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SV Waldhof unterliegt KSC nach großartigem Spiel im Badischen Pokalfinale mit 5:3 (2:2)

erstellt am Montag, 27 Mai 2019
Badischer Pokalsieger 2018/2019 wurde der Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC. Badischer Pokalsieger 2018/2019 wurde der Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC. Bild: Alfio Marino - MA.Photography.

sport-kurier. Es hat nicht sollen sein. Das Double gelang nicht.

Die Enttäuschung war manchem Waldhöfer nach der 3:5 (2:2)-Niederlage im Pokalendspiel beim Karlsruher SC kurz nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben, doch mit ein paar Tagen Distanz werden alle stolz sein auf eine famose Saison.

Den Zweiten der 3. Liga hatten die Mannheimer Gäste phasenweise fast an die Wand gespielt und an den Rand einer Niederlage gebracht, dies war so krass nicht unbedingt zu erwarten. Die Lust auf die 3. Liga ist noch einmal gewachsen bei den Blauschwarzen und für den DFB-Pokal war man als Finalist sowieso schon qualifiziert. In drei Wochen, am 17. Juni, beginnt der SVW die Vorbereitungsphase und wird auch genügend Lehrmaterial aus dem KSC-Spiel verwenden.

Trainer Bernhard Trares hat aber auch viel Positives gesehen, die Niederlage war wenigen Fehlern geschuldet. "Man kann stolz auf die Mannschaft sein, was sie hier geleistet hat. Wir hatten heute einige Ausfälle zu ersetzen und es kamen dadurch Spieler zum Einsatz, die in den letzten Monaten wenig zum Einsatz kamen oder nicht einmal im Kader standen", meinte mit Maurice Deville der beste Mann auf dem Feld.

Der SVW musste neben dem privat verhinderten Dorian Diring, verletzungsbedingt auch auf Gianluca Korte, Timo Kern und Kevin Conrad verzichten, Marco Meyerhöfer dagegen meldete sich rechtzeitig einsatzbereit. Die Vorzeichen hätten also günstiger für den Außenseiter aus der Kurpfalz sein können. Doch die neu ins Team gerückten Jannik Sommer und Morris Nag spielten es über weite Teile der Partie ziemlich gut. Auch die linke Außenbahn mit Mete Celik und Marcel Hofrath war sehr auffällig.

Einen Sahnetag erwischte gar Deville, der luxemburgische Nationalspieler war vom KSC kaum zu bremsen. Der SV Waldhof war von Beginn an hellwach und gelinde gesagt das bessere Team, weil klar dominant. "Das war guter Fußball meiner Mannschaft mit gutem Positionsspiel. Nach der Führung müssen wir aber schlauer sein und im letzten Drittel konsequenter spielen. Nach einem krassen Fehler haben wir den KSC zurückgeholt", ärgerte sich Trares.

Nur der ehemalige Viertligist und damit sein Team erspielte sich gleich vom Start weg Chancen zur Führung. Mete Celik (3., 13.), Valmir Sulejmani und Meyerhöfer (8.) sowie Sommer (14.) vergaben zunächst, doch der folgende Angriff war vom Erfolg gekrönt. Meyerhöfer legte sich den Ball vom rechten auf den linken Fuß und überlistete Benjamin Uphoff zur überfälligen 1:0-Führung für die Gäste (16.). Im Gegenzug kam dann der KSC zum ersten Torschuss, doch Marco Thiede zielte am Tor vorbei (17.).

Waldhof spielte weiter mit hohem Tempo und zeigte auch in der Folge viel Biss und Zweikampfstärke. Der KSC überraschte lange Zeit mit einer hohen Fehlerquote bei den Abspielen und musste in der 26. Minute den ersten Eckball des SVW hinnehmen. Sommers Hereingabe köpfte Marcel Seegert auf den Kasten, Uphoff konnte nur abklatschen und Deville hatte keine Probleme, auf 0:2 zu erhöhen (26.). Im Gegenzug leistete sich die SVW-Abwehr einen folgenschweren Bock, Nutznießer war Saliou Sane, der auf 1:2 verkürzte (27.).

Danach waren die Spielanteile etwas ausgeglichener und mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit kam der KSC zum glücklichen Ausgleich. Marvin Pourie legte den Ball von der Torauslinie auf Sane, der aus kurzer Distanz zum 2:2 traf (45.+1). Waldhof hatte einen Moment zu früh abgeschaltet. Deville ärgerte sich über Tore aus dem Nichts und Marko Schuster attestierte dem KSC nach dessen fast einhundertprozentigen Chancenverwertung: "Da hat man auch die Qualität des KSC gesehen."

Waldhofs Sommer (blau) traf in seinem letzten Spiel für den SVW zum zhwischenzeitlichen 4:3. Bild: MA. Photography. Alfio Marino.

Mit dem Wiederanpfiff ging es gleich wieder hoch her. Ein Freistoß von Marcel Hofrath landete am Aluminium (48.) und im Gegenzug köpfte Damian Roßbach nach dem Freistoß von Martin Wanitzek unhaltbar zur ersten KSC-Führung von 3:2 ein (49.). Karlsruhe hatte die wenigen Patzer in der SVW-Hintermannschaft fast brutal ausgenutzt und das Spiel gedreht. Konnte Waldhof jetzt noch einmal zurückschlagen?

Hatte der Schiedsrichter im ersten Abschnitt die gelben Karten bei KSC-Fouls noch stecken lassen, so änderte sich dies nach der Pause. Rößer sah erst gelb für ein Foul und nur kurz darauf die Ampelkarte nach einer Schwalbe im Strafraum (57.). Die Karten schienen auf dem Feld neu gemischt, aber das nächste Tor schoss nach einem Konter wieder der KSC. In Bedrängnis überlupfte Marvin Pourie den Waldhof-Keeper Markus Scholz zum 4:2 (60.).

Der SVW musste sich erst einmal schütteln und sammeln und verlor auch noch Seegert verletzungsbedingt, ein Muskel hatte zugemacht. Für ihn kam Mirko Schuster (67.). Ging da noch was? Die Antwort lautet: Ja. Sommer versenkte von der linken Seite einen Freistoß mit Hilfe des Innenpfostens zum 4:3 (76.). Einige Minuten zuvor vergab er noch die Chance, als er den Ball nicht richtig traf. Es wäre das 3:3 gewesen (59.). Es entwickelte sich in der Schlußviertelstunde eine Pokalschlacht, Waldhof drückte und Karlsruhe konterte. In der Nachspielzeit entschied schließlich Martin Wanitzek das Spiel mit dem 5:3 (90.+1).

Das Pokalendspiel wurde als Hochrisikospiel deklariert. Traurig, dass so viel Polizei im Einsatz war, doch wenigstens gab es im Stadion und auch außerhalb keine Auffälligkeiten. Dass bei der Siegerehrung aber gleich eine Pferdestaffel ins Stadion ritt, war dann doch leicht übertrieben.

Für die Waldhofspieler und das Trainerteam heißt es jetzt "Ab in den Urlaub". Trares steigt am Montag in den Flieger in Richtung Florida und Marco Schuster fährt erst zur Familie nach Bayern und gönnt sich danach noch eine erholsame Woche im Ausland, bevor er wieder "mit einem guten Gefühl" zurück nach Mannheim fährt.

Etwas übertrieben das Aufgebot der Polizei. Bild: MA. Photography. Alfio Marino.

Einige Akteure vom Sonntag werden aber nicht zurückkommen. Bemerkenswert, dass Spieler wie die zuletzt seltener eingesetzten Nag, Sommer oder Mirko Schuster, die schon länger als Abgänge feststehen, noch einmal ihr Hemd für den Waldhof zerrissen und es nicht gemütlich ausklingen ließen. Ob es wirklich richtig war, die auslaufenden Verträge von so vielen Spielern nicht zu verlängern, ist jetzt die Frage.

In jedem Fall steht die Sportliche Leitung gehörig unter Druck. Es gilt, alle Abgänge zumindest sportlich gleichwertig und auch mit dem gleichen guten Charakter zu ersetzen. Und da sind auch noch als weiteres Problemfeld die Abwanderungsgedanken von Timo Kern, der ein Angebot von Zweitligist Jahn Regensburg hat und es wohl auch annehmen würde, wenn er die Freigabe bekäme. Die nächsten Wochen versprechen noch trotz Punktspielpause sehr spannend zu werden.

 

Karlsruher SC - SV Waldhof 5:3 (2:2)

Karlsruher SC: Uphoff - Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach - Kyoung-Rok (90.+2 Stoll), Wanitzek, Sararer (46.Camoglu) - Rößer, Sane (60.Sverko) - Pourie (90.+2 Batmaz)
SV Waldhof:Scholz: Meyerhöfer, Schultz, Seegert (67.Mi. Schuster), Hofrath (85.Sprecakovic) - Ma. Schuster, Nag (63.Franzin) - Deville, Sommer, Celik (72.Schwarz) - Sulejmani

Tore: 0:1 Meyerhöfer (16.), 0:2 Deville (26.), 1:2 Sane (27.), 2:2 Sane (45.+1), 3:2 Roßbach (49.), 4:2 Pourie (60.), 4:3 Sommer (76.), 5:3 Wanitzek (90.+1)
Schiedsrichter: Fritsch (Bruchsal)
gelbrote Karte Rößer (57., Schwalbe) gelbe Karte: Wanitzek, Roßbach / Sommer
Zuschauer: 7367

 

 

 

Letzte Änderung am Montag, 27 Mai 2019