Sonntag, 29. Mai 2022

CONFED-CUP - wen interessiert's? ++ Euphorie hält sich sehr in Grenzen

erstellt am Montag, 19 Juni 2017
CONFED-CUP - wen interessiert's? ++ Euphorie hält sich sehr in Grenzen Bild: Marc Schüler

sport-kurier. Seit Samstagabend läuft der Confed Cup in Russland, für den WM-Gastgeber die Generalprobe für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

In St. Petersburg, Moskau, Kazan und Sotschi finden die Spiele der Kontinentalverbands-Champions, Weltmeister Deutschland und Gastgeber Russland statt.

Eigentlich ein Wettbewerb mit den weltbesten Mannschaften und weltbesten Fußballern, so möchte man meinen. Und während Stars wie Christiano Ronaldo, Pepe (beide Portugal), Alexis Sanchez, Claudio Bravo (beide Chile) oder Igor Akinfeev (Russland) mit ihren Mannschaften zum Turnier angereist sind, hält sich die Euphorie der Fans zu diesem Wettbewerb in Grenzen.

Kritik vom Gastgeber und den internationalen Medien gab es für den Weltmeister, dass Spieler wie Manuel Neuer, Mesut Özil, Toni Kroos, Mats Hummels, Jerome Boateng, Sami Khedira oder Thomas Müller nicht mit der Mannschaft nach Russland reisten, sondern von Bundestrainer Joachim Löw in Urlaub geschickt wurden. Mit Namen wie Lars Stindl, Amin Younes, Marvin Plattenhardt, Sandro Wagner oder Kerem Demirbay können die meisten Fans außerhalb von Deutschland nicht viel anfangen und selbst in Deutschland hält sich nun das Interesse in Grenzen.

Auch wenn Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste ein beliebter russischer Urlaubsort ist und selbst Präsident Vladimir Putin hier eine "Datscha"(russ. Wochenend-/Ferienhaus) hat, reisten nur wenige Fans mit der Mannschaft. Nur 2000 Tickets wurden nach Deutschland verkauft - für alle drei Spiele zusammen.

Bundestrainer Jogi Löw macht auch am Ball noch eine gute Figur. Bild: Marc Schüler

 

Dass selbst das Eröffnungsspiel von Gastgeber Russland gegen Neuseeland nicht ausverkauft war, grenzte schon an eine kleine Blamage für den Gastgeber, dem auch die Berichte der internationalen Medien über andauernde Bauarbeiten am Stadion und nordkoreanische Zwangsarbeiter nicht gefallen haben dürften. Dabei hatte das Organisationskomitee schon einiges dafür getan, um die einheimischen Zuschauer in die Stadien zu locken. Anstatt zwischen 63 und 220 Euro zahlen Russen nur zwischen 13 und 36 Euro - Preise, die in dieser Woche aufgrund der zurückhaltenden Nachfrage noch einmal für die Einheimischen gesenkt wurden.

"Das grenzt für mich schon an Abzocke", beschwert sich Lukas Hiebelt auf diesen Fakt angesprochen. Er kommt aus der Nähe von Hamburg und ist einer der wenigen Deutschen vor Ort. Zusammen mit zwei Freunden will er am heutigen Abend das Spiel gegen Australien besuchen, dann eine Woche Urlaub machen und sich die Partie gegen Kamerun ansehen (25.6.). "Es kostet uns schon einiges um hierher zu kommen, dann zahlen wir auch noch ein Vielfaches an Eintrittspreisen. "

Überhaupt scheint der Fußball in diesen Tagen hier in Sotschi keine Rolle zu spielen. "Würde die ‚Sbonarja' hier spielen, würde ich vielleicht hingehen. Aber beim Theater geht man doch auch nicht zur Probe, sondern lieber zur Premiere", urteilt Alexej hart, der nahe der Strandpromenade von ‚Olympic Beach' einen Fahrradverleih betreibt. Auffällig ist es schon, dass selbst in den zahlreichen Badeartikel- und Souvenirläden keinerlei fußballbezogene Fanartikel oder Hinweise auf den Confed Cup zu finden sind.

Lediglich um das Stadion herum wird der Wettbewerb sichtbar, doch auch dort muss sich der Confed Cup die Werbefläche mit Hinweisen auf "Russland 2018" teilen und wirkt so wie ein ungeliebtes Kind, selbst wenn Bundestrainer Joachim Löw ihn aus sportlichen Gesichtspunkten als Glücksfall tituliert.

Letzte Änderung am Montag, 19 Juni 2017

1. Bundesliga