Sonntag, 29. Mai 2022

Aus für Kientz, gegen Union Berlin raus im Pokal - Rund um den SV Waldhof war mal wieder einiges los

erstellt am Donnerstag, 28 Oktober 2021
Waldhofs Alexander Rossipal trifft in dieser Szene zur frühen 1:0 Führung (4.) gegen den Bundesligisten Union Berlin. Waldhofs Alexander Rossipal trifft in dieser Szene zur frühen 1:0 Führung (4.) gegen den Bundesligisten Union Berlin. Bild: Alfio Marino

sport-kurier. Es war ein Tag, den man beim SV Waldhof Mannheim wohl so schnell nicht vergessen wird.

Um die Mittagszeit gab der Verein bekannt, dass man sich mit sofortiger Wirkung von Jochen Kientz, der seit Dezember 2017 am Alsenweg als Sportlicher Leiter gearbeitet hat, getrennt hat - dazu später mehr.

Und das ausgerechnet an einem Tag, an dem man sich auf der deutschen Fußballlandkarte endlich mal wieder so richtig zeigen konnte: Nachdem der Drittligist in der 1. Runde des DFB-Pokals noch Eintracht Frankfurt geschlagen hatte, wartete nun mit Union Berlin der nächste große Bundesligabrocken auf die Blauschwarzen.

Viele erwarteten im Vorfeld eine klare Angelegenheit, spätestens seit dem Kientz-Rauswurf, der sicher auch im Mannschaftskreis für Unruhe gesorgt hatte, sowieso. Doch die Skeptiker wurden schnell eines Besseren belehrt. Der SVW legte sprichwörtlich los wie die Feuerwehr. Gerade mal 4 Minuten waren im Carl-Benz-Stadion gespielt, da hatten die 14561 Zuschauer, was unter Coronabedingungen ein ausverkauftes Haus bedeutete, schon den Torschrei auf den Lippen. Marc Schnatterer, der für seine Flankenbälle bekannt ist, schoss den Ball flach und knallhart in den Fünfmeterraum der Eisernen. Dort konnte ihn ihr Torhüter Rönnow nur prallen lassen, so landete er vor den Füßen von Innenverteidiger Alexander Rossipal, der problemlos zum 1:0 einschieben konnte.

Pyrotechnik im Block des SV Waldhof vor Spielbeginn.                                                                                          Bild: Alfio Marino

Das Stadion hatte spätestens jetzt etwas von einem Hexenkessel. Aber die Gäste schlugen zurück. In der 18. Minute war es Kevin Behrens, der den Ball aus rund 10 Metern unbedrängt einschießen konnte. Vorausgegangen war eine schöne Kombination der Hauptstädter, bei der letztlich auch Waldhofs guter Torhüter Jan-Christoph Bartels chancenlos war.

Bis zur Halbzeit passierte in beiden Strafräumen nicht mehr viel. Zu spüren war aber, dass die Akkus beim SVW nicht mehr ganz so voll waren. Der Pausentee kam da genau richtig. Denn danach ging es wieder mit Vollgas in die Richtung des Berliner Tores. Zunächst scheiterte Adrien Lebeau mit einem Schuss von der Strafraumkante aus, wenig später glänzte der Franzose dann als Passgeber. Er setzte Stürmer Gillian Jurcher mustergültig in Szene, dieser verzog aus spitzem Winkel aber knapp.

Das Problem war, dass sich der Waldhof, der längst hätte führen müssen, nicht belohnte und so kam es wie es kommen musste. Die Kräfte ließen immer mehr nach und Berlin nutzte seine nächste Großchance in der Verlängerung eiskalt. Torjäger Awoniyi kam frei zum Schuss und visierte den rechten Torpfosten an. Von ihm sprang der Ball schließlich zum 1:2 (94.) über die Linie.

Der SVW gab sich nicht auf, probierte wirklich alles, doch richtig zwingend wurde es nicht mehr, was natürlich auch mit der Vorgeschichte zusammenhing. Kürzlich befanden sich 17 Spieler in Corona Quarantäne und einige sind nach wie vor noch nicht so fit, dass sie auflaufen können. In der 118. Minute war es dann abermals Behrens der auf 1:3 stellte. Die Fans der Mannheimer waren trotzdem stolz. Minutenlang feierte man gemeinsam einen großen Pokalabend, bei dem am Ende einfach auch das Quäntchen Glück gefehlt hat. Weiter geht es am Samstag. Um 14 Uhr steigt in Mannheim das Drittligaderby gegen Saarbrücken.

Es brennt im Strafraum des SV Waldhof. Marcel Seegert (Nr. 5) kann in dieser Szene klären. Bild: Alfio Marino

Nun nochmals zurück zum eingangs bereits erwähnten Rausschmisses von Jochen Kientz. Es hatte sich schon die letzten Tage angedeutet, dass es so weit kommen könnte. Und da man bereits getrennte Wege vor dem Pokalspiel gegen Union ging, sah sich der Verein offenbar genötigt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Aufgefallen wäre es ohnehin, wenn Kientz nicht im Stadion gewesen wäre.

Bislang hieß es immer wieder, dass ein Mittagessen, das Kientz Ende September für die Mannschaft organisiert hat, der Auslöser des Zerwürfnisses ist. Das dementierte der Klub jedoch in einer Pressemitteilung, die viel Raum für Spekulationen lässt. Demnach hat man über die Gründe Stillschweigen vereinbart. Vielleicht weil man Kientz schützen will? Entschieden soll letztendlich der Aufsichtsrat über Kientz haben, einstimmig hätte man sich für seine Beurlaubung ausgesprochen, hieß es. Zitate enthielt die Pressemitteilung nicht. Kurz vor Spielbeginn stand dann Präsident Bernd Beetz beim TV-Sender Sky Rede und Antwort. Die Kientz Thematik wurde aber nur am Rande angerissen. Laut Betz habe die Entlassung aber "etwas mit den Corona Fällen zu tun". Momentan scheinen sich die Anwälte mit dem Thema zu befassen.

Kientz hatte einen maßgeblichen Anteil am Erfolg des SV Waldhof in den letzten Jahren. Viele Transfers hat er eingefädelt. Zum Verhängnis soll ihm auch geworden sein, dass sein Verhältnis zu Geschäftsführer Markus Kompp komplett zerrüttet ist.

 

 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 Oktober 2021

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