Samstag, 19. September 2020

Last-Minute Ausgleich zum 3:3 ++ Nagelsmänner kehren mit einem dickem Hals aus der Bundeshauptstadt zurück

erstellt am Sonntag, 25 November 2018
Last-Minute Ausgleich zum 3:3 ++ Nagelsmänner kehren mit einem dickem Hals aus der Bundeshauptstadt zurück Foto: Siegfried Lörz

sport-kurier. Bis zur 88. Minute sah es im Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin nach dem fünften Saisonsieg in Folge aus.

Am Ende fühlte sich nach einer über weiten Phase dominanten Spielweise das 3:3 Unentschieden vor 44.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion wie eine gefühlte Niederlage an.

Es war ein außergewöhnliches und höchst unterhaltsames Bundesligaspiel, indem beide Mannschaften mit starkem Umschaltspiel und schnellen Kontern sich viele hochkarätige Torchancen erspielten. Auf beiden Seiten sorgten schwache Abwehrreihen für reichliche Torraumszenen, was für beste Zuschauer-Unterhaltung sorgte. Im Spiel der offenen Konterräume führten zudem immer wieder gefährliche Standardsituationen für Chancen in beiden Strafräumen.

Das Torfestival begann bereits nach nur 42 Sekunden, als Berlins Grujic sich im Strafraum einen kapitalen Fehlpass leistete, der Ball dann über die Hoffenheimer Stationen Kaderabek, Joelinton und Szalai schließlich bei Demirbay landete, der mit seinem ersten Treffer nach 13 Monaten zum 1:0 vollendete.

Die TSG setzte nach und strafte die unsortierte Hertha-Abwehr eiskalt. Ein Befreiungsschlag außerhalb des Strafraums von Torwart Baumann landete beim Kroaten Kramaric, der Gegenspieler Lustenberger abschüttelte und den Ball mit Vollspann unhaltbar ins Netz jagte (9.). Während es für den Vize-Weltmeister der fünfte Saisontreffer war, feierte Baumann seine zweite Tor-Vorlage in seiner Bundesliga-Karriere. Entsprechend groß der Jubel bei den 300 mitgereisten Hoffe-Fans.

Es ging nun hin und her, beide Mannschaften erspielten sich gute Möglichkeiten. Eine davon nutzte der ehemalige TSG-Torjäger Ibisevic, der einen abgefälschten Ball aus kurzer Distanz zum 1:2 vollendete (12.). Da Hoffenheim trotz der Führung bei seiner offensiven Ausrichtung blieb, entwickelte sich ein sehenswertes Spiel mit zahlreichen Möglichkeiten auf beiden Seiten. Aufregung nach 20 Minuten, als Demirbay im Strafraum unsanft zu Fall gebracht wird, aber der Unparteiische Welz auf weiterspielen entschied.

Hoffenheim erhöhte den Druck und kam immer wieder über die starke linke Seite zu gefährlichen Vorstößen. Vor allem dank des offensivfreudigen gebürtigen Berliners Schulz auf der linken Außenbahn, kamen Joelinton (25.) und Karderabek (29.) zu klaren Chancen im Angriffszentrum. Die TSG hätte in dieser Phase die Partie vorzeitig entscheiden können, versäumte es aber die Vielzahl an Möglichkeiten nicht entschlossen zu verwerten. So vergab Kramaric, frei vor dem Tor, als er den Ball unkontrolliert weit drüber lupfte (33.). Im Gegenzug vergab Leckie, indem er knapp neben das Tor schoss.

Nach dem Seitenwechsel verlor die Begegnung etwas an Schwung. Während die Gastgeber nun deutlich aktiver wurden, ermöglichte deren anfällige Defensive den Gästen immer wieder Konterchancen. Dann erneut eine Zwei-Tore-Führung für die Nagelmänner. Demirbay hatte einen Plattenhardt-Freistoß aus dem Strafraum direkt vor die Füße von Lazaro geköpft, der mit einem Dropkick die Kugel aus 18 Metern unhaltbar für Baumann ins Tor hämmerte (88.).

Glück noch in der Nachspielzeit, als Baumann mit toller Reaktion das Unentschieden rettete. Während sich die Hauptstädter über den Last-Minute-Punkt ausgiebig freuten, schlichen die Kraichgauer enttäuscht vom Platz. Berlins Torschütze zum späten 3:3-Ausgleich Lazaro: "In der ersten Halbzeit war unser Defensivverhalten sehr peinlich, am Ende war der Punkt der Minimalverdienst."

Weniger Grund zur Freude hatte TSG-Torschütze Bicakcic: "Wir haben das Spiel hergeschenkt. Wir haben nach einer Stunde viel zu wenig gemacht. Auswärts müssen normalerweise drei Tore reichen."

Schlussfazit: Die TSG hat die Chance liegen lassen, sich mit einem Sieg vor die Bayern auf Platz 5 zu setzen, punktgleich mit dem Vierten Leipzig. Während die angriffsfreudige Offensivabteilung es vor allem in der ersten Hälfte versäumte, die Partie vorzeitig zu entscheiden, sorgten Fahrlässig- und Unachtsamkeiten in der Hintermannschaft für zahlreiche Berliner Torchancen, die letztendlich zu drei Gegentreffern führten.

Statt eines moralischen Auswärtserfolgs vor dem wichtigen Champions-League-Heimspiel am Dienstag (21 Uhr) gegen Donezk, kehren die Nagelsmänner mit einem dicken Hals aus der Bundeshauptstadt zurück. Am nächsten Samstag, dem 13. Bundesliga-Spieltag, gastiert der FC Schalke 04 um 18.30 Uhr in Sinsheim.

Hertha BSC - TSG 1899 Hoffenheim 3:3 (1:2)

Hertha BSC: Jarstein - Lazaro, Luckassen, Lustenberger, Plattenhardt - Grujic, Maier - Leckie, Duda (62. Selke), Kalou - Ibisevic
1899 Hoffenheim: Baumann - Akpoguma, Vogt, Bicakcic - N. Schulz, Nordtveit (89. Nelson), Demirbay, Kaderabek - Kramaric (79. Bittencourt), Joelinton - Szalai (70. Belfodil)

Tore: 0:1 Demirbay (1.), 0:2 Kramaric (10.), 1:2 Ibisevic (13.), 1:3 Bicakcic (56.), 2:3 Leckie (71.), 3:3 Lazaro (87.).
Zuschauer: 44.508
Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)

 

 

 

1. Bundesliga