Montag, 10. Dezember 2018

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RNL - Es war Steffen Fäth, der den Tag gerettet hatte

erstellt am Dienstag, 02 Oktober 2018
Steffen Fäth Steffen Fäth Bild: AS Sportfotos

sport-kurier. Es war so eine Geschichte, die eben nur der Sport schreibt.

Da begegnen sich die Handballer der Rhein-Neckar Löwen und die HSG Wetzlar fast 60 Minuten lang nahezu auf Augenhöhe und von der Anzeigentafel leuchtet ein 25:25 Unentschieden, ehe die Badener zwei Sekunden vor Schluss doch noch eiskalt zuschlagen und sich den 26:25 (15:15)-Sieg sichern.

Und jetzt kommt's: Gemacht hat das Tor ausgerechnet Steffen Fäth. Der spielte von 2010 bis 2016 selbst für die HSG und reifte dort zu dem starken Rückraumspieler, der er mittlerweile ist.

"Dass ausgerechnet Steffen das Tor macht, ist natürlich doppelt bitter", lächelte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider gequält, "aber mittlerweile ist es leider schon fast zur Normalität geworden, dass Ex-Spieler von uns entscheidend gegen uns treffen." Was Wandschneider meint, ist klar: Wetzlar ist ein Ausbildungsverein. Wird ein Spieler richtig gut, ist er schnell weg.

Allerdings ist die Sache bei Fäth etwas anders gelagert. Bevor er 2010 nach Wetzlar wechselte, war der deutsche Nationalspieler auch schon bei den Löwen unter Vertrag. Von 2008 bis 2010 versuchte er als Nachwuchs-Hoffnung bei den Gelbhemden sein Glück. Doch das war in einer Zeit, in der es auch gestandene Spieler schwer bei den Löwen hatten. Damals saß noch Großsponsor Jesper Nielsen fest im Sattel. Unter seiner Regentschaft war es mit den Spielern ein Kommen und Gehen.

Fäth musste sich damals einfach eine neue Herausforderung suchen, um weiter zu reifen. Zwischenzeitlich verschlug es ihn auch noch für zwei Jahre in die Hauptstadt, wo er von 2016 bis 2018 bei den Füchsen Berlin ein wichtiger Faktor war. Dass es ihn danach wieder zurück zu den Löwen zog, lag auch an der Familie. Fäth ist in Frankfurt geboren und seit er selbst Papa ist, wollte er unbedingt wieder in der Nähe seiner Heimat Handball spielen.

Die Löwen haben ihn natürlich mit offenen Armen empfangen. Seit Ende August beweist er ihnen nun, dass es die richtige Entscheidung war, das einstige Talent zurückzuholen. Die Löwen-Chefs lobten ihn auch auf der abschließenden Pressekonferenz in der Rittal Arena in Wetzlar.

"Es ist wichtig, dass es eben nicht immer nur Andy Schmid ist, der in den entscheidenden Phasen das Tor macht", freute sich der sportliche Leiter der Löwen Oliver Roggisch über die Präzision des sprungstarken 1,94 Meter Mannes, der den Ball zwei Sekunden vor Schluss regelrecht in den rechten Torwinkel hämmerte. Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen lobte auch sein Defensivverhalten. Denn gerade in der zweiten Halbzeit war Fäth auch ein unersetzlicher Bestandteil in der Löwen-Abwehr. Wetzlar fand nach dem Wechsel kaum noch Lücken.

Wie es ist, der Matchwinner zu sein, weiß Fäth schon länger. Am Sonntag bekam er aber mal wieder eine Kostprobe davon. Seine Statements waren begehrt bei der versammelten Journalistenschar. Es gab wohl kein Mikrofon, in das er nicht hinein gesprochen hat. Auch die Kameras hielten drauf. All das führte dazu, dass Fäth eine halbe Ewigkeit auf dem Spielfeld blieb. Jacobsen mag das eigentlich gar nicht. Denn kaum ist ein Spiel vorbei, versammelt der Däne seine Spieler sofort in der Kabine um sich, um die 60 Minuten davor zu besprechen.

Doch am Sonntag dürfte Jacobsen ein Auge zugedrückt haben, schließlich war es Fäth, der den Tag gerettet hatte.

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 02 Oktober 2018

Handball