Sonntag, 19. September 2021

"Es sind Dinge vorgefallen, da ging es einfach nicht mehr" - Matthias Dehoust über seinen Rücktritt in Friedrichsfeld

erstellt am Dienstag, 27 Juli 2021
"Es sind Dinge vorgefallen, da ging es einfach nicht mehr" - Matthias Dehoust über seinen Rücktritt in Friedrichsfeld Bild: Berno Nix

sport-kurier. Matthias Dehoust, der als Profi unter anderem beim SV Waldhof Mannheim gespielt hat, ist seit Anfang Juli kein Trainer mehr beim Mannheimer Kreisligisten Germania Friedrichfeld.

Der 47-Jährige wird von Lars Weidmann beerbet.

Der sport-kurier sprach mit Dehoust über die Beweggründe seines Rücktritts.

Hallo Herr Dehoust, wie kam es denn genau zu Ihrem Abschied? Sie waren ja eine gefühlte Ewigkeit als Trainer in Friedrichsfeld aktiv.

Ja, in diesem Oktober wären es 6 Jahre gewesen. Ich muss sagen, dass es über die letzten Monate ein schleichender Prozess war. Wenn man so lange in einem Verein ist, nutzt sich vieles ab. Irgendwann kommt dann eben mal der Punkt, wo man sich sagt, es geht nicht mehr. Es sind Dinge vorgefallen, da ging es einfach nicht mehr. Wenn man beispielsweise 7 Monate keinen Fußball gespielt hat, dann muss man anders an die Sache herangehen, langsamer, was in 6 Wochen Vorbereitung natürlich schwierig ist. Aber für manche geht es eben immer eher darum Spaß im Training zu haben. Aber wie gesagt, nach solch einer langen Pause kann man nicht wieder sofort von 0 auf 100 gehen. Im Pokalspiel am Wochenende gab es nun 3 verletzungsbedingte Auswechslungen bei Friedrichsfeld, was zeigt, dass ich da vielleicht nicht so ganz Unrecht hatte.

Demnach war es kein schöner Abschied, sondern einer, der mit Ärger verbunden war.

Nein, und es war auch keine einfach Entscheidung für mich. Es sind einfach Dinge vorgefallen, die mich auch persönlich betroffen haben. Ich habe dann zwei Wochen vor meinem Rücktritt mit dem Präsidium gesprochen und die Dinge genau thematisiert. Es ist aber nichts passiert. Und dann habe ich eben gesagt, dass jetzt Schluss sein muss.

Wie blicken Sie denn auf Ihre Zeit in Friedrichsfeld nun zurück?

Ich muss sagen, dass die letzten Monate vieles weggewischt haben. Ich habe die Mannschaft über die Jahre in der Kreisliga gehalten, was man schon als Erfolg ansehen kann. Mein Abschied war nicht geplant und kam dann auch für ich überraschend. Und es tut immer noch sehr, sehr weh. Aber man merkt nun, dass es selbst in diesen Gefilden, in denen wir uns bewegen, keinen Platz für Sentimentalitäten gibt.

Wenn man selbst mal als Profi unterwegs war, ist es sicher auch nicht leicht, sich in der Kreisliga als Trainer zu recht zu finden. Oder?

Da muss man natürlich Abstriche machen. Klar ist: Sollte ich nochmals irgendwo als Trainer anfangen, dann würde ich mich nicht mehr komplett verbiegen. Ich bin ja kein Animateur, der die Spieler dazu bringen muss, zu trainieren. Entweder ich mache das als Spieler gerne oder ich lasse es. Es ist ja auch so, dass man sich eigentlich gegenüber den anderen Jungs verpflichtet fühlen sollte, im Training zu erscheinen, weil man nur so eben dauerhaft auch sonntags eine entsprechende Leistung als Mannschaft abrufen kann. Diese Entwicklung beobachte ich nun schon länger und muss sagen, dass es gefühlt immer schlimmer wird. Manche wollen mit geringstem Aufwand maximalen Erfolg.

Mit anderen Worten heißt das, dass Sie unter gewissen Voraussetzungen durchaus nochmals als Trainer arbeiten würden.

Wie gesagt, nur dann, wenn ich mich dafür nicht mehr komplett verbiegen muss. Denn irgendwann erzeugt das in dir selbst so ein schlechtes Gefühl, dass du nicht mehr du selbst bist. Künftig würde ich ganz genau hinschauen, was da für Charaktere in der Mannschaft sind. Es müsste alles passen. Aber es soll jetzt hier kein falscher Eindruck entstehen. Ich habe keine anderen Angebote vorliegen und führe auch keine Gespräche. Ich höre nicht nach einer Woche in Friedrichsfeld auf und habe bereits in der Hinterhand etwas anders. So bin ich nicht. Ich will das Ganze jetzt in Ruhe verarbeiten. Es ist schade, dass es zu gekommen ist. Viele Menschen lernt man eben auch erst richtig kennen, wenn mal solche Situationen anstehen. Für mich war das eine lehrreiche Zeit. Ich werde mich jetzt verstärkt um meine Familie kümmern, die über die Jahre natürlich auch etwas zu kurz kam.

 

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 27 Juli 2021

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