Freitag, 26. Februar 2021

Georgi Donkov im Interview mit dem sport-kurier ++ Der Ex-Waldhöfer- und bulgarische Co-Nationaltrainer sucht neue Herausforderung

erstellt am Sonntag, 24 Januar 2021
Georgi Donkov (rechts) scheiterte knapp an der Bennenung zum bulgarischen Nationaltrainer. Georgi Donkov (rechts) scheiterte knapp an der Bennenung zum bulgarischen Nationaltrainer. Bild: GD

sport-kurier. Wer sich im Fußball auch nur ein bisschen auskennt, der kennt auch Georgi Donkov.

Früher hat er als Stürmer Angst und Schrecken in den Strafräumen verbreitet. Mittlerweile ist der 50-Jährige längst erfolgreich im Trainergeschäft tätig.

In Deutschland hat er als Spieler vor allem beim VfL Bochum und beim 1. FC Köln für Furore gesorgt. Aber auch beim SV Waldhof Mannheim schnürte der Bulgare in der Saison 2005/2006 in der Oberliga Baden-Württemberg die Fußballschuhe, erzielte 19 Treffer für die Blauschwarzen. Und das war eine Zeit, die ihm gut gefallen hat. Seit 2005 hat er sich in Mannheim niedergelassen, die ganze Familie lebt hier. Er selbst war dennoch viel unterwegs. Unter anderem auch für die bulgarische Nationalmannschaft, die er von Oktober 2016 bis Juni 2019 als Co-Trainer unterstützte.

Der sport-kurier führte mit Donkov ein Interview.

Hallo Herr Donkov, Sie sind im Fußball viel rumgekommen. Was machen Sie denn derzeit?

DONKOV: Ich stand bis letzte Woche kurz davor Cheftrainer der bulgarischen Nationalmannschaft zu werden. Es gab einige Bewerber. Zum Schluss waren nur noch ich und ein anderer übrig. Leider hat sich der Verband dann gegen mich entschieden, aber das muss man akzeptieren. Auch wenn es am Ende sehr knapp war.

Für die bulgarische Nationalmannschaft waren Sie ja zuvor schon lange als Co-Trainer tätig.

Ja, ich habe drei Jahre mit Cheftrainer Petar Hubchev gearbeitet. Wir hatten eine erfolgreiche Zeit zusammen. Zunächst haben wir die Mannschaft in der Qualifikation zur WM 2018 betreut. Wir waren in einer sehr starken Gruppe. Unter anderem mit Frankreich. Am Ende wurden wir guter Dritter, was für die WM knapp nicht gereicht hat. Danach haben wir in der Nations League den Aufstieg in die B-Gruppe geschafft. Das war eine Topleistung unserer Mannschaft. Gleichzeitig haben wir uns auch noch für das Relegationsspiel zur EM 2020 gegen Ungarn qualifiziert.

 

Georgi Donkov war einige Jahre Co-Trainer der bulgarischen Nationalmannschaft. Bild: GD

Trotzdem sind Sie 2019 zu Levski Sofia gewechselt als Co-Trainer.

Ja, ich habe mit Petar Hubchev ein sehr gutes Angebot bekommen. Bei Levski wurde ich einst zum Profi. Dort habe ich von 1987 bis 1993 gespielt. In Bulgarien ist das ein echter Traditionsverein. Wir hatten dort einen Dreijahresvertrag und unser Ziel war es zunächst ein solides Team aufzubauen und im zweiten und dritten Jahr wollten wir um die Meisterschaft mitspielen. Die ersten 6,7 Monate liefen gut und dann kamen die Pandemie und der Lockdown. Unser Oligarch bekam finanzielle Probleme und hat von heute auf morgen aufgehört. Die neue Führung hatte dann andere Ziele, die nicht mit unseren übereinstimmten. Weil es keinen Sinn mehr machte, haben wir uns für die Trennung entschieden.

Und wie geht es nun weiter? Welche Trainerjobs würden Sie reizen?

Ich bin momentan eigentlich für alles offen. Hier in Deutschland habe ich ja auch als Trainer gearbeitet. Zum Beispiel bei Wacker Burghausen.

Gibt es eine bestimmte Liga, die es mindestens sein sollte?

Naja, da ich selbst immer im Profigeschäft war, würde ich da natürlich auch gerne weiterarbeiten. Mich würde ein Cheftrainerposten reizen. Natürlich weiß ich aber auch, dass es in der Regionalliga gute Vereine mit professionellen Strukturen gibt. Ambitionierte Ziele sind mir bei einem Verein sehr wichtig.

Sie haben auch beim SV Waldhof gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Sehr, sehr gute. Hier war wirklich alles top. Ich wohne ja auch hier in Mannheim und war in der Vergangenheit häufig im Carl-Benz-Stadion zum Zuschauen. Eigentlich immer, wenn es die Zeit erlaubt hat. Mich interessiert der SV Waldhof immer noch sehr. Ich fühle mich dem Verein nach dieser tollen Zeit verbunden. Die Fans sind großartig. Auch die Stadt Mannheim gefällt mir super. Es ist nur schade, dass man zurzeit nicht ins Stadion zum Zuschauen gehen kann. Vor dem Lockdown war ich auch häufiger bei Heimspielen des SV Sandhausen.

 

Archivbild: Georgi Donkov (weiß) hier im Trikot des SV Waldhof in der Saison 2005/2006 gegen die Stuttgarter Kickers. Bild: Gerold

Wo hatten Sie ihre schönste und erfolgreichste Zeit als Fußballer?

Das ist schwierig zu sagen. Da gab es ein paar schöne Zeiten. Sehr schön war es natürlich beim VfL Bochum, wo wir mit dem fünften Platz damals die beste Platzierung der Vereinsgeschichte erreicht haben. Beim 1.FC Köln war es auch super. Vor allem der Bundesliga Aufstieg ist unvergessen. Mit Paderborn bin ich einst auch von der Regionalliga in die 2. Liga aufgestiegen. Unvergessen ist bei mir aber natürlich auch die EM-Teilnahme 1996 mit Bulgarien.

Sie haben während Ihrer Karriere viele Tore geschossen, aber gab es eines, dass sie im Nachhinein als Ihr wichtigstes bezeichnen würden?

Wir haben mal mit dem VfL Bochum den Club Brügge im UEFA-Cup der Saison 1997/1998 in der 2. Runde ausgeschaltet. Im Spiel in Bochum habe ich 2 Tore erzielt, die dann am Ende mitentscheidend für das Weiterkommen waren.

Man hört es schon raus, ein Leben ohne Fußball scheint für Sie unvorstellbar zu sein …

(Lacht) Nein, leider nicht. Ich bin wirklich ein positiv Fußballverrückter.

 

 

Letzte Änderung am Sonntag, 24 Januar 2021

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