Donnerstag, 11. August 2022

Demirbay´s Last-Minute-Treffer straft Köln und rächt Dietmar Hopp

erstellt am Samstag, 22 April 2017
Demirbay erzielte in der Nachspielzeit den 1:1 Ausgleich beim 1. FC Köln. Demirbay erzielte in der Nachspielzeit den 1:1 Ausgleich beim 1. FC Köln. Bild: Lörz

sport-kurier. Das Duell der Freitagabendpartie des 30. Bundesliga-Spieltages zwischen dem 1. FC Köln und TSG Hoffenheim endete mit einem leistungsgerechten Unentschieden.

Die TSG sicherte sich mit ein 1:1 die erstmalige Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Der späte Ausgleich in der Nachspielzeit durch Kerem Demirbay war gleichzeitig Genugtuung für die vielen Schmähgesänge gegen TSG-Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp.

Durch den Punkt in der Domstadt haben die Blau-Weißen ihren Vereinsrekord von 55 Punkten aus der ersten Bundesligasaison 2008/09, wo sie als Herbstmeister überwinterten, eingestellt. Aufgrund des komfortablen Vorsprungs auf Platz 7 ist ihnen die Europa League-Teilnahme nicht mehr zu nehmen. 1899-Manager Alexander Rosen: "Dies ist ein hervorragendes Ergebnis. Natürlich wollen wir weiter dran bleiben, das Maximale herausholen und voll auf dem Gas bleiben". Auch wenn er es nicht direkt aussprach, dies wäre Platz 3 in Verbindung mit der direkten Champions League Qualifikation.

Offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten

Beide Mannschaften riskierten in einer unterhaltsamen ersten Halbzeit viel und erspielten sich einige Chancen. Die größte hatte FC-Verteidiger Heintz, der in der 40. Minute aus kurzer Distanz am Pfosten scheiterte. In der 58. Minute machte es der FC dann besser. Ein langer Ball von Sörensen auf den rechten Flügel steckt der starke Klünter durch auf Hector. Der Nationalspieler bedient den am langen Pfosten lauernden Bittencourt, der aus kurzer Distanz gegen den machtlosen TSG-Keeper Baumann einschiebt. Gegenspieler Toljan, der nicht entsprechend nachsetzte, schaute verdutzt.

Hoffenheim rennt fortan mit aller Macht an, tut sich aber ungewöhnlich schwer gegen den dichtgestaffelten Kölner Defensivverbund, der geschickt den Vorsprung mit konsequenter Abwehrarbeit verteidigt. Allerdings nur bis in die Nachspielzeit: Es lief bereits die 93. Minute, als FC-Stürmer Osako den Ball im eigenen Strafraum vertändelt, Süle am schnellsten reagiert, quer auf Demirbay legt, der überlegt und platziert ins linke Eck einschiebt. Ein Treffer mit schockierender Wirkung für die "Gießböcke", die den schon sicher geglaubten fünften Rückrundensieg als Big Point in Richtung Europapokal aus den Händen gerissen sahen.

 

Kölner Mob mit Schmähgesängen gegen Dietmar Hopp

Das Gastspiel im RheinEnergieStadion hatte auch seine Schattenseiten. Die in Köln inzwischen schon zur Gewohnheit gewordenen Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp waren dieses Mal besonders intensiv und wurden auch durch geschmacklose Plakate hinterlegt. Der Stadionsprecher ermahnt mehrmals die entsprechenden Chaoten in der Fankurve dies zu unterlassen. In der zweiten Hälfte distanzierten sich einige der FC-Fans davon und pfeifen gegen die unsäglichen Sprechchöre in Richtung Fanblock.

Nach dem Abpfiff entschuldigte sich FC-Präsident Werner Spinner öffentlich: "Der FC entschuldigt sich bei Dietmar Hopp für die Rufe und Plakate von Teilen der Fans. Diese Beleidigungen sind inakzeptabel und sie spiegeln nicht die Werte wider, für die der 1.FC Köln steht." Manager Rosen zeigte sich sichtlich betroffen und fand kein Verständnis für solche Vorgehensweisen: "Es ist nicht zu fassen, was manche Schwachköpfe für einen Hass säen. Das ist eine neue Form von Hass und Ablehnung. Es ist einfach eine unsägliche Frechheit. Aber es war auch bemerkenswert, dass viele Kölner aufgestanden sind und gepfiffen haben."

Bemerkenswert auch die Aussage von TSG-Trainer Julian Nagelsmann im Journalistenkreis im Kölner Presseraum zu dieser neuen Dimension des Hasses: "Ich finde es in dieser Zeit, in der wir aktuell leben, noch unfassbarer als es sowieso ist. Wir machen uns immer Gedanken, und jeder ist bestürzt, dass irgendeiner einen Bus, aus welchen Gründen auch immer, in die Luft sprengt. Und zwei Tage später wird der HSV-Bus mit Farbbeuteln beschmissen. Du fährst ins Stadion und jeder zeigt dir den Mittelfinger. Die Leute müssen mal nachdenken, ob denen nicht allen der Helm brennt?"

Dietmar Hopp war beim Kölner Mob erneut Schmähgesängen ausgesetzt. Bild: Lörz

 

Julian Nagelsmann auf PK mit klaren Worten

In seiner emotionalen und deutlichen Aussage äußerte sich der 29-Jährige auch zu den Schmähgesängen: "Dass es Dietmar Hopp betrifft, ist völlig bescheuert. Aber auch jeder andere Mensch sollte nicht ständig beleidigt werden. So Schmähgesänge haben wir ständig. Dass da ansatzweise rechte Plakate gehisst werden mit Vergleichen, sorry, da fehlt mir das Verständnis. Das ist einfach peinlich, schlichtweg peinlich. Und dumm, was wir Menschen aus dieser wunderschönen Welt machen."

Am nächsten Sonntag (30. April) empfängt die TSG in Sinsheim die Frankfurter Eintracht. Hier gab es in der Vergangenheit auch häufig Missfallenskundgebungen gegen Dietmar Hopp. Man darf gespannt sein, ob die Vorkommnisse und Reaktionen von Köln etwas dazu beitragen, dass sich so etwas in dieser Art nicht mehr wiederholt. Kritische Blicke werden mit Sicherheit am Sonntag in Richtung Gästeblock gerichtet sein!

Letzte Änderung am Samstag, 22 April 2017

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