Donnerstag, 11. August 2022

"Prinz Poldi" wurde gefeiert +++ Podolski entscheidet bei seinem Abschiedsspiel die Partie mit Traumtor

erstellt am Donnerstag, 23 März 2017
Podolski erzielte in seinem Abschiedsspiel den 1:0 Siegtreffer gegen England. Hier jubelt "Poldi" über seinen Treffer. Podolski erzielte in seinem Abschiedsspiel den 1:0 Siegtreffer gegen England. Hier jubelt "Poldi" über seinen Treffer. Bild: Marc Schüler

sport-kurier. Wenn es am Schönsten ist, dann soll man aufhören, lautet ein altes Sprichwort, das für das Abschiedsspiel von Lukas Podolski am Mittwochabend mehr als zutreffend war.

Mit 1:0 besiegte Deutschland den Rivalen aus dem selbsternannten Mutterland des Fußball England und feierte damit den ersten Heimsieg seit 30 Jahren. Torschütze in seinem 130. und letzten Länderspiel: Lukas Podolski.

Es gibt Enden, die könnte Hollywood nicht besser inszenieren und da gehört der Abschied von Lukas Podolski sicher dazu. Im vergangenen Jahr fuhr "Poldi" noch mit der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft nach Frankreich und ganz Fußball-Deutschland fragte sich, warum Bundestrainer Joachim Löw am "Kölschen Jung" Podolski festhielt, gab es doch bessere und schnellere Alternativen im erweiterten Kader der Nationalmannschaft.

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Doch auch wenn Lukas Podolski auf dem Feld nicht mehr die überragenden Leistungen vergangener Tage bieten konnte, war er im Hintergrund für die Mannschaft unersetzlich. "Lukas hat das Talent immer genau das richtige zu sagen und wenn es nur ein Satz ist, mit dem er ein Thema beendet", lobte Löw bei der Pressekonferenz vor der Partie nicht ganz uneigennützig, war es doch Podolski gewesen, der mit einem einzigen Satz, einer einzigen rhetorischen Frage die Diskussion um einen Griff ins Gemächt seitens des Bundestrainers beendete.

Bei der Europameisterschaft war "Poldi" wie schon bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wichtiger abseits des Feldes als Integrationsfigur für die jungen Spieler und hinsichtlich der Stimmung der Mannschaft, als bei der Mannschaft auf dem Feld. So kam er in Frankreich auch nur zu einem Einsatz: einer Einwechslung im Achtelfinale beim 3:0 gegen die Slowakei.

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Dass es Zeit war Abschied aus der Nationalmannschaft zu nehmen, das war auch Podolski mittlerweile klar, der seit 2004 bei jedem großen Turnier mit dem Adler auf der Brust aufgelaufen war. So sollte dieser eigentlich im ersten Länderspiel nach der Europameisterschaft stattfinden. Am 31. August in Mönchengladbach gegen Finnland zusammen mit Bastian Schweinsteiger, gleichzeitig einer seiner besten Freunde, verabschiedet zu werden - das war der Plan, der jedoch nicht ganz aufgehen sollte. Eine Verletzung verhinderte dies und so wurde der Abschied von "Poldi" auf das Frühjahr 2017 verschoben, beim Spiel gegen England. Zu diesem Spiel hatte er sich von Ausrüster Adidas spezielle Schuhe besticken lassen, auf denen sowohl das Datum des Spiels, als auch die Namen seiner Frau und seiner Kinder verewigt waren.

Auch wenn am Mittwochabend nur zwei bessere B-Mannschaften auf dem Platz standen und die ganz großen Stars auf beiden Seiten fehlten, tat dies der Stimmung im Signal Iduna Park von Dortmund keinen Abbruch. Die 60.000 Zuschauer feierten von der ersten Minute an ihren "Prinz Poldi", der vor dem Spiel offiziell von DFB-Präsident Reinhard Grindel geehrt und verabschiedet wurde.

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Jogi Löw wusste immer, was er an Lukas Podolski hat. Auch wenn er bei den letzten Turnieren nicht oft spielte - für das Team war er auch außerhalb des Platzes wichtig. Bild: Marc Schüler

Im Spiel selber wurde jeder Ballkontakt des Routiniers, der in seinem letzten Spiel die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen durfte, bejubelt. Auch wenn es zur Halbzeit noch 0:0 stand, hatten die Gäste von der Insel mehr vom Spiel. Mal rettete der Pfosten, dann Torwart Marc-Andre ter Stegen, der den verletzten Manuel Neuer vertreten durfte.

Erst nach dem Seitenwechsel spielte sich die Deutsche Elf immer bessere Chancen heraus und in der 69. Minute war es dann soweit. An der Strafraumkante wird Lukas Podolski eingesetzt. Dieser legt sich den Ball seitlich auf den linken Fuß vor, zieht dann knallhart ab und zimmert den Ball in den Winkel zu seinem 49. Länderspieltreffer. Vollkommen überwältigt von seinen Emotionen über diesen letzten Treffer im letzten Spiel rast Podolski anschließend unter dem Jubel der 60.000 über den Platz, bevor er von Leroy Sane und Andre Schürrle eingeholt wird und in einer Spielertraube verschwindet.

Mit Sprechchören und Standing Ovations wird Lukas Podolski in der 84. Minute verabschiedet, als Bundestrainer Joachim Löw ihn vom Feld holt und den Hoffenheimer Sebastian Rudy für die Schlussphase einwechselt. Nach dem Spiel ist er auch der erste, der über die Werbebande steigt und zurück auf den Platz rennt.

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Lukas Podolski bei der Pressekonferenz. Er freute sich über ein rundum gelungenes Abschiedsspiel. Bild: Marc Schüler

Mit dem Lied "Kölsche Jung" wird Lukas Podolski gleich mehrfach auf dem Platz gefeiert. Immer wieder steigt er zu den Fans auf den Zaun, lässt sich eine Kölner Fahne geben und geht damit auf den Platz, bevor er nach rund 45 Minuten Abschiedsfeier den Innenraum verlässt.

Für den Deutschen Fußball ging damit einer der großen Spieler, der nun mit 130 Länderspielen und 49 Toren jeweils auf Rang 3 der ewigen Rangliste liegt. Nicht leicht zu ersetzen wird "Poldi" sein, der seine Rolle als Stimmungsmacher der Nationalelf an Thomas Müller weitergab und beim Debüt eines anderen Stürmers dabei war, dem Löw Weltklasseniveau bescheinigt: Timo Werner.

Letzte Änderung am Donnerstag, 23 März 2017

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