Samstag, 28. Mai 2022

Rainer Jupe im Portrait ++ Der 75- jährige hatte als Schiedsrichter eine imposante Laufbahn

erstellt am Freitag, 16 Juni 2017
Rainer Jupe blättert in seinen Alben. Rainer Jupe blättert in seinen Alben. Bild: Marc Schüler

sport-kurier. Eine Art Jubiläum kann der 75-jährige Rainer Jupe in diesem Jahr feiern: vor 50 Jahren begann seine Karriere als Schiedsrichter, die ihn bis in die 1. Bundesliga führte.

"Vor 30 Jahren habe ich vorzeitig wieder aufgehört", so der Hinweis des rüstigen Seniors, der sich heute noch täglich mit Sport fit hält und Diskobesuche, sowie Tanzen zu seinen Hobbies zählt. Das Endspiel der Deutschen Amateurmeisterschaft zwischen dem MSV Duisburg und der Amateurmannschaft des FC Bayern München am 21. Juni 1987 war sein letztes Spiel an der Pfeife. Im Wedau-Stadion zu Duisburg siegten die Gastgeber mit 4:1, für Jupe schloss sich damit ein Kreis.

 

"Ich wollte das ausprobieren"

 

Gerade nach München war der damals 24-jährige gezogen und hatte eine Arbeitsstelle als Elektroingenieur angenommen. An der Grünwalder Straße sah er ein Spiel des TSV 1860 München und war beeindruckt von der Leistung des schottischen Unparteiischen. "Das wollte ich selber ausprobieren. Ich habe ja gerade so viele Prüfungen absolviert, da war eine mehr für mich kein Problem", erinnert er sich zurück.

Mit mehreren Hundert Schiedsrichteranwärtern absolvierte er die Prüfung und bestand diese als einer der Besten. "Da hat mich Schiedsrichterobmann Gustl Hausberger vom FC Bayern München angesprochen, weil er mitbekommen hatte, dass ich keinen Verein habe. Anschließend habe ich für den FC Bayern gepfiffen", erklärt Rainer Jupe.

Seinen ersten Einsatz erlebte er am 19. Februar 1967 bei der Reserve der C-Liga München beim Spiel Bavaria gegen Espana München. Auch nach seinem Umzug nach Darmstadt 1968 blieb er dem Schiedsrichterwesen treu. Der TSG 1846 Darmstadt schloss er sich an und arbeitete als Schiedsrichter-Beobachter und stellvertretender Bezirks-Schiedsrichter-Obmann.

 

Rasanter Aufstieg

 

Schnell arbeitete sich Jupe in die höheren Ligen vor, denn er fiel bei den Verantwortlichen und Spielern positiv dafür auf, dass er Differenzen lieber "mit der Schnauze als mit der Pfeife geklärt" hat, wie er betonte. In den höheren Ligen beobachtet der DFB allerdings seine Unparteiischen. Entsprechend nervös war er bei seinem Debüt in der 2. Bundesliga Süd am 20. August 1978. SpVgg. Fürth gegen SC Freiburg hieß seine erste Partie.

"Das war ein knüppelhartes Spiel, ich denke beide Teams wussten, dass ich neu bin. Und ich dachte, dass dies neben meinem Debüt gleich auch mein Abschied ist", erinnert er sich. Sein erstes Bundesligaspiel hieß am 7. September 1984 Bayer Leverkusen gegen den FC Schalke 04. "Da habe ich mich zu den Mannschaften gestellt und gesagt: "Ihr seid 22 Millionäre, ich bin der Oberamateur. Jetzt lasst uns zusehen, dass wir uns ne gute Arbeitsatmosphäre schaffen", erinnert er sich lachend zurück.

"Wir waren Amateure als Schiedsrichter. Nach dem Spiel haben wir noch mit den Verantwortlichen der Vereine ein Bier getrunken oder was gegessen, heute stehen Schiedsrichter viel mehr unter Beobachtung." Geehrt fühlte er sich von Schiedsrichter-Legende Johannes Malka, der als Beobachter bei einem seiner schwierigsten Bundesliga-Spiele eingesetzt war. "Das war das Derby Bayern München gegen 1. FC Nürnberg am 21. September 1985. Da stand anschließend auf dem Beobachter-Bogen der Satz: "Er ist ein kleiner Kerl mit feuerrotem Kopf, aber pfeifen kann er."

Mitte 1987 erklärte der damals 45-jährige seinen Rücktritt von der aktiven Laufbahn und löste ein Problem beim Verband. "Die hatten einen jungen aufstrebenden Schiedsrichter namens Eugen Striegel, der heute die Einteilung der Schiedsrichter-Beobachter vornimmt. Er sollte in die Bundesliga kommen, aber es war kein Platz frei. Ich hätte noch drei Jahre pfeifen können, wollte aber irgendwo nicht mehr. So wurde das Problem elegant gelöst. Zum Dank durfte ich mir ein Spiel aussuchen.

 

"Markus Merk stand als "Jungspund" an der Seitenlinie"

 

Gerne hätte ich das DFB-Pokal-Endspiel geleitet, aber das sollte ein FIFA-Schiedsrichter machen. Daher hat man mir das Endspiel um die Deutsche Amateurs-Meisterschaft angeboten", führt er aus. Auch im DFB-Pokal leitete er einige Partien. Unvergessen ist für ihn der 18.  Dezember 1982. "Zu Wormatia Worms gegen VfB Stuttgart hatte ich zwei junge Linienrichter zugeteilt bekommen. Der jüngere war gerade einmal 17 Jahre alt, aber ein kommender Star beim DFB: Markus Merk", so Jupe weiter. Den jungen Lutz Wagner beobachtete er bei einem Spiel in Ober-Roden. Während sich das Publikum aufregte, was für einen Mist der Schiedsrichter pfeifen würde, stellte ihm Jupe eine positive Beurteilung aus.

Gerne erinnert er sich an seine Laufbahn zurück, sieht aber auch, wie sich das Schiedsrichterwesen seit dieser Zeit entwickelt hat. "Heute müssen sie das ganze Spiel über laufen, immer auf Ballhöhe sein und ihre Entscheidungen stehen viel mehr im Fokus ", weiß Jupe und betont, dass viele Unparteiischen nicht so schlecht sind, wie sie gemacht werden.

Letzte Änderung am Freitag, 16 Juni 2017

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