Sonntag, 11. April 2021

Hoffenheim blamiert sich gegen Molde FK und scheidet aus der UEFA Europa League aus

erstellt am Freitag, 26 Februar 2021
Archivbild - enttäuschte Hoffenheimer. Archivbild - enttäuschte Hoffenheimer. Bild: Siegfried Lörz

sport-kurier. Die TSG Hoffenheim hat die einzigartige Chance, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Achtelfinale eines internationalen Wettbewerbs einzuziehen, leichtfertig verpasst.

Das Team von Trainer Sebastian Hoeneß unterlag im Sechzehntelfinal-Rückspiel in der UEFA Europa League gegen das norwegische Team von Molde FK im eigenen Stadion mit 0:2.

Die von Hoeneß geforderte "positive Einstellung, um etwas historisches zu schaffen" war Fehlanzeige. Die Kraichgauer dominierten zwar wie im Hinspiel beim 3:3 im spanischen Ausweichort Villarreal das Spiel, doch vor dem Tor waren sie meist mit ihrem Latein am Ende. Die Norweger hingegen schlugen eiskalt zu und bestraften Hoffenheims Nachlässigkeiten gnadenlos. Das Fazit von TSG-Trainer Sebastian Hoeneß: "Wir haben eine historische Chance verpasst. Wir wollten unbedingt weiterkommen und die Geschichte im Europapokal weiterschreiben. Die Art und Weise ist sehr bitter. Wir sind über weite Strecken gut aufgetreten, haben aber klare Chancen nicht genutzt. Dafür wurden wir bitter bestraft."

Während die TSG voll im Spielbetrieb in der Bundesliga-Rückrunde steht, waren die beiden Partien für die Nordeuropäer, die erst im April mit dem Ligabetrieb starten die beiden einzigen Pflichtspiele im Jahr 2021. Mit einem 5-3-2-System übernahmen die Gastgeber von Beginn an die Initiative und starteten einen Angriff nach dem anderen in Richtung Gästetor. Doch in Strafraumnähe fehlte es meist an der nötigen Durchschlagskraft und Effektivität. Molde, das mit einem 4-2-3-1-System agierte, stand meist im Verteidigungsmodus und hatte es gegen die teilweise planlosen gegnerischen Angriffe nicht all zu schwer.

Nachdem TSG-Stürmer Munas Dabbur nach 16 Minuten nur knapp das Tor verfehlte, ging der norwegische Vizemeister nach 20 Minuten mit seinem ersten Angriff überraschend in Führung. Nach Vorarbeit von Eikrem erzielte Eirik Ulland Andersen, der bereits im Hinspiel traf, das überraschende 1:0. Der Treffer brachte die Gastgeber etwas aus dem Tritt, und bis auf einen Kopfball von Dabbur, den der starke Gästekeeper Andreas Linde reaktionsschnell aus kurzer Distanz parierte, gab es keine nennenswerten Aktionen bis zur Halbzeitpause (29.). Trotz 14:1-Torschüssen und 6:0-Ecken stand ein völlig überraschendes 0:1 auf der Anzeigetafel in der erneut zuschauerleeren, verwaisten Sinsheimer Arena.

Auch in der zweiten Hälfte wirkten die Nordbadener plan- und ideenlos und je länger die Partie dauerte, desto fehlerhafter war das Offensivspiel. Nachdem erneut Dabbur an Linde scheiterte (48.), brachte Hoeneß seinen Torjäger Andrej Kramaric für Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner. Der Österreicher war nach seiner Auswechslung stinkesauer, warf seinen Tape weg und verweigerte seinem Trainer beim Verlassen des Spielfeldes den obligatorischen Handschlag.

Mit der Einwechslung von Kramaric kam zwar etwas mehr Schwung in den Angriff, aber bis auf einen Schuss des Kroaten an den Außenpfosten (72.), erspielten sich die Gastgeber kaum zwingende Torchancen. Für die Gästeabwehr waren die oft planlos hoch in den Strafraum getretenen Bälle keine allzu großen Probleme. In der Schlussviertelstunde gingen die Kraichgauer nochmals volles Risiko, um den einen Treffer, der zum Weiterkommen ausreichen würde, zu erzielen.

Nachdem Dabbur per Kopfball aus kurzer Distanz und wenig später auch Kramaric mit einem Schuss an Moldes Keeper Linde scheiterten, erlief Andersen in der fünfminütigen Nachspielzeit einen langen Ball, umkurvte TSG-Keeper Oliver Baumann und traf zum 2:0-Endstand (90.+4). Das nach statistischen Werten (27:2-Torschüsse, 13:1 Ecken) ebenso überraschende Ergebnis wie auch die Aussage vor dem Spiel von Bayern-Leihgabe Chris Richards ("Ich glaube, wir können weiterkommen und sogar die Europa League gewinnen") standen am Ende für ein völlig unnötiges, selbstverschuldetes Europapokal-Aus.

Ein völlig ratloser TSG-Kapitän Oliver Baumann: "Mir fehlen die Worte, wie wir nach den zwei Spielen nicht weiterkommen. In der ersten Partie waren wir klar besser. Und auch heute haben wir alles gegeben und uns viele Chancen erspielt. Es ist unerklärlich, dass wir ausgeschieden sind. Ich habe das Gefühl, dass es heute nicht sein sollte."

Bei der Achtelfinalauslosung am Freitag werden sich die Hoffenheimer doppelt ärgern, da sie ein mögliches Duell gegen ein europäisches Spitzenteam leichtfertig verspielten. Sowohl sportlich, als auch finanziell war das Ausscheiden gegen den krassen Außenseiter eine herbe Enttäuschung.


TSG Hoffenheim: Baumann - Vogt, Grillitsch, Richards - Kaderabek (70. Adamyan), Rudy, Samassekou (83. Rutter), John (70. Sessegnon) - Baumgartner (56. Kramaric) - Bebou, Dabbur
Molde FK: Linde - Pedersen, Sinyan, Risa, Haugen - Knudtzon (79. Hestad), Aursnes, Ellingsen - Eikrem, Sigurdarson (63. Bolly), Andersen

Tore: 0:1 Andersen (20.), 0:2 Andersen (90.+4)

 

 

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