Sonntag, 23. Januar 2022

1899-Coach Julian Nagelsmann: "Die eine oder andere Beule kann ich vertragen und trotzdem wieder aufstehen"

erstellt am Samstag, 13 Februar 2016
Mit 28 Jahren Trainer in der 1. Bundesliga - Julian Nagelsmann bei der Pressekonferenz der TSG Hoffenheim. Mit 28 Jahren Trainer in der 1. Bundesliga - Julian Nagelsmann bei der Pressekonferenz der TSG Hoffenheim. Bild: Siegfried Lörz

von Sportkurier. Der Presseraum im 1899-Sportpark in Zuzenhausen war mit nahezu 50 Medienvertretern bis auf den letzten Platz besetzt.

Das mediale Interesse an der Trainer-Vorstellung von Hoffenheims neuem Profitrainer Julian Nagelsmann, vor dem Auswärtsspiel der TSG bei Werder Bremen, war gewaltig.

Der jüngste Bundesliga-Trainer steht vor einer Mamut-Aufgabe

Er soll die aus der Spur geratenen Kraichgauer vor dem Abstieg retten. Nagelsmann wirkte bei seinen Aussagen souverän, überzeugend und glaubhaft. Der erste öffentliche Auftritt als Hoffenheimer Profi-Trainer machte einen zielorientierten, selbstbewussten Eindruck: "Ich bin sehr überzeugt, dass wir mit der Mannschaft besser Fußball spielen und den Klassenerhalt schaffen können. Ich habe Respekt, aber keine Angst vor der Aufgabe. Grundsätzlich glaube ich, dass ich mit meiner Art neue Reize setzen kann."

Dass er mit 28 Jahren jünger als mancher TSG-Profi ist, sieht er nicht als Nachteil: "Ich kann mich dadurch besser in die Spieler hineinversetzen als ältere Trainer. Ich spreche die Sprache der Spieler, das ist ein Vorteil. Meine Aufgabe ist die gleiche wie bei jedem anderen Trainer auch. Ich muss Inhalte vermitteln." Für seine offene Art spricht, dass ihn die Spieler duzen.

Pressekonferenz / Vorstellung neuer Cheftrainer Julian Nagelsmann. Bild: Siegfried Lörz

Von der Mannschaft ist er vollends überzeugt, sieht sie in einem sehr guten Zustand

"Im Training haben die Spieler gestern befreit und sehr engagiert gewirkt. Wir werden am Wochenende das Ergebnis der Arbeit mit der Mannschaft sehen." Lange musste er nicht überlegen, um den Job des Cheftrainer viereinhalb Monate früher als geplant zu übernehmen: "Ich war schnell überzeugt, es zu machen. Weil ich auch überzeugt bin, dass wir mit der Mannschaft besser Fußball spielen und auch die Klasse halten können." Bedenken oder Zweifel gab es für ihn keine: "Ich hatte vor jeder Aufgabe, die mir in meinem Leben gestellt wurde, Respekt. Aber niemals Angst, sondern immer die Überzeugung, das zu schaffen, und die habe ich auch jetzt."

Dass seine noch junge Karriere durch einen möglichen Abstieg zu einem frühen Zeitpunkt Schaden nehmen würde, befürchtete er nicht: "Ich habe einen Vertrag bis 2019 unterschrieben und mache mir keine Gedanken darüber, welche Beulen meine persönliche Karriere bekommen könnte. Es geht um den Verein und darum, dass wir nächstes Jahr in der 1. Liga spielen. Die eine oder andere Beule kann ich vertragen und trotzdem wieder aufstehen."

Nach der Pressekonferenz begann der Alltag für den neuen Bundesliga-Coach

Er bereitete seine Mannschaft im ersten Training nach seiner Vorstellung auf das schwere Auswärtsspiel in Bremen vor. Seine gewünschte Spielweise bezeichnete er wie folgt: "Wir wollen ein bisschen offensiver zu Werke gehen, weil wir Tore brauchen. Man konnte in den letzten Wochen sehen, dass die Mannschaft stabiler steht, dass sie weniger Chancen zulässt und weniger Gegentore bekommt. Jetzt geht es darum, dass wir in der Offensive mehr Kreativität entwickeln, mehr Torgefahr ausstrahlen, denn wir müssen Spiele gewinnen, das ist jedem klar. Darum geht es in den nächsten Wochen."

Julian Nagelsmann ist vom Klassenerhalt der Hoffenheimer überzeugt. Er machte auf der PK einen souveränen und selbstbewussten Eindruck.Bild: Siegfried Lörz.

Seine Spielausrichtung ist geprägt von der achtzehn99-Akademie: "Ich mag schnelle und frühe Balleroberungen, aber ich habe schon auch gerne den Ball. Der Gegner kann in diesen Phasen keine Tore schießen."
Nagelsmann weiß um die Bedeutung der Samstagspartie in Bremen: "Die Zeit ist begrenzt, ich kann keine Bäume ausreißen. Zu aller erst geht es darum, die Spieler im Kopf zu erreichen, Blockaden zu lösen, ihnen Mut zuzusprechen. Ich glaube, dass ich mit meiner Art neue Reize setzen kann, aber ich habe auch inhaltlich neue Ideen, wo ich ansetzen möchte, um besser Fußball zu spielen. Es geht darum, eine Leistungssteigerung zu erzeugen, damit sich an der Situation etwas ändert."

In Bremen steht für die Hoffenheimer viel auf dem Spiel. Bei einer Niederlage würde sich der Abstand zu den rettenden Tabellenplätzen deutlich vergrößern.

Letzte Änderung am Samstag, 13 Februar 2016

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