Mittwoch, 27. Mai 2020

Keine Artikel in diesem Warenkorb

Auf einmal nur noch Nebensache war "König Fußball" ++ Europameisterschaft 2020 verschoben

erstellt am Samstag, 28 März 2020
Auf einmal nur noch Nebensache war "König Fußball" ++ Europameisterschaft 2020 verschoben Foto: Marc Schüler

sport-kurier. Überschlagen haben sich die Ereignisse in den vergangenen Wochen.

Auf einmal nur noch Nebensache war "König Fußball" in Anbetracht der Corona-Pandemie, was zuerst Geisterspiele, dann die Unterbrechung der Saison 2019/20 nach sich zog. Ungewiss die Fortsetzung, fest steht nur, dass die von vielen Fans heiß erwartete Jubiläums-Europameisterschaft 2020 mit Spielen auf dem gesamten Kontinent um ein Jahr verschoben wurde.

Dass die Verbände wie die UEFA oder der DFB so lange an der Fortführung des Spielbetriebs festhielten, hatte vor allem finanzielle Gründe, denn langfristig abgeschlossen werden in der Regel die Übertragungsverträge. Kein Wunder, dass die Verbände dabei keine sehr "menschliche" Figur abgaben und es für den langen Entscheidungszeitraum von vielen Seiten Kritik kam.

Doch wurde mit der nun getroffenen Entscheidung eine große historische Chance verpasst. Zwar soll die Europameisterschaft nun exakt ein Jahr später stattfinden, jedoch wäre eine andere Lösung für die Fans in dieser Ausnahmesituation fast praktikabler gewesen. Schon lange gibt es Diskussionen die Fußballsaison dem Jahr anzupassen und lieber von Februar/März bis Oktober/November zu spielen als von Juli bis Mai mit Winterpause.

Leicht wäre es gewesen die Europameisterschaft in den November/Dezember zu verlegen, analog zu der 2022 ausgetragenen Weltmeisterschaft in Katar. Dies hätte allen Vereinen ein gutes halbes Jahr Planungssicherheit gegeben die aktuelle Saison in Würde zu beenden, nur die jeweils bis zum 30. Juni datierten Spielerverträge hätten in dieser Planung zum Problem werden können. Denn sicher ist es nicht, wann die Saison fortgesetzt werden kann, Experten rechnen damit, dass es frühestens Ende April/Anfang Mai soweit sein wird.

 

Bundestrainer Jogi Löw hat durch die Verschiebung der EM nun zwei Jahre, anstatt nur ein Jahr Gnadenfrist. Bild: Marc Schüler

Die aktuelle Saison dann bis zum 30. Juni zu beenden kann für viele Mannschaften ein Spießrutenlauf werden, denn auch die für Ende März angesetzten Länderspiele und Nations League Endrunde sollen Anfang Juni ausgetragen werden, Endspiele für Europa und Champions League dann Ende Juni. Mit der Veränderung der Saison durch die Corona-Unterbrechung hätte die UEFA mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen und den Vereinen mehr Flexibilität zur Beendigung der Saison gegeben.

Jetzt muss auch die UEFA hoffen, dass nicht noch unvorhergesehene Ereignisse bei dieser Pandemie eintreten, die ihr hinsichtlich der Beendigung der Saison bis zum 30. Juni einen Strich durch die Rechnung machen.

Für die Deutsche Nationalelf und Bundestrainer Jogi Löw ist die Verschiebung der Europameisterschaft schon fast so etwas wie eine gute Nachricht. Zum einen kämpft die junge Mannschaft immer noch mit der fehlenden Konstanz, nun hat sie ein Jahr (und einen Nations League Wettbewerb im Herbst) länger Zeit sich einzuspielen. Zum anderen hätten schwer ersetzbare Leistungsträger wie Leroy Sane oder Niklas Süle das Turnier aufgrund von Verletzungen verpassen oder nicht in voller Leistungsfähigkeit bestreiten können.

Auch Bundestrainer Joachim Löw hat durch diese Verschiebung nicht nur ein, sondern gleich zwei Jahre mehr "Gnadenfrist". Auch wenn mit Frankreich und Portugal in der "Todesgruppe F" zwei Turnierfavoriten bei der Europameisterschaft auf die deutsche Auswahl warten, wäre Löws Job bei einem Aus in der Vorrunde in Gefahr gewesen.

Kaum vorstellbar ist es jedoch, dass der DFB nur ein Jahr (bzw. 18 Monate) vor der Weltmeisterschaft und inmitten der Qualifikation für dieses Turnier solch eine schwerwiegende Veränderung in der Führungsposition der Mannschaft vornimmt.

Positiv ist die Verschiebung aber auch hinsichtlich der schwersten Entscheidung von Löw - der "Ausbootung" der Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng. Sie wären 2021 noch ein Jahr älter gewesen, ein Umbruch wäre zeitlich noch schwerer zu bewerkstelligen gewesen, während jetzt junge Talente wie Kai Havertz, Lukas Klostermann oder Serge Gnabry immer mehr von der gesammelten Erfahrung profitieren.

 

 

Letzte Änderung am Samstag, 28 März 2020