammen hängt. Ich hoffe aber, dass es nur eine kurze Verzögerung geben wird und wir nicht allzu viel Zeit verlieren werden.

In Heddesheim tut sich einiges. Neuer Trainer, etliche Spielerabgänge und einige neue Spieler. Ist es da noch zu früh, um über Ziele zu sprechen?

Wir möchten ins obere Tabellendrittel. Natürlich verlassen uns ein paar Stammkräfte, aber es kommen auch ein paar neue Gesichter dazu. Ich denke, dass wir wieder eine gute Mannschaft haben werden. Man muss aber auch sehen, wie die Spieler aus so einer langen Pause zurückkommen. Das ist für alle Neuland und gilt sowohl für uns, als auch für die Gegner. Man wird schon etwas brauchen, um wieder reinzufinden.

Sie selbst bleiben in Heddesheim. Es scheint Ihnen also dort zu gefallen.

Natürlich. In den paar Monaten, die wir spielen konnten, wurde ich sehr gut aufgenommen. Die Stimmung ist wirklich super. Die Voraussetzungen, um guten Fußball spielen zu können, sind absolut gegeben. Die Entscheidung für einen Verbleib ist mir also sehr leicht gefallen. Wenn wir jetzt noch einigermaßen die Abgänge kompensieren können, bin ich guter Dinge.

Dennis Broll hält das runde Leder. Hier noch im Trikot des SV Waldhof Mannheim in der Regionalliga Südwest 2015/2016. Bild: AS Sportfoto

Sie haben viele Jahre beim SV Waldhof gespielt, waren in der Jugend-Bundesliga und in der Regionalliga eine wichtige Stütze. Wie war die Zeit beim SVW?

Sehr schön. Ich habe dort 15 Jahre Fußball gespielt. Das große Ziel, den Aufstieg in die 3. Liga haben wir damals leider noch verpasst und dann bin ich nach Gartenstadt gewechselt und jetzt nach Heddesheim. Ich würde sagen, dass für mich aus fußballerischer Sicht alles gut gelaufen ist. Über all die Jahre habe ich viele Menschen kennenlernen dürfen.

Verfolgen Sie die Spiele der SV Waldhof noch, oder interessiert Sie Ihr Ex-Verein nicht mehr so?

Ich bin nach wie vor eingefleischter Waldhöfer. Das muss man so sagen. Falls ich die Zeit dazu hatte, war ich in der Vergangenheit bei den Spielen im Stadion und auch jetzt versuche ich die Spiele zu verfolgen. Mit Waldhofs Kapitän Marcel Seegert pflege ich eine enge Freundschaft. Auch deshalb bin ich noch sehr nah dran. Außerdem spielt mein Bruder Kevin ja beim Ligakonkurrenten Dynamo Dresden im Tor. Ich bin also immer auf dem Laufenden.

Stichwort Bruder, die Coronakrise hat Dynamo Dresden erneut schwer gebeutelt. Glauben Sie, dass Dresden den direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga schafft?

Ja, ich denke schon. Sie hatten eine Schwächephase, aber nach dem 1:0 Sieg gegen Duisburg sind sie wieder im Soll. Wenn sie ihre eigenen Hausaufgaben machen, werden sie den Aufstieg schaffen.

Wie sieht es denn bei Ihnen aus, würde Sie es nochmals reizen, wieder 1, 2 Ligen höher zu spielen?

Grundsätzlich bin ich der Typ, der mit seinen Mannschaften immer ganz oben dabei sein will und nach der Meisterschaft greifen möchte. Vielleicht bin ich da etwas eigen, aber so ist es eben bei mir. Die Oberliga würde mich schon nochmals reizen, aber die Regionalliga käme für mich mittlerweile nicht mehr in Frage. Was eben auch mit dem Beruf zu tun hat.

Es ist schwierig, aber wie würden Sie sich denn selbst als Torhüter beschreiben?

Das ist wirklich schwierig (lacht). Aber ich probiere es mal. Ich bin ein Torhüter, der auch viel Emotionalität mit reinbringt. Meine Mitspieler wissen, dass da jemand hinter ihnen steht, der voll dabei ist. Fußballerisch würde ich mich auch als recht gut bezeichnen. Ich finde auch spielerische Lösungen. Auf der Linie bin ich ebenfalls reaktionsschnell.

Und wie sieht oder sah es mit einem Vorbild aus, gab es mal einen Torhüter, dem Sie nachgeeifert haben?

Ja, den gab es. Oliver Kahn war immer mein absolutes Vorbild. Seine ganze Ausstrahlung hat mir immer sehr imponiert. Von ihm habe ich mir vieles abgeschaut. Er war auch ein sehr emotionaler Typ.

 

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 30 April 2021

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