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Dem Aus in der Champions League wird wohl ein großer Umbruch bei der TSG 1899 Hoffenheim folgen

erstellt am Donnerstag, 20 Dezember 2018
Szene aus dem Champions League Spiel gegen Manchester City. Szene aus dem Champions League Spiel gegen Manchester City. Bild: Siegfried Lörz

sport-kurier. Das Ausscheiden in der Champions League ist kein Grund traurig zu sein, überhaupt kann das Erreichen dieses Wettbewerbs als erster großer Erfolg gewertet werden.

Diesen zu wiederholen ist die schwere Aufgabe, die Trainer Julian Nagelsmann erwartet, denn derzeit kämpft die Mannschaft eher darum den Anschluss an das in diesem Jahr breite Mittelfeld nicht zu verlieren.

Neben den Champions-League-Abonnenten der Bundesliga Borussia Dortmund und Bayern München kämpfen in diesem Jahr auch noch Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt, RB Leipzig und Hertha BSC Berlin um einen der insgesamt vier Plätze für die Königsklasse. Und in manchen Jahren steigt in der Rückrunde auch noch eine Überraschungsmannschaft in diesen Kampf ein, mit der jetzt noch niemand rechnet.

Für Trainer Julian Nagelsmann und den gesamten Verein ist es aber mehr als nur der Kampf um die Qualifikation zur Champions League oder den internationalen Wettbewerb. Einschneidende Veränderungen stehen bei der sportlichen Führung und dem Kader zur kommenden Saison an, die bereits jetzt erste Auswirkungen zeigen. Bekannt ist, dass Trainer Julian Nagelsmann als neuer Trainer zur kommenden Saison das Team von RB Leipzig übernimmt. Ihn ersetzen soll Marco Rose, der mit RB Salzburg Erfolge feierte, wobei es bei dieser Personalie noch keine Vollzugsmeldung gibt.

Für Nagelsmann eine herausfordernde Situation, denn jeder seiner Spieler weiß, dass der Trainer nur bis zum Saisonende bleiben wird und mancher Reservist könnte sich darauf verlegen sich lieber bei einem Neustart dem neuen Trainer präsentieren zu wollen. Auch der Verbleib einiger Stars kann an der Personalie Nagelsmann hängen.

So hat nicht zuletzt Arsenal London Edel-Leihgabe Reiss Nelson davon gesprochen, dass es der Ruf des Trainers seine Spieler besser zu machen war, weshalb er einer Leihe in den Kraichgau zugestimmt hat. Ausgeschlossen scheint es, dass Hoffenheim ihn halten kann. Es gibt keine Kaufoption im Leihvertrag, weshalb die Engländer alle Trümpfe in der Hand halten. Zudem hat er durch seine Auftritte seinen Marktwert gesteigert, daher wird er bei einem Verbleib in Deutschland eher seinem Trainer folgen. Denn Nelson passt hervorragend ins Anforderungsprofil von RB Leipzig (U21, hochtalentiert und entwicklungsfähig), die sicher einige Millionen mehr als die TSG locker machen könnten.

Doch auch die Hoffenheimer Stars wie Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Pavel Kaderabek, Joelinton, Nico Schulz oder Andre Kramaric könnten beim Umbruch auf der Trainerbank dem Ruf des Geldes folgen wollen, anstatt sich einem neuen Trainer im alten Verein neu beweisen zu müssen. Während ein Wechsel immer ein kompletter Neubeginn ist, hätten sie von den Spielern im Kader bei einem Verbleib in Hoffenheim am meisten zu verlieren, weshalb der Verein die Weichen für 2019/20 möglichst frühzeitig stellen sollte.

Dies ist auch wichtig für potentielle Neuverpflichtungen, denn auch diese Spieler wollen eine Perspektive in Hoffenheim wissen und dass der Trainer auf sie setzt. Auch wenn Julian Nagelsmann viel für die TSG getan hat, um sie international ins Rampenlicht zu rücken, so gilt Hoffenheim dennoch als Provinz, weshalb bei manchem Wunschspieler extra Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Punkten kann die TSG sicher mit einem bestens ausgestatteten Trainingszentrum.

Außergewöhnlich ist dies eingerichtet, beispielsweise mit dem berühmten Footbonauten zum Techniktraining oder der "Helix" zur Förderung der Wahrnehmung. Einzigartig auch der überdimensionale LED Bildschirm auf dem Trainingsplatz zur sofortigen Fehleranalyse.

Einen Teil der möglichen Abgänge werden die Hoffenheimer über den hochklassigen eigenen Nachwuchs abfangen können. Aus dem Nachwuchsbereich kamen in der Vergangenheit zum Beispiel Nadiem Amiri und Niklas Süle in die Bundesliga und sind mittlerweile bekannte Stars. Viel Potential wird auch Innenverteidiger Stefan Posch nachgesagt, der sich bereits in der Bundesliga und Champions League beweisen durfte. Auch Dennis Geiger oder den Stürmern Robin Hack und David Otto wird viel zugetraut.

Während U21-Nationalspieler Geiger seit Ende vergangener Spielzeit an einer Oberschenkelverletzung laboriert, aber wohl der erfahrenste Spieler des Trios ist, trainierten Otto und Hack eher mit der Mannschaft und hoffen auf höhere Aufgaben. Mit Alfons Amade und Christoph Baumgartner wären zwei talentierte Mittelfeldspieler noch im Nachwuchsbereich vorhanden. Als Leihspieler kommen mit Bruno Nazario, Philipp Ochs, Robert Zulj und Antonio Colak zwar vier Spieler zurück in den Kraichgau, es wird aber nicht erwartet, dass einer von ihnen eine Rolle spielen kann, wie sie in diesem Jahr Joelinton spielte.

Und dann sind da noch die großen Unbekannten: Spieler, die das gute Scouting des Teams bereits auf dem Zettel hat und die TSG sofort oder perspektivisch verstärken können. Es wird also spannend: gelingt es Hoffenheim sich den drohenden Umbruch in der Sommerpause nicht anmerken zu lassen oder verschwindet die Magie Nagelsmanns mit dem Aus im Internationalen Wettbewerb?

Und wie reibungslos wird dieser Umbruch ablaufen? Denn wer sich an die Saison 2016 erinnerte, als die TSG unter Markus Gisdol und Huub Stevens am Abstieg vorbeischrammte und von Nagelsmann erst am 28. Spieltag von den Abstiegsplätzen geführt wurde, der weiß wie schnell im Fußball alles gehen kann - zum positiven, wie zum negativen.

 

 

 

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