Dienstag, 22. Juni 2021

Frank Hettrich: "So ganz ohne Fußball geht einfach nicht"

erstellt am Montag, 24 Juli 2017
Frank Hettrich trainierte zuletzt den Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen Frank Hettrich trainierte zuletzt den Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen Bild: AS Sportfotos

sport-kurier. Sie stehen oft im Blickpunkt der Öffentlichkeit, geraten aber auch schnell in Vergessenheit, wenn sich nach einem Vertragsende oder einer Beurlaubung kein neues Engagement anbahnt.

Gemeint sind die Fußballtrainer im Allgemeinen.

Wir haben einen zufällig getroffen, der noch vor nicht allzu langer Zeit in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar "coachte" und auch rund um die Region Mannheim/Rhein-Neckar kein Unbekannter ist - Frank Hettrich.

Der 49- jährige musste beim FC Arminia Ludwigshafen 8 Spieltage vor Saisonende seinen Trainerstuhl räumen, nachdem schon zuvor sein Vertrag für die Saison 2017/2018 nicht verlängert wurde. Für ihn kam Maik Unfricht, der jedoch nach einer Negativserie den Abstieg in die Verbandsliga Südwest nicht verhindern konnte.
 
Frank Hettrich ist Inhaber der A-Lizenz und trainierte u.a. FG 08 Mutterstadt, VfB Haßloch, MSV Ludwigshafen, Südwest Ludwigshafen, SV Waldhof Mannheim II (Verbandsliga Nordbaden), SV Waldhof (Co-Trainer Regionalliga Südwest) und SG Heidelberg-Kirchheim, bevor es ihn wieder auf die andere Rheinseite, zum FC Arminia Ludwigshafen verschlug. 2015/2016 rettete er den Club noch vor dem Abstieg in die Verbandsliga, aber die erheblichen Einsparmaßnahmen, blieben nicht ohne Folgen - Arminia stieg 16/17 ab.

Herr Hettrich, das vorzeitige Aus bei Arminia Ludwigshafen verdaut?

HETTRICH: Ja, sicher. So läuft das beim Fußball. Der Verein wollte 8 Spieltage vor Saisonende noch einmal einen "Schub" beim Team erzeugen, aber die nachfolgende Statistik hat gezeigt, dass es noch schlechter wurde. Es war einfach schwer mit diesem Kader in der Oberliga bestehen zu können.

Sie haben in der Jugend sogar beim 1. FC Kaiserslautern erfolgreich gespielt.

HETTRICH: Ja, u.a. mit Mario Basler, Günther Metz, Markus Kranz u.a. in einer Mannschaft. Das war eine schöne Zeit, aber ich habe früh die Trainerlaufbahn eingeschlagen. Mit 21 Jahren hatte ich schon die B-Lizenz gemacht und danach mit FG 08 Mutterstadt von der B-Klasse beginnend drei Aufstiege geschafft. Im Laufe der Jahre habe ich da bei einigen Vereinen gearbeitet und viel Erfahrung sammeln können. Die A-Lizenz habe ich dann 2002 gemacht.

Zwischenzeitlich hatten Sie auch schon Regionalliga-Luft "geschnuppert".

HETTRICH: Ich hatte damals beim SV Waldhof Mannheim, wo Walter Pradt Trainer war, hospitiert. Über diese Schiene kam ich dann zur U23 der Waldhöfer (Verbandsliga). 2012/2013 wurde Andreas Clauß Interimstrainer beim Regionalligateam und ich sein Co-Trainer, nachdem Reiner Hollich von seinem Amt vorzeitig zurücktrat. Wir waren danach recht erfolgreich und hatten noch lange Zeit Tuchfühlung zum 2. Platz. Es war eine interessante Zeit.

Kenan Kocak wurde ja bekanntlich Nachfolger und Sie rückten wieder ins 2. Glied, sprich - ihr Vertrag wurde nicht verlängert.

HETTRICH: Ja, der SVW hatte zu der Zeit einen insgesamt geringeren Etat zur Verfügung. Man hatte gesamtheitlich Einsparungen vorgenommen. Ich habe dann beim Verbandsligisten SG Heidelberg-Kirchheim zwei Spielzeiten trainiert. Ein 10. und 8. Platz waren unter den gegebenen Bedingungen schon als Erfolg zu werten.

Beim SV Waldhof trainierte Hettrich die U23, war auch kurze Zeit Co-Trainer beim Regionalligateam. Bild: Lothar Fischer

 

Arminia Ludwigshafen übernahmen Sie Oktober 2015. War es abzusehen, dass es bei der Arminia insgesamt eine rückläufige Entwicklung geben wird?

HETTRICH: Nicht unbedingt. Nach einer Negativserie hatte man sich von Trainer Thomas Fichtner getrennt. Man wollte die Liga halten und den Klassenerhalt haben wir dann auch geschafft, das war das Minimalziel des Vereins. In der Folgesaison war die Fluktuation im Kader groß. Es kamen junge Spieler hinzu, Erfahrung ging teilweise verloren. So war es schwer, eben nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Wo sehen Sie Unterschiede zwischen dem Fußball im Südwesten und in Baden?

HETTRICH: Der Fußball im Südwesten ist eher athletisch und körperbetont. Der Fußball im Badischen Raum ist eher technisch geprägt und daher meines Erachtens auch einen Tick stärker zu sehen. Es gibt beim Südwest-Verband nicht so viele Mannschaften, die höherklassig spielen. Da werden viele Talente schon vorher abgegriffen und die spielen dann eben in Baden, u.a. beim SV Waldhof, SV Sandhausen, Astoria Walldorf, TSG Hoffenheim u.a.

Wo liegen ihre Schwerpunkte als Trainer?

HETTRICH: Der Ausbildungsgedanke ist da sehr hoch angesetzt bei mir. Ich arbeite auch gerne mit jungen Spielern zusammen. Da kannst du als Trainer den Jungs noch einiges mit auf den Weg geben. Die Entwicklung des Spielers steht da im Vordergrund. Auch die taktische Ausbildung des Spielers ist mit Sicherheit ein Schwerpunkt.

Jetzt sind Sie knapp 4 Monate ohne Trainerjob. Vermissen Sie da etwas?

HETTRICH: Ich bin jetzt seit knapp 30 Jahren Trainer. Da lebst du ja auch ein Stück weit für den Fußball. Er nimmt ein breites Spektrum deiner privaten Zeit in Anspruch. Von daher war es jetzt zwar erst einmal ungewohnt, aber auch schön, nichts in der Hinsicht zu machen. Aber gerade jetzt wo die Vorbereitungszeit läuft, da merkst du doch, dass es gewaltig "juckt". Natürlich will ich in Kürze wieder als Trainer arbeiten, denn das bin ich mit Leib und Seele. So ganz ohne Fußball geht einfach nicht.

Gab es schon Anfragen bzw. gibt es genaue Vorstellungen bei Ihnen?

HETTRICH: Anfragen gab es, aber es war nichts passendes dabei. Es sollte schon ein Club ab Landesliga aufwärts sein. Am liebsten im Badischen Raum, aber auch Hessen oder ein Verein aus dem Südwesten wären denkbar. In Frage käme auch eine ambitionierte Jugendmannschaft (ab VL/OL). Ich lasse das jetzt mal auf mich zukommen. Zwischenzeitlich beobachte ich sehr viele Spiele, halte mich so auf dem aktuellsten Stand.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

HETTRICH: Gerne geschehen.

Letzte Änderung am Montag, 24 Juli 2017

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