Montag, 04. Juli 2022

"Irgendwann kommt eben mal der Tag" - Reilingens Patrick Rittmaier steht am Sonntag letztmals auf dem Fußballplatz

erstellt am Freitag, 27 Mai 2022
Archivbild: Patrick Rittmaier (weiß) war viele Jahre als Torgarant für die Reilinger unterwegs. Archivbild: Patrick Rittmaier (weiß) war viele Jahre als Torgarant für die Reilinger unterwegs. Bild: Lofi

sport-kurier. Es war ein Leben, in dem sich bislang eigentlich fast alles um den Fußball gedreht hat.

Doch das wird sich jetzt ändern: Patrick Rittmaier hängt seine Fußballschuhe mit 35 Jahren an den Nagel. Im Kreisliga Heimspiel seines SC Reilingen wird er am Sonntag ein letztes Mal gegen die SpVgg Wallstadt auflaufen. Bis vor kurzem war er in Reilingen auch noch als Spielertrainer tätig.

Der Abschied von der Fußball Bühne fällt ihm schwer, das hat sich im Interview mit dem sport-kurier gezeigt.

Hallo Herr Rittmaier, am Wochenende werden Sie zum letzten Mal als Spieler auflaufen. Was ist der genaue Grund für das Karriereende?

Das hat vor allem mit meinem Beruf zu tun. Deshalb hatte ich zuvor ja auch schon meine Trainertätigkeit beendet. Aber es hat auch körperliche Gründe, das muss man so sagen. Die drei Trainingseinheiten unter der Woche tun weh mittlerweile. Aber auch die Spiele. Die letzten 2 Jahre hatte ich große Probleme mit Oberschenkel Rückseite und den Knien. Es wird einfach Zeit für mich.

Als Trainer könnte es aber irgendwann zu einem Comeback kommen. Oder?

Vielleicht irgendwann schon. Im Fußball sollte man nie etwas ausschließen. Ich bin da offen, momentan geht es zeitlich aber nicht. Ich bin beruflich wirklich sehr eingespannt momentan, bin viel auf Schulungen unterwegs.

Was arbeiten Sie genau?

Ich bin Versandleiter bzw. Abteilungsleiter in einer Stahlfirma und werde jetzt herangeführt an die Lagerleitung. Ich soll das Lager komplett übernehmen. Eventuell geht es dann auch noch weiter in Richtung Niederlassungsleiter.

Der Abschied wird aber sicher nicht so ganz leicht fallen…

Nein, es fällt mir sehr schwer und umso näher der Tag kommt, umso schwieriger wird es. Aber die Entscheidung steht. Irgendwann kommt eben mal der Tag, an den man sich verabschieden muss.



Wann haben Sie denn erstmals den Plan gefasst, nach dieser Saison zurück zu treten?

Vor dieser Runde habe ich es schon angedeutet, dass es bald soweit sein könnte. Jetzt kam auch das Berufliche noch dazu.

Sie haben viel erlebt auf dem Fußballplatz. Wie ging denn alles los?

Mit 4 Jahren hat alles angefangen in Reilingen. Die Bambinis habe ich dann direkt übersprungen, weil da wurde mit zu viel rhythmische Sportgymnastik gemacht. Das war nicht so mein Fall (lacht). Ich bin dann gleich zwei Stufen hoch, weil mein älterer Bruder dort schon war. Und mit ihm wollte ich unbedingt zusammen spielen. Im ersten Jahr der C Jugend bin ich dann für ein Jahr zum SV 98 Schwetzingen, nach diesem Jahr kam ich in die badische Auswahl und dann hat direkt der Karlsruher SC angefragt. Ab dem 2. Jahr in der C Jugend war ich für 7 Jahre beim KSC.

Wie war es beim KSC, das war schon was Großes oder?

Ja, klar, vor allem ab der A Jugend war es dann sehr interessant. Da haben wir in der Bundesliga gespielt. Morgens um 11 Uhr haben wir da beispielsweise in München spielen müssen. Mannschaftsbusse gab es damals noch gar nicht. Da sind wir alles selbst abgefahren. In dieser Zeit gab es wirklich ein paar sehr schöne Erlebnisse.

Die schönste Zeit der Karriere war dann sicher auch beim KSC. Oder?

Ja, dort habe ich dann ja auch noch ein Jahr bei der U23 in der Regionalliga gespielt. Aber rückblickend waren die beiden Jahre in der A Jugend das Größte für mich. Ich kam gleich als junger Jahrgang in die A1 und habe eigentlich jedes Spiel gemacht. Im Jahr darauf habe ich dann unter anderem auch mit Lars Stindl, der mittlerweile ein sehr bekannter Profi ist, zusammen gespielt. Zusammen waren wir in Berlin im Pokalfinale gegen den SC Freiburg gestanden. Das sind unvergessliche Erlebnisse.

Bei den Reilingern fungierte Rittmaier auch lange Zeit als spielender Trainer. Bild: Lothar Fischer

Wo es schöne Zeiten gab, gibt es immer auch bittere…

Klar, der bitterste Moment war das Pokalfinale in der A Jugend gegen Freiburg, das wir mit 0:4 verloren haben. Da waren wir chancenlos. Wenn ich mich richtig erinnere, hat damals auch Dennis Aogo noch bei Freiburg mitgespielt.

Man kann also sagen, dass die Profikarriere drin war. Oder?

Ja, die war drin. Im Prinzip stand ich kurz vor dem Profivertrag. Dann kamen Verletzungen, die mich zurückgeworfen haben und auch auf andere Gedanken gebracht haben. Ich bin dann ab und an auch feiern gegangen, was ich davor nie gemacht habe. Aber ich habe mir das auch von den Freunden abgeschaut. Die waren häufig unterwegs und ich dachte, wenn ich jetzt schon mal verletzt bin, dann kann ich das auch machen. Dadurch habe ich mir vieles verbaut. Denn es ist ein schmaler Grat, alles geht sehr schnell und es gibt wirklich viele gute Fußballer.

Ist eine Abschiedsparty geplant?

Ich weiß von nichts. Wobei ein bisschen schon durchgesickert ist. Es hören auch noch mehrere Freunde von mir auf, die alle so in meinem Alter sind. Montags haben wir alle jedenfalls schon mal frei. Da wird sonntags sicher ein wenig gefeiert (lacht).

 

 

 

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