Montag, 12. April 2021

Es war die Blamage schlechthin ++ DFB-Elf verliert gegen Nordmazedonien

erstellt am Donnerstag, 01 April 2021
Für Fußball-Deutschland wäre ein sofortiger Rückzug von Joachim Löw im Interesse vieler Fans. Für Fußball-Deutschland wäre ein sofortiger Rückzug von Joachim Löw im Interesse vieler Fans. Bild: Marc Schüler Sportpics

sport-kurier. Fast schlimmer als das 0:6 gegen Spanien wirkte das 1:2 gegen Nordmazedonien, was die Frage anreißt ob wir uns nun mit den Luxemburgs, Lichtensteins und Andorras dieser Welt messen müssen.

Groß ist die Kritik wieder an Bundestrainer Joachim Löw, alle positiven Eindrücke aus dem 3:0 gegen Island vor knapp einer Woche sind wie ausgelöscht.

Unverständlich war in dieser Partie die Entscheidung von Löw ohne Not von der Viererkette auf die Dreierkette umzustellen. Verständlich ist, dass Löw gerne für die EM ein flexibles System haben möchte, um gegen die großen der Fußballwelt ein überraschendes Element auf seiner Seite zu haben oder zumindest entsprechend reagieren zu können. Doch funktionierte in den vergangenen 36 Monaten oft noch nicht einmal die traditionelle Abwehr mit zwei Außen- und zwei Innenverteidigern richtig, zu oft kam der Gegner zu leicht durch und erarbeitete sich Chancen.

Und so war es am Mittwochabend wie schon in den Partien davor, in denen Löw die Dreierkette aufbot: die Abwehr wirkte verunsichert, es gab Abstimmungsprobleme bei der Absicherung und die Außenspieler agierten zu offensiv und waren zu langsam in der Rückwärtsbewegung. Zudem war auf einmal auch wieder ein Mann zu viel im Mittelfeld und so konnte das flexible Rochieren zwischen den Spielern nicht funktionieren und wirkte eher statisch. Nicht unrecht hatte RTL-Experte Uli Hoeneß mit seiner Einschätzung, dass die Spieler müde wirkten und immer einen Schritt zu langsam gegenüber der Auswahl Nordmazedoniens.

Doch machte sich die DFB-Truppe so auch selber die Räume eng und schnell verzettelten sich Kimmich, Gündogan, Goretzka und Sane in ihren Passstafetten, die allesamt zwar nett anzusehen waren und auf dem Papier eine deutliche Überlegenheit im Ballbesitz aussagen, doch am Ende wenig effektiv waren, da echte Chancen gegen den tiefstehenden Gegner Mangelware blieben. Besser machte es Nordmazedonien und zeigte das, was Deutschland gegen Island ausgezeichnet hatte, seitdem aber wieder abhandengekommen ist: eine schnelle und direkte Spielweise mit Zug zum Tor. Egal, ob man an der Abwehr hängen bleibt, irgendwann kommt einer durch, wenn man es immer wieder probiert, so wie bei den Treffern von Pandev (45.) und Elmas (85.).

Dass Deutschland "nur" 1:2 unterlag ist vielleicht sogar das große Glück für Löw, denn auch wenn die Kritik jetzt bereits groß ist, wäre auch ein 0:3 in Duisburg gegen den vermeintlich kleinen EM-Teilnehmer vom Balkan durchaus möglich gewesen. Denn nicht jeder Schiedsrichter hätte den Elfmeter für Deutschland gegeben, zudem übersah Sergei Karasev (Russland) auch noch ein klares Handspiel von Emre Can im deutschen Strafraum.

Wenn sich Mitte April Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff dann mit Ralf Rangnick trifft, um die Löw Nachfolge zu besprechen, sollte er nicht nur den August 2021 im Auge haben, sondern auch den Wechsel als Sofortmaßnahme. Denn während Rangnick sicher kein Wunschkandidat für viele Fans ist, könnte der "Fußballprofessor" der perfekte Übergangstrainer sein, der die deutsche Elf vor der EM auf "links" dreht und bei den Gegnern wieder für unberechenbare Elemente im Spiel der DFB-Auswahl sorgt.

Ob im August 2021 dann Stefan Kunz, Marcus Sorg oder ein anderer Kandidat wie Hansi Flick oder Jürgen Klopp übernimmt oder dieser Wechsel "geplant" nach der WM 2022 stattfindet, ist zweitrangig und eine Sache der Vertragsgestaltung. Sicher ist nur, dass Löw mit einer Mannschaft in dieser Verfassung und mit diesem System gegen Fußballgrößen wie Frankreich und Portugal in der eigenen Vorrundengruppe Probleme bekommen wird. Und nur ein Spitzenspiel gegen Ungarn bei den drei Spielen in München zu erleben - das möchte der DFB sicher vermeiden, immerhin hat man bereits großspurig das Halbfinale als Minimalziel ausgegeben.

 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 01 April 2021