Freitag, 07. Mai 2021

"Unterhaching ist auf jeden Fall ein Endspiel" ++ Jesper Verlaat zur Situation beim SV Waldhof

erstellt am Samstag, 01 Mai 2021
"Unterhaching ist auf jeden Fall ein Endspiel" ++ Jesper Verlaat zur Situation beim SV Waldhof AS Sportfoto

sport-kurier. Nach einem trainingsfreien Freitag beginnt am 1. Mai, dem Tag der Arbeit langsam die heiße Vorbereitungsphase

...des SV Waldhof für die letzten vier Saisonspiele, beginnend am Mittwoch bei der SpVgg Unterhaching. "Unterhaching ist auf jeden Fall ein Endspiel, und das wollen wir gewinnen", sagt Jesper Verlaat im sport-kurier-Interview.

Hallo Jesper Verlaat. Hat man in ihrer Mannschaft damit gerechnet, dass es zum Ende hin noch einmal so eng im Kampf um den Klassenerhalt werden könnte?

VERLAAT: Wir hatten ja bis vor kurzem einen guten Lauf mit sieben Punkten in drei Spielen. Wir haben uns aber in keinster Weise darauf ausgeruht, weil wir wussten, dass es ein enges Ding ist. Es fällt in jedem Jahr auf, dass zum Ende hin die letzten Spiele in der 3. Liga immer vogelwild sind. Gefühlt gewinnen die Spiele immer die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte gegen die aus der oberen, weil sie den Druck verspüren. Das ist aber wie gesagt in jedem Jahr so. Dies ist uns bewusst. Es Ist auch meine eigene Erfahrung. Für uns geht es darum, so schnell wie möglich das Ziel zu erreichen und das sind 47 Punkte. Überrascht sind wir über unsere Situation auf keinen Fall.

Haben Sie eine Erklärung für die großen Leistungsschwankungen und fehlende Konstanz?

Wir hatten generell in der ganzen Saison halt immer wieder mal Personalsorgen. Und das nicht nur vereinzelt, sondern auch oft fünf bis sechs Ausfälle. Es ist dann schwierig, als Mannschaft in den Rhythmus reinzukommen, weil man Automatismen untereinander hat. Wenn man gefühlt vier Spiele mit dem einen und dann vier Spiele gezwungenermaßen mit einem anderen Teamkollegen spielt, ist es schwierig, sich vom Start weg einzustellen. Wir haben gegen 1860 mit einer Fünferkette gespielt und das Personal anders aufgestellt. Das ist schon schwierig. Da kann man auch schon sehen, dass wir noch eine sehr junge Mannschaft sind. Wir hatten zwar auch Ausfälle, aber das darf keine Ausrede sein. Solche Leistungsschwankungen dürfen eigentlich nicht passieren. Das wurde in dieser Woche auch noch einmal klar angesprochen mit Videobelegen und Teambesprechungen. Jetzt geht es darum, in den letzten vier Spielen den Sack so schnell wie möglich zuzumachen.

Warum gab es in den letzten Partien immer wieder so früh das erste Gegentor?

Wenn wir wüssten, woran es liegt, würden wir den Finger drauflegen, dann würde es uns auch nicht passieren. Aber nichtsdestotrotz, obwohl wir früh die Gegentore bekommen haben, bekommt man ja eine Einstellung "Jetzt erst recht". In Saarbrücken wurden wir halt eiskalt bestraft. Aus sechs Chancen haben sie fünf Tore gemacht. Aber bis zum 2:0 haben wir uns wieder zurückgekämpft und hatten unsere Torchancen, wie die von Dominik Martinovic. Es ist ja nicht so, dass wir fußballerisch untergehen. Es sind Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden und diese Kleinigkeiten haben in den letzten beiden Spielen den Ausschlag für den Gegner gegeben. Wir müssen uns das Spielglück wieder erarbeiten. Ich bin guter Dinge, wir müssen uns nicht verrückt machen.

Jesper Verlaat (links) im Zweikampf mit seinem Gegenspieler von 1860 München. Bild: Alfio Marino

Nach zwei Jahren in der 2. Bundesliga jetzt wieder 3. Liga. Musste man sich da umstellen?

Ich kannte die Liga ja schon. Aus eigener Erfahrung weiß ich, die letzten Spiele sind immer eine Wundertüte. Ich habe noch nie um den Aufstieg mitgespielt, vielleicht kriegen es die Clubs ja an die Nerven. Aber ich weiß, wie es ist, wenn um den Abstieg spielt und es ist immer beeindruckend, dass in den letzten Wochen die tabellarisch schlechteren Mannschaften gewinnen. Wir nehmen uns das zu Herzen. Wir spielen einen guten Ball, wir sind selbstbewusst auch nach zwei Niederlagen. Die Stimmung ist gut. Mit Unterhaching haben wir jetzt einen direkten Konkurrenten. Das ist auf jeden Fall ein Endspiel und dieses Endspiel wollen wir gewinnen.

Gibt es vom Vater, dem bekannten Ex-Profi Frank Verlaat, auch den ein oder anderen Hinweis zur Mannschaftsleistung, wenn er sich die Spiele anschaut?

Er kann die Spiele nur im Free-TV sehen und dies ist ja nicht so oft der Fall. Wenn er mal zuschauen kann, geht er meist nur auf mein Spiel ein.

Die Pandemie bedeutet Einschränkungen für alle. Was vermissen Sie derzeit am meisten?

Der erste Lockdown war neu und aufregend für alle. Man wusste nicht genau, was einen erwartet. Dann kam die Phase, wo es einfach sehr langweilig wurde, man konnte nicht raus. Es geht auf die Gemütslage, wenn es sich so lange zieht es ist etwas deprimierend. Aber wir dürfen ja raus, dürfen jeden Tag zum Training fahren und haben unsere Beschäftigung, das ist auf jeden Fall gut für den Kopf. Man hat einen gewissen Ablauf und kommt unter Leute. Aber ich vermisse natürlich die Familie. Man muss Rücksicht nehmen auf den Verein, hat eine gewisse Verantwortung. Ich treffe mich mit niemandem außer den Mannschaftskollegen, die ja getestet werden. Ansonsten das komplette soziale Leben schließe ich aus, denn wenn man es sich einfängt, ist man für zwei Wochen raus. Man gefährdet zudem die Kollegen und den Verein. Es ist ein schmaler Grat. Wir haben Prioritäten und eine schöne Seite, aber auch gewisse Verantwortung. Wir leben als Team vom Sport und deshalb ist es ein Opfer, das wir gerne bringen. Vermissen tue ich es schon, mal spazieren zu gehen, mit Freunden unterwegs zu sein, mal einen Kaffee zu trinken, ohne ein schlechtes Gewissen oder Angst zu haben. Das fehlt alles schon extrem. Man muss aber auch klar sagen, dass wir uns glücklich schätzen können, unseren Job ausführen zu können. In anderen Berufsfeldern gehen derzeit leider viele Existenzen zu Grunde und die Menschen müssen schauen, wie sie Rechnungen bezahlen können. Wir sind uns bewusst, dass wir es im Vergleich zu anderen Menschen sehr gut haben und wir hoffen wirklich alle, dass bald wieder Normalität in unserer Gesellschaft einkehren kann.

 

 

Letzte Änderung am Samstag, 01 Mai 2021

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