Sonntag, 23. Januar 2022

Sensationelle Premiere: Erstes inklusives Sitzvolleyball-Turnier in der Rhein-Neckar-Region

erstellt am Dienstag, 28 November 2017
Foto: Adventsturnier Foto: Adventsturnier Bild: AIL

"Eins. Zwei. Bähm!" Dann schlägt der Ball im gegnerischen Feld ein.

"Auf, wir haben jetzt nur noch drei Punkte Rückstand, weiter, weiter!" motivieren sich die Sitzvolleyballer von Anpfiff Hoffenheim I. Es ist das letzte Spiel des Adventsturniers und die erste Mannschaft der Gastgeber kämpft gegen die starken Rivalen der SG Sinsheim/Waibstadt/Helmstadt I, die aus der Verbandsliga bekannt sind. Dann ertönt der Schlusspfiff, denn es wird auf Zeit gespielt. Spiel- und damit Turniergewinn für die Spielgemeinschaft! "Schade, dass wir das Ding nicht gewonnen haben. Da hat uns zum Schluss die notwendige Abgebrühtheit gefehlt", fasst Steffen Maier, Spielführer von Anpfiff Hoffenheim, zusammen.

Der Freitagabend ist normalerweise Trainingszeit der Sitzvolleyballer von Anpfiff Hoffenheim e.V. Doch am 24. November 2017 bot sich in der Sporthalle am Großen Wald im Sinsheimer Stadtteil ein anderes Bild: Zum ersten Mal veranstaltete der Verein ein Adventsturnier, zu dem Volleyballmannschaften aus der Region sowie Partner und Kooperationsvereine eingeladen waren. Trainer Rudi Sonnenbichler war überwältigt, dass so viele Interessierte der Einladung gefolgt waren.

Er eröffnete den Abend mit einer kurzen Einführung in die Besonderheiten des Volleyballsports im Sitzen: "Eigentlich ist der Begriff ‚Sitz' irreführend, denn ihr werdet schnell merken, wie viel Bewegung, Positionswechsel und Schnelligkeit diese Sportart verlangt. Benutzt eure Hände und Füße als Motor zur Fortbewegung." Die buntgemischte Schar, die sich rutschend durch die Halle bewegte, konnte nicht unterschiedlicher sein.

Mit dabei waren Freizeitsportler, Volleyballspieler aus der Bezirksklasse, der Verbandsliga und die ehemalige Bundesligaspielerin Jule Schneider (Libera, u.a. bei SC Potsdam und Envacom Volleys Sinsheim). Mit Susanne Hartel war auch eine Ex-Bundesligistin der Hoffenheimer Frauenfußballerinnen am Start. Mittendrin bewegten sich die Sitzvolleyballer aus Kornwestheim und die beiden Mannschaften des Ausrichters. Dass vielen von ihnen ein Bein oder Arm fehlt, verwunderte anfangs den ein oder anderen der Gäste.

Doch spätestens, als man sich auf dem Feld gegenübersaß, schlug es in Bewunderung um. "Es ist enorm, was diese Sportler mit Handicap leisten. Die einen hatten einen Unfall, sind so geboren oder haben ein Körperteil durch Krebs verloren. Andere haben Teillähmungen. Aber eins haben sie alle: Kampfgeist und Stärke", würdigt ein Teilnehmer des Turniers die Sitzvolleyballer.

Insgesamt neun Teams traten beim Sitzvolleyball-Adventsturnier gegeneinander an. Im Vordergrund standen der Spaßfaktor und das Kennenlernen der paralympischen Sportart. Gespielt wurde in Sechser-Teams auf vier Kleinfeldern im Modus "Jeder gegen Jeden". Im regulären Spiel geht ein Satz bis 25 Punkte, doch an diesem Abend wurde auf Zeit gespielt: zehn Minuten pro Match. Die rasten nur so dahin, während eifrig gepritscht, gebaggert und viel gelacht wurde.

Gegen 21:15 Uhr pfiff Sonnenbichler das letzte Spiel ab. Seine erste Mannschaft hatte in einem Art Finale gegen die Spielgemeinschaft Sinsheim/Waibstadt/Helmstadt I gespielt. Beide Teams hatten zuvor alle Spiele gewonnen. Die Hoffenheimer mussten sich zwar knapp geschlagen geben, doch Angreifer Magnus Fischer zeigte sich hoffnungsvoll: "Beim nächsten Mal dann! Wir haben heute Abend sonst nichts anbrennen lassen. Außerdem ist es für uns ein riesengroßer Gewinn, dass die Halle so voll ist. Das ist das, was heute zählt!"

Dann klopfte es an der Hallentür. Herein trat kein Geringerer als der Nikolaus. Gebeugt durch die schwere Ladung in seinem Sack beäugte er die am Boden sitzende Menge. Nacheinander rief er die Teams zu sich nach vorne, ließ ein Gedicht oder Lied zum Besten geben und belohnte jeden mit einem Adventskalender. Abschließend kräftigten sich die Teilnehmer bei einem Imbiss.

Auch die zweite Mannschaft von Anpfiff Hoffenheim hatte sich gut geschlagen und teilte sich punktgleich mit zwei weiteren Teams die Plätze drei bis fünf. Doch für die Teilnehmer und den Nikolaus waren die Platzierungen nicht maßgeblich. Christopher Braun (Libero bei der SG SiWaHe I) brachte es auf den Punkt: "Dieser Abend hat gezeigt, wie normal es sein kann, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lachen, Volleyball spielen und ungezwungen miteinander umgehen.

Das Turnier hat mir viel Spaß und Lust auf mehr Sitzvolleyball gemacht."  Auch Dietmar Pfähler, 1. Vorsitzender von Anpfiff Hoffenheim e.V., ließ es sich nicht nehmen, das Event zu besuchen. Von der großen Anzahl der Teilnehmer zeigte er sich begeistert: "Großartig, dass hier das gelebt wird, was uns als Verein ein Herzensanliegen ist. Es freut mich unheimlich, knapp 70 passionierte Sportler zu sehen, die das tun, was ihre Leidenschaft ist: Einfach Sport treiben, unabhängig von Handicap und Leistungsklasse. Diese Veranstaltung ist vorbildhaft für die Sportregion Rhein-Neckar."

Anpfiff Hoffenheim e.V. bedankt sich ganz herzlich bei den teilnehmenden Teams:

SV Salamander Kornwestheim (Sitzvolleyball)
Volleyballclub Hoffenheim (Bezirksklasse)
TSG Hoffenheim (Mitarbeiter-Team Zuzenhausen)
adViva (Mitarbeiter-Team, Sponsor)
SG Sinsheim/Waibstadt/Helmstadt I (Verbandsliga)
SG Sinsheim/Waibstadt/Helmsatdt II (Bezirksliga 1)
Anpfiff ins Leben (Mitarbeiter-Team)

(geschrieben von Salome Hermann)
Mehr Informationen finden sie unter: http://www.anpfiff-hoffenheim.de/

Pressemitteilung Anpfiff ins Leben e.V.

Letzte Änderung am Dienstag, 28 November 2017