Freitag, 26. Februar 2021

"Fahnenflucht" im Tennis ++ Südhessen als Pilgerstätte

erstellt am Dienstag, 16 Februar 2021
"Fahnenflucht" im Tennis ++ Südhessen als Pilgerstätte Beide Bilder: AS Sportfoto

sport-kurier. Als Sportler hat man es in Zeiten von Corona schwer.

Die meisten Sportarten sind verboten. Vor allem in den Mannschaftssportarten ging beziehungsweise geht nach wie vor nichts mehr. Auch als Fitness-Fan hatte man nichts zu lachen. Die Studios sind geschlossen, weil dort eine erhöhte Ansteckungsgefahr herrscht. Das kann man nachvollziehen.

Etwas schwerer fällt es jedoch, das Tennisverbot in der Halle einfach so zu schlucken. Und das auch deshalb, weil es in Hessen erlaubt ist. In Baden-Württemberg dagegen strengstens untersagt. Im hessischen Raum dürfen pro Platz 2 Spieler die Tennisschläger schwingen. Die Abstände sind groß, das Ansteckungsrisiko gering. Doch jetzt kommt das eigentliche Problem. Im Dezember und im Januar wurde Hessen gewissermaßen zur Pilgerstätte für verhinderte Tennis-Fans aus Baden-Württemberg, ja sogar aus Bayern reisten Hobby-Cracks an.

Die Folge: In Südhessen war die Hölle los. Sämtliche Tennishallen waren restlos ausgebucht. Teilweise wurde von 6 Uhr morgens bis tief in die Nacht auf mehreren Plätzen durchgespielt. Und damit passierte genau das, was man während der Coronakrise eigentlich tunlichst vermeiden wollte: Es wurde gereist, was das Zeug hält. Wer aus dem Raum Mannheim stammt und in der Tennisszene etwas tiefer verwurzelt ist, der traf über der Landesgrenze ständig auf bekannte Gesichter aus der "Nachbarschaft".

 

 

Beim Badischen Tennis Verband verfolgte man die "Fahnenflucht" verärgert, doch den Verantwortlichen waren die Hände gebunden. "Wir waren zeitweise in einem guten Dialog, sowohl mit dem Kultus- als auch mit dem Sozialministerium. Inzwischen ist aus diesem Dialog jedoch ein reiner Monolog der Politik geworden. Anregungen und Vorschläge unsererseits werden vollkommen ignoriert und das obwohl wir gute Argumente einbringen", wurde Samuel Kainhofer, der beim Badischen Tennis Verband als Geschäftsführer fungiert, im Januar auf der Verbandshomepage zitiert.

Er befand sich eigentlich in einem ständigen Austausch mit der Politik, auch Anwälte wurden kontaktiert, um sich bei ihnen Rat zu holen. Zu einer Klage kam es aber nicht. Ein weiteres Problem: Auch wenn man in der Sache Recht hat, ist es schwierig in solch einer Krise vorzupreschen. Das kommt nicht überall gut an, denn es könnte der Eindruck entstehen, als wolle die Tennis-Fraktion eine Sonderbehandlung erhaschen.

Abzuwarten bleibt, wie das Tennis letztlich durch die Krise kommen wird. Denn noch ist unklar, ob sich der ein oder andere Tennisfan während des Lockdowns komplett vom Tennis entfremdet hat. Aufatmen können mittlerweile immerhin die vielen hauptberuflichen Tennistrainer und Hallenbesitzer. Nun werden auch sie finanziell unterstützt. Nach einer langen Zeit der Ungewissheit wurde beschlossen, dass künftig auch sie bei den Überbrückungshilfen II und III des Bundes berücksichtigt werden.

Bleibt noch abzuwarten, ab wann das Tennisspiel wieder erlaubt wird, denn eines ist für die Tennisgemeinde unbestritten: Sie wurden schon lange genug ihrer Sportart, die den Vorteil hat kontaktlos zu sein, beraubt.

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 16 Februar 2021