Freitag, 07. Mai 2021

"Irgendwann kannst du die Joggingschuhe nicht mehr sehen" - Patrick Geissinger von der TSG Weinheim sehnt sich nach Normalität

erstellt am Freitag, 30 April 2021
Archivbild: Patrick Geissinger (links) im Zweikampf mit seinem Reichenbacher Gegenspieler. Archivbild: Patrick Geissinger (links) im Zweikampf mit seinem Reichenbacher Gegenspieler. Bild: Simon Hofmann.

sport-kurier. Tore zu erzielen, wenn Patrick Geissinger sich einem in den Weg stellt - da gibt es leichtere Aufgaben für einen Stürmer.

In der Verbandsliga Baden hat sich der mittlerweile 32-Jährige Abwehrhaudegen längst einen Namen gemacht. Seit vielen Jahren hält Geissinger, der hauptberuflich in Mannheim als Standesbeamter arbeitet, dort schon die Knochen hin. Und das äußerst erfolgreich: Mit der TSG Weinheim und dem VfB Gartenstadt machte er in der Verbandsliga sein Meisterstück.

Mittlerweile kickt er wieder für die Zweiburgenstädter und hält hinten den Laden zusammen. Wobei momentan bekanntlich nichts zusammen gehalten werden muss. Seit November geht im Amateurbereich in Baden nichts mehr. Mittlerweile hat die Corona-Pandemie zum kompletten Abbruch geführt.

Geissinger nimmt die Situation an, leben kann er mit ihr aber nur schwer: "Wenn du quasi dein ganzes Leben auf dem Fußballplatz verbracht hast, ist es jetzt richtig hart für dich. Es nervt schon etwas. Man hält sich durch Laufeinheiten so gut es geht fit, aber ganz ehrlich: Irgendwann kannst du deine Joggingschuhe einfach nicht mehr sehen."

Neben dem Fußball, düst Geissinger ansonsten noch regelmäßig ins Fitnessstudio, was aktuell bekanntlich ebenfalls nicht möglich ist. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es möglichst bald wieder normal weitergehen kann. Doch auch da ist er skeptisch: "Wenn man sich die Zahlen so anschaut, wird uns das wohl noch eine Weile begleiten."

Weiter gespielt hätten er und seine Weinheimer gerne. Laut Geissinger hätte man noch den ein oder anderen Platz in der Tabelle gut machen können. Wenngleich er mit dem Abschneiden an sich nicht unzufrieden war. "Wir wurden am Ende Siebter. Das ist in Ordnung." Wohin die Reise in der neuen Saison geht, ist noch unklar. Zuletzt gab es ein wenig Unruhe im Verein und der Kontakt untereinander ist bedingt durch Corona nicht ganz so umfangreich wie zu normalen Zeiten. Die Signale gehen jedoch in die richtige Richtung: "Wie man aus den Gesprächen so raus hört, wird ein Großteil der Spieler bei uns bleiben und darauf kann man aufbauen."

Archivbild: Patrick Geissinger ist ein Routinier, der jeder Abwehrreihe Sicherheit verleiht. Bild: Simon Hofmann. 

Er selbst verschwendet keinen Gedanken an einen Wechsel. Zum einen wohnt er mit seiner Frau in Weinheim und profitiert somit von kurzen Wegen und zum anderen ist er froh, dass er bei solch einem Verein unter Vertrag steht. "Mittlerweile ist es gar nicht mehr so einfach, Verbandsliga Vereine in unserer näheren Umgebung zu finden, die dir das bieten können. Da gibt es nur noch wenige", erklärt er: "Zusammen wollen wir in der neuen Saison versuchen, uns so um den 5. oder 6. Platz einzupendeln. Ich denke, das ist für uns eine realistische Zielsetzung."

Es lief aber auch schon besser für die TSG Weinheim. 2017 wurde man Meister, gleiches gelang Geissinger - wie eingangs bereits erwähnt - auch 2019 mit Gartenstadt. Der Aufstieg blieb allerdings jeweils aus. Weinheim verließ er nach dem Aufstieg, die Gartenstädter verzichteten auf ihr Aufstiegsrecht. Das wurmt einen doch bestimmt heute noch. Oder? "Natürlich ist eine Meisterschaft mit dem damit verbundenen Aufstieg das Optimum. Und dennoch, falls wir es heute nochmals schaffen würden, weiß ich nicht, ob ich persönlich nochmals in der Oberliga spielen wollte. Ich bin jetzt bald 33 Jahre alt und denke, dass ich es nicht mehr wollen würde, an den Wochenenden 2, 3 Stunden auf der Autobahn zu verbringen."

Wie es sich anfühlt in der Oberliga am Ball zu sein, weiß Geissinger sowieso. Einst durfte er dort beim SV Waldhof Erfahrungen sammeln. "Das war eine super Erfahrung, als Kind war ich im Carl-Benz-Stadion als Fan gesessen und plötzlich durfte ich dort selbst spielen." Eine tolle Zeit als junger Spieler, die er niemals missen möchte, an die er aber auch nicht nur positive Erinnerungen hat: "Irgendwann wurde dann ein Umbruch eingeleitet und dir wurden Ex-Profis vor die Nase gesetzt."

Mittlerweile hat er sich längst seinen eigenen Spielstil angeeignet. Was ihn auszeichnet, ist vor allem sein gutes Stellungsspiel und die Kopfballstärke. "Der Schnellste war ich dagegen nie, aber ich denke, das ist bekannt", lacht Geissinger, der in der Jugend ein Vorbild hatte, das mittlerweile eigentlich gar nicht mehr so passt: "Als bekennender Bayern-Fan hatte ich eigentlich immer den Name Mehmet Scholl auf meine Trikots stehen. Mir hat es gefallen, wie er gespielt hat, was er technisch so drauf hatte", lobt Geissinger den einstigen Dribbelkünstler des FCB.

Scholl ist mittlerweile längst in Fußball Rente. Für Geissinger ist die noch nicht in Sicht. "Man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Es ist wichtig, dass man sich selbst fit hält und das mache ich. Von schweren Verletzungen wurde ich bislang ebenfalls verschont. Wenn das so bleibt, kann ich bis 36 sicher noch auf diesem Niveau spielen."

 

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 30 April 2021

Verbandsliga Nordbaden