Mittwoch, 01. Februar 2023

Rudi Völler wird Sportdirektor der Nationalmannschaft ++ Völler: "Wir müssen die Fans zurückgewinnen"

erstellt am Freitag, 20 Januar 2023
Rudi Völler wird Sportdirektor der Nationalmannschaft ++ Völler: "Wir müssen die Fans zurückgewinnen" Bild: IMAGO / Marc Schüler

sport-kurier. Ein cleverer Schachzug ist dem Deutschen Fußball Bund geglückt.

Mit Rudi Völler wurde am Freitag ein neuer Sportdirektor für die Aufgaben der Nationalmannschaft vorgestellt. Dabei ist bereits sicher, dass Völler diese Position nur bis nach der Europameisterschaft in Deutschland bekleiden wird und somit eine temporäre Lösung darstellt.

Für nicht wenige Fans ist es ein Durchbrechen der "Phalanx der Ja-Sager" und eine Rücknahme der Konzentration der Verantwortung auf der Position des Sportdirektors, die der Verband in den vergangenen Jahren eingerichtet hatte. Vielleicht auf ein Eingeständnis, dass das Machtspielchen von Oliver Bierhoff, der immer mehr Verantwortung auf sich lud, krachend gescheitert ist. Hatte Bierhoff neben der Verantwortung für die A-Nationalmannschaft auch noch den Bau des DFB-Campus in Frankfurt, Teile der Vermarktung und die Geschicke der Nachwuchsnationalmannschaften auf sich geladen, wird Nachfolger Völler sich auf den sportlichen Bereich konzentrieren.

Dies bestätigte auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf bei der Vorstellung Völlers, als er ausführte, wie die Arbeit der "Task Force" in Zukunft aussehen werden. Diese war ursprünglich nach dem Ausscheiden in Katar gegründet worden, um eine neue sportliche Leitung zu finden und die vielschichtigen Aufgaben Bierhoffs bis dahin zu übernehmen. "Wir werden mit der Task-Force die fünf Geschäftsbereiche und insbesondere die Arbeit in der Akademie auf den Prüfstand stellen", so der DFB-Präsident.

Für den Verband ist die Personalie Völler dennoch ein Glücksfall. Das Lied "Es gibt nur ein Rudi Völler" ist vielen Fans noch im Ohr, sei es aufgrund seiner Erfolge als Spieler mit dem WM-Titel 1990 oder als Teamchef der Nationalmannschaft mit dem Vize-Weltmeistertitel 2002. Aus seiner Arbeit bis zum Sommer bei Bayer Leverkusen unterhält Völler beste Verbindungen zu allen Clubs, gilt zudem als Fan-nah und bei den Fans als sehr beliebt. Genau dies war für den Verband ein Problem und bildet genau genommen sogar einen Gegensatz zu seinem eher distanziert agierenden Vorgänger.

"Es war wie damals, bevor ist die Nationalmannschaft als Teamchef übernommen habe. Ich habe zuerst abgelehnt und gefragt, ob sie nicht einen anderen hätten", schmunzelte Völler bei seiner Vorstellung. Doch dank Vizepräsident Hans-Joachim Watzke und Präsident Bernd Neuendorf ließ sich der aus Hanau stammende ehemalige Stürmer-Star doch noch überzeugen. Er weiß aber auch, wie groß die Herausforderung ist und wie wenig Zeit er hat das Ruder herumzureißen und die Mannschaft nach dem blamablen WM-Aus von Katar neu zu positionieren.

"Ich glaube immer noch, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben. Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind", erklärte Völler und nannte die ganzen Nebenschauplätze wie die Diskussion um die "One Love" Binde als Faktoren für den sportlichen Mißerfolg. "Vor der WM habe ich Frankreich und Brasilien als Favoriten gesehen. Danach kamen Argentinien, Kroatien, England, Belgien und auch wir. Am Ende hat die Mannschaft gewonnen, die großartig verteidigt und eine große mannschaftliche Geschlossenheit gezeigt hat", sagte er weiter.

Völler sprach davon, dass man sicher nicht über Nacht viel verändern könne, der DFB aber bereits eine großartige Mannschaft habe, die um den Titel im eigenen Land mitkämpfen könne. "Natürlich hilft es uns nicht gerade, dass wir nur Freundschaftsspiele bis zur Europameisterschaft haben. Aber dies gibt uns auch die Chance uns neu zu formieren", so Völler, der zudem auch wegen der Ausbildung von deutschen Talenten mit den Bundesligisten ins Gespräch gehen will.

"Es ist eine Tatsache, dass wir auf einigen Positionen in der Nationalmannschaft nicht mehr so gut besetzt sind wie in der Vergangenheit", gab der 62-jährige zu Protokoll. Kein Hehl machte Rudi Völler daraus, dass für ihn das Mitwirken hinsichtlich der Europameisterschaft im eigenen Land einen besonderen Reiz darstelle. Gleichzeitig widersprach er aber allen Hoffnungen über die Europameisterschaft hinaus in dieser Funktion zur Verfügung zu stehen.

Zudem möchte Völler die Nationalmannschaft auch wieder mehr in die Nähe der Fans bringen. "Das ist ja ein Kritikpunkt, der nicht erst seit Katar besteht", gab er zu und sprach über öffentliche Trainingseinheiten und fanfreundlicher Anstoßzeiten. "Ich kann nichts versprechen, aber wir müssen zusehen, dass wir die Fans zurückgewinnen." Mit dem sehr beliebten Völler hat der Verband hier zumindest schon einen vielversprechenden Anfang gemacht.

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 20 Januar 2023

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