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Gelungener Coup - Sargis Adamyan hat in Hoffenheim eingeschlagen

erstellt am Freitag, 29 November 2019
Gelungener Coup - Sargis Adamyan hat in Hoffenheim eingeschlagen Bild: Siegfried Lörz

sport-kurier. Mit Sargis Adamyan hat die TSG 1899 Hoffenheim einen überraschenden Coup gelandet.

Der armenische Nationalspieler kam vor dieser Saison für nur 1,5 Millionen aus der 2. Bundesliga vom SSV Jahn Regensburg und gehört bereits zu den erfolgreichsten Torschützen der TSG. Für Hoffenheim hat sich die Verpflichtung des Armeniers schon gelohnt. Innerhalb eines halben Jahres hat er seinen Marktwert verdoppelt, Tendenz weiter steigend.

Dabei ist er genau betrachtet doch eigentlich eine ungewöhnliche Verpflichtung des Vereins, der aus den unteren Spielklassen eher junge Perspektivspieler verpflichtet (und ggf. wieder an den abgebenden Verein verleiht, siehe z.B. Kevin Volland). Denn mit 26 Jahren ist Sargis Adamyan schon ein gestandener Spieler, hat 18 Länderspiele für Armenien absolviert, ist aber in seiner ganzen Karriere noch nicht höherklassig in Erscheinung getreten.

Erst mit 12 Jahren erlernte er beim 1. FC Neubrandenburg das Fußballspielen, vorher genoss er die Ausbildung vieler Kinder und Jugendlichen: auf dem Bolzplatz. Seine Offensivqualitäten waren schon damals sichtbar, aber auch seine Defizite in der Defensivarbeit und ebenso im taktischen Bereich. Dennoch lernte er beständig, arbeitete hart an sich und wurde belohnt.

Adamyan wechselte in der U17 zum FC Hansa Rostock, für den er am 26. Januar 2013 sein Profidebüt in der 3. Liga gab. Nach acht Spielen (kein Tor, keine Vorlage), war Schluss für ihn im Kader der 1. Mannschaft und er spielte nur noch im Kader der 2. Mannschaft in der Oberliga Nord.

Im Winter der Saison 2013/14 wechselte er zum TSV Neustrelitz in die Regionalliga Nordost. Dort avancierte er zum Stammspieler, traf 18 Mal in 66 Partien und scheiterte mit der Mannschaft an der U23 des FSV Mainz 05 in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga. Es folgte im Winter der Saison 2015/16 ein Wechsel in die Regionalliga Südwest zum TSV Steinbach-Haiger, für die er in zwei Jahren 23 Treffer erzielte (51 Spiele).

Zum Saisonbeginn der Spielzeit 2017/18 wechselte der 24-jährige ablösefrei in die 2. Bundesliga zum SSV Jahn Regensburg und wurde auf Anhieb Stammspieler. 69 Mal lief er bis zum Sommer 2019 für Regensburg auf, 20 Treffer erzielte der Flügelstürmer dabei, was auch den Bundesligisten nicht verborgen blieb.

Die TSG 1899 sicherte sich die Rechte am Flügelstürmer, der helfen sollte, die Abgänge in der Offensive von Joelinton, Vincenzo Grifo und Nadiem Amiri abzufangen. Mit Robert Skov (23 Jahre, für 10 Mio. Euro Ablöse aus Kopenhagen) und Ihlas Bebou (25 Jahre, für 8,5 Millionen Ablöse von Hannover 96) waren jedoch erst zwei neue Außenstürmer verpflichtet worden, weshalb Adamyan zunächst wieder die Bank drohte, wo er sich um den Platz mit TSG Eigengewächs Philip Ochs streiten sollte.

Da Skov und Bebou zu Stammspielern wurden, blieb Adamyan nichts anderes übrig als wie schon in seiner Karriere gewohnt auf seine Chance zu warten. Und er bekam sie. Seinen ersten Einsatz im Trikot der TSG 1899 erhielt er in der Regionalliga Südwest, wo er gegen den SV Elversberg auch gleich traf.

Am 23. September wurde er erstmals gegen den VfL Wolfsburg eingewechselt und feierte sein langersehntes Bundesliga-Debüt. Ausgerechnet gegen Rekordmeister FC Bayern München durfte er zum ersten Mal von Beginn an auflaufen und das auch noch in der ungewohnten Position des Mittelstürmers. Doch der Armenier machte seine Sache nicht nur gut, er erzielte beim überraschenden 2:1 Sieg der TSG auch noch beide Tore für die Kraichgauer.

Seitdem regelmäßig wird Adamyan eingewechselt und Trainer Alfred Scheuder weiß, was er an dem Offensiv-Allrounder hat. Hauptsächlich fühlt sich der armenische Nationalspieler auf Linksaußen wohl, aber auch als Mittelstürmer hat er seine Qualitäten bewiesen. In der armenischen Nationalmannschaft spielt er seit seinem Aufstieg in Regensburg regelmäßig, traf bislang nur im vergangenen Jahr beim 1:1 im Nations League Spiel gegen Liechtenstein.

In Hoffenheim hat er mit der Konkurrenz zu kämpfen - mit Belfodil und Krmaric in der Mitte, Skov und Bebou auf der Außenbahn. Mit der Joker-Rolle kann Adamyan für den Moment aber noch gut leben. Denn wenn ihn sein Werdegang eines gelehrt hat, dann, dass man manchmal abwarten und seine Chance suchen muss, um längerfristig Erfolg zu haben. Denn während sein ehemaliger Verein Hansa Rostock, der nicht an ihn glaubte, in der 3. Liga spielt, darf er in der Bundesliga auflaufen und hofft dies bald mit der TSG auch international tun zu können.

 

Auch erschienen in unserer Printausgabe 26.11.1

 

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 29 November 2019

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