Samstag, 28. Mai 2022

Der SV Waldhof neu in der 3.Liga - eine erste Bilanz

erstellt am Dienstag, 26 November 2019
Volle Kraft voraus heißt es für Mete Celik und den SV Waldhof auch in den kommenden Spielen Volle Kraft voraus heißt es für Mete Celik und den SV Waldhof auch in den kommenden Spielen Bild: MA-Sportfotos/Marino

sport-kurier. Es gibt mittlerweile keinen Zweifel mehr, der SV Waldhof ist in der Dritten Liga angekommen.

Es sind vielleicht ein paar Siege zu wenig, dafür ein paar Unentschieden zu viel, aber eine Bereicherung ist der ehemalige Bundesligist nach seiner Rückkehr in den Profifußball allemal. Nach über einem Drittel der Saison lässt sich schon ein Zwischenfazit ziehen.

Der Kader

Eine Besonderheit beim SVW ist, dass drei qualitativ gute Torhüter unter Vertrag stehen und auch schon alle drei zu ihren Einsätzen gekommen sind. Für Markus Scholz wird es vor März 2020 nichts mit einer Rückkehr auf den Fußballplatz. Sein Kreuzbandriss ist frühestens nach sechs Monaten auskuriert. Bis dahin können die beiden anderen Keeper Miro Varvodic und Neuzugang Timo Königsmann den Kampf um den Platz zwischen den Pfosten unter sich ausmachen.

Immerhin fünf Akteure unter den Feldspielern standen bislang in allen 16 Partien auf dem Platz. Während Marcel Seegert, Marco Schuster und Jan-Hendrik Marx in allen Spielen über die komplette Spielzeit auf dem Feld waren, kamen Michael Schultz und Kevin Koffi in 16 Spielen zum Einsatz, in denen sie auch mal ein- oder ausgewechselt wurden. Dorian Diring fehlte gegen Ingolstadt lediglich aufgrund einer Gelbsperre und war bei allen anderen Spielen dabei.

Im Defensivverbund hat Waldhof somit eine sehr gut eingespielte Formation. Dazu zählen auch Kevin Conrad und Max Christiansen, die geringfügig weniger Einsätze zu verzeichnen haben. Im Offensivteil der Mannschaft sind derzeit Maurice Deville und Gianluca Korte die Dauerbrenner mit den meisten Einsätzen knapp unter der Höchstmarke.

Die Neuzugänge

Wer immer spielt ist ein gefühlter Volltreffer. Jan-Hendrik Marx kurierte seine in der alten Saison erlittene Verletzung an der Fußsohle in der Sommerpause aus, musste somit zu Beginn der Vorbereitung etwas langsamer starten. Schnell waren sich Fans einig: Dieser Spieler überzeugt uns nicht. Der Wind hat sich längst gedreht. Sein Traumtor im DFB-Pokal zur 3:2-Führung gegen Eintracht Frankfurt hätte fast das sensationelle Weiterkommen des Drittligisten bedeutet. Und auch die im Sommer ausgesprochene Hoffnung von Trainer Bernhard Trares, dass seine Flanken irgendwann beim Mitspieler ankommen mögen, hat sich in der Zwischenzeit erfüllt.

Einer der Nutznießer von Marx-Flanken sollte nach Möglichkeit Kevin Koffi sein. Der Ivorer, im Vorjahr mit 19 Treffern noch Torschützenkönig der Regionalliga Südwest, hatte leider bis Mitte November noch kein Erfolgserlebnis. Im Badischen Pokal hat es in allen drei Spielen schon einige Koffi-Tore zu bestaunen gegeben und auch im Testspiel bei Zweitligist Wehen-Wiesbaden am punktspielfreien Länderspielwochenende traf Koffi. Es besteht also für die laufende Saison noch genügend Grund zur Hoffnung.

Arianit Ferati (zuletzt Hamburger SV 2) und Benedict dos Santos (kam vom VfB Stuttgart 2) genossen eine gute Ausbildung und deuteten bei ihren Einsätzen ihre Qualität bereits an.

Die Verletztenliste

Noch ohne eine einzige Minute Einsatzzeit sind Jesse Weißenfels (die Verletzung rührt aus der Vorsaison), Raffael Korte (Operation am Knie während der Sommerpause) und Jan Just (Kreuzbandriss beim Trainingsauftakt). Neben einigen Spielern mit den üblichen kleineren Wehwehchen erwischte es nach Scholz mit Valmir Sulejmani am siebten Spieltag einen zweiten Leistungsträger schwer. Der Riss des Syndesmosebandes lässt vermutlich kein Comeback vor Weihnachten mehr zu. Der 23-jährige Stürmer hofft darauf, spätestens im Januar wieder angreifen zu können.

Während Mounir Bouziane nach fast einjähriger Pause mittlerweile wieder spielen kann und bei 1860 München sein erstes Tor erzielte, lässt die Genesung von Mohamed Gouaida noch auf sich warten. Nach einem Muskelfaserriss, erlitten kurz vor dem offiziellen Trainingsstart, verletzte sich der Ex-Sandhäuser an der gleichen Stelle gleich noch einmal und dann ein drittes Mal. Unglaublich, aber wahr. Der 26-jährige betonte im Sommer nach seiner ersten Verletzungspause noch, dass er zuvor in seiner Karriere nie längerfristig ausgefallen sei. Das Training hat er nun wieder aufgenommen. Trares schließt nicht aus, dass Gouaida noch vor Weihnachten sein Comeback auf dem Platz geben wird

Der Aufsichtsrat der Spielbetriebs GmbH

... wechselt in seiner Besetzung öfter als in der Branche üblich. Vor allem die vom Präsidium des Hauptvereins entsandten Mitglieder wurden und werden munter ausgetauscht. Stefan Höss und Thomas Bollmeyer sowie Wolfgang Gruber waren schnell Geschichte. Andere rückten dafür nach. Bei der Mitgliederversammlung wurden nun Horst Seyfferle und Birgit Loewer-Hirsch, letztere nach ihrem Rücktritt vom Rücktritt, neu gewählt. Eine Garantie, dass beide in einem Jahr noch auf dem Podium sitzen werden, kann nicht übernommen werden. Insgesamt ist die Außendarstellung des Vorstandes des e.V. nicht gut.

Die Fans

...sind derzeit wohl ein Pulverfass. Der neueste Streit mit dem Geschäftsführer Markus Kompp entzündete sich beim Spiel gegen Halle. Ein verhängtes Choreoverbot sollte nur für die Fans der Heimmannschaft, nicht aber für die Anhänger aus Halle gelten. Dafür gab es auch einen Grund: Die Saalestädter trauerten um einen beim Fan aus der organisierten Szene, der beim Terroranschlag in Halle ums Leben kam. Seit diesem Vorfall wurde eine neue Eskalationsstufe erreicht. Es wird aus dem Fanbereich in Richtung Geschäftsführer geschimpft und beleidigt. Sieger wird es bei diesem Duell keine geben, sondern nur Verlierer.

Der Zuschauerzuspruch in der 3. Liga war erwartungsgemäß gut. Der Zuschauerschnitt liegt insgesamt derzeit bei über 10 000 Besuchern pro Spiel. Eine fünfstellige Zahl sollte man erreichen können, denn viele attraktive Teams werden im Carl-Benz-Stadion noch erwartet.

Auswärtsstärke und Heimschwäche

Es herrscht mittlerweile eine Riesendiskrepanz zwischen Auswärts- und Heimspielen. Dabei klappte auch in fremden Stadien nicht alles nach Wunsch. Aufgrund des Chancenverhältnisses oder des Spielverlaufs wären Siege bei Viktoria Köln, 1.FC Kaiserslautern oder auch FC Bayern München 2 nicht unverdient gewesen. Die Serie, auswärts ungeschlagen zu sein, wurde bisher von keinem Waldhof-Gegner geknackt. Seit 18 Monaten und 25 Spielen haben die Blauschwarzen stets etwas Zählbares im Koffer gehabt.

Die drei Saisonniederlagen gab es folgerichtig in den Heimspielen. Vom Ergebnis her gesehen etwas trostlos waren die letzten Heimpartien: 0:0 gegen Ingolstadt, 0:3 gegen Unterhaching, 0:4 gegen den Halleschen FC, 1:1 gegen Hansa Rostock und 1:2 gegen die Würzburger Kickers. Von fünfzehn zu vergebenden Punkten wurden nur zwei geholt. Die Heimbilanz ist noch ausbaufähig.

Zur Rettung muss gesagt werden, dass alle Gegner außer Würzburg zu den Aufstiegsaspiranten zählen und alle außer Rostock in der Tabelle weit oben stehen. Auch der kommende Heimgegner Eintracht Braunschweig fällt in diese Kategorie.

Die Aussichten

Nach der Winterpause sollte der ein oder andere verletzte Spieler wieder zurückkehren. Wenn nicht neue Schwerverletzte zu beklagen sind, wird das Team nicht schwächer werden. Den von Trares als Ziel ausgerufenen Klassenerhalt, dafür braucht es mindestens 45 Punkte, sollte somit machbar sein.


Auch erschienen in unserer Printausgabe 26.11.19


Letzte Änderung am Dienstag, 26 November 2019