Sonntag, 23. Januar 2022

Wegen Corona: Präsident Erwin Prudlik von RW Rheinau in seinem schwierigsten Amtsjahr

erstellt am Freitag, 13 November 2020
Wegen Corona: Präsident Erwin Prudlik von RW Rheinau in seinem schwierigsten Amtsjahr Bild: RWR

sport-kurier. Erwin Prudlik ist seit über fünf Jahren Präsident von Kreisligist SC Rot-Weiß Rheinau.

Doch sein sechstes Amtsjahr ist sein mit Abstand schwierigstes, denn Corona belastet Rheinau wie auch alle anderen Vereine finanziell, wie uns Prudlik im Interview erläutert.

sport-kurier: Hallo Herr Prudlik. Erklären sie uns am Beispiel von Rot-Weiß Rheinau einmal, wie sich Corona finanziell auf die Vereine auswirkt.
Erwin Prudlik: Wir haben eine vereinseigene Sportanlage zu betreiben. Auf unseren Kunstrasen fällt regelmäßig die Hypothek an. Dazu Energiekosten, Versicherung usw. Die Standardzuschüsse der Stadt reichen bei weitem nicht aus, um diesen Wirtschaftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Also brauchen wir auch andere Einkünfte.

Wie sieht es auf der Einnahmenseite momentan aus?
Um unsere Kosten, die ja immer weiterlaufen, zu decken, halten wir uns mit Veranstaltungen über Wasser. Uns fehlen jetzt aber die Einnahmen aus dem MVV-Jugendcup, bei dem wir immer rund 3000 Zuschauer auf unserer Anlage begrüßen dürfen. Ausfallen werden auch die AH-Turniere, Hallenturniere und unser Familientag. Dazu kommt, dass der Wirt unseres Clubhauses seine Pacht wegen fehlender Einnahmen nicht bezahlen kann. Das sind schwerwiegende Einnahmen, die uns jetzt fehlen.

Wie sieht es mit weiteren Zuschüssen aus?
Wir haben natürlich auch damals im März die Corona-Soforthilfe in Anspruch genommen. Aktuell wissen wir nicht, ob es weitere Hilfen geben wird. Ich habe am Donnerstag bei einer Videokonferenz vom Badischen Sportbund erfahren, dass es nicht so einfach ist. Ein Verein müsste praktisch vor der Insolvenz stehen, um Unterstützung zu erhalten. Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht.

Haben sie schon einen Mitgliederschwund zu verzeichnen?
Gott sei Dank nicht. Aber wenn die Kinder bzw. deren Eltern die Beiträge bezahlen und nicht spielen können, weiß ich nicht, wie lange sie uns treu bleiben. Wenn sich die Spirale da erst einmal anfängt, zu drehen…Noch haben wir ein gut funktionierendes Vereinsleben mit ehrenamtlichem Engagement. So kommen jeden Dienstag 21 Vereinsmitglieder und kümmern sich um Instandhaltung, Rasenpflege und Reparaturen.

Mit dem neuen Trainer Peter Brandenburger seit dem vierten Spieltag stimmen auch wieder die sportlichen Ergebnisse…
Wir hatten einige Male auch das nötige Spielglück auf unserer Seite, als sich der Gegner mit einer gelbroten Karte selbst dezimierte oder nur den Pfosten traf. Die letzten beiden Spiele in Ladenburg und gegen Viernheim endeten aber mit überzeugenden Siegen. Unsere Abwehr steht mittlerweile bombensicher und auch nach vorne läuft es jetzt richtig gut. Aber ein Nachtreten gegen den alten Coach Ralf Eckl gibt es nicht. Nach der langen Corona-Pause waren einige Spiele nicht austrainiert und daher nicht in Form. Wir haben die Startphase verschlafen. Dass wir den Trainer wechseln, war nicht gewollt, doch Eckl hatte beruflich viel um die Ohren und konnte nicht mehr bei jeder Trainingseinheit anwesend sein. Unser Glück war, dass Peter Brandenburger, zu dem der Kontakt nach seiner früheren Trainertätigkeit bei Rheinau nie abgerissen ist, gerade frei war. Der Trainerwechsel ging völlig geräuschlos über die Bühne.

Und ausgerechnet jetzt ist wieder Zwangspause.
Wir haben gerade ein Deja-vu-Erlebnis. Bei der Corona-Unterbrechung im März standen wir aufgrund der schlechteren Tordifferenz auf dem zweiten Platz und durften nicht aufsteigen. Jetzt sind wir wieder Zweiter und keiner weiß momentan, wie es weitergeht. Ich finde in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Südbadischen Fußballverbandes gut, jetzt schon die Winterpause zu starten und in diesem Kalenderjahr nicht mehr zu spielen. Auch unser zuständiger Verband sollte sich überlegen, die Rahmenterminpläne mit der Winterpause bis März in den Papierkorb zu werfen und, wenn es die Lage zulässt, schon im Januar wieder den Spielbetrieb aufzunehmen.

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 13 November 2020

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