Mittwoch, 12. Dezember 2018

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Auf der Suche nach der alten Form - Den Löwen ist die Souveränität abhanden gekommen

erstellt am Freitag, 30 November 2018
Andy Schmid / RNL gegen Frederic Stueber / EL TSG Friesenheim (Eulen) vs. Rhein-Neckar Loewen. Andy Schmid / RNL gegen Frederic Stueber / EL TSG Friesenheim (Eulen) vs. Rhein-Neckar Loewen. Bild: AS Sportfotos

sport-kurier. Es ist rational schwer zu erklären, was sich da gerade bei den Handballern der Rhein-Neckar Löwen abspielt.

Die Souveränität der letzten Jahre, in denen sie mit der Konkurrenz meist Katz und Maus gespielt haben, ist wie weggeblasen.

Ein Grund ist, dass die Konkurrenz oben an der Spitze in der Handball-Bundesliga einfach stärker geworden ist. Ein anderer, dass die Gelbhemden im Sommer einen größeren Umbruch vollzogen haben. 5 Neuzugänge müssen eben auch erst einmal integriert werden. Andererseits sind viele Positionen noch identisch besetzt. Doch selbst ein Topmann wie Andy Schmid beweist im momentanen Saisonverlauf, dass auch er nur ein Mensch ist. Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte der Schweizer machen, was er wollte, geklappt hat es eigentlich immer.

Das Problem ist auch, dass eben nicht nur er zurzeit seiner Form hinterherläuft. Kaum ein Löwe bringt Normalform. Und das ist in der Summe dann einfach zu viel. Gezeigt hat sich das auch am Donnerstagabend. Da spielten die Badener in der Pfalz bei den Eulen Ludwigshafen. Das ist ein Gegner, der aufgrund seiner Kaderzusammensetzung niemals den Löwen das Wasser reichen kann. Momentan sowieso nicht, denn das Schlusslicht der deutschen Bundesliga plagt sich mit krassen Verletzungssorgen herum.

Jonathan Scholz / EL gegen Andreas Palicka / RNL - TSG Friesenheim (Eulen) vs. Rhein-Neckar Loewen. AS Sportfotos

Für die Löwen hätte es also ein Spaziergang werden sollen bzw. müssen. Das wurde es aber nicht. Am Ende stand zwar ein recht souverän wirkendes 28:21 für die Löwen, doch das täuschte über den zähen Spielverlauf hinweg. Denn die erste Halbzeit lief bedenklich. Man konnte sich bei Torhüter Andreas Palicka bedanken, dass man überhaupt mit einer 13:11 Führung in die Pause ging. Was genau bei der Kabinenansprache von Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen gesagt wurde, bleibt geheim. Aber es heißt, dass er seine Jungs ordentlich zusammen gefaltet haben soll.

Momentan deutet somit vieles darauf hin, dass es für die erfolgsverwöhnten Löwen in dieser Saison erstmals seit 3 Jahren keine großen Titel geben könnte. Aber so ist es oft im Sport. Irgendwann ist eine Epoche zu Ende. Aktuell sieht man das auch ganz gut bei den Fußballern des FC Bayern München. Jahrelang eilten die Roten von einem Erfolg zum nächsten. Nun wirft man ihnen vor, dass sie den Umbruch verpasst hätten. Das kann man so unterschreiben, aber lässt sich das so auch 1:1 auf die Löwen übertragen? Sicher nicht.

Allerdings gibt es auch dort Baustellen. Eine ist sicherlich die Position im rechten Rückraum. Hier wirbeln für die Löwen Alexander Petersson, der nach wie vor ein echter Schlüsselspieler ist, der aber eben auch 38 Jahre alt ist. Die Nummer 2 hinter ihm ist Vladan Lipovina, der erst vor der Saison kam und ein riesiges Handicap hat: Er kann keine Abwehr spielen und ist nur in der Offensive, wo er jedoch auch kaum Einsatzzeit bekommt, eine Alternative. Und seine fehlenden Qualitäten in der Abwehr wurden ihm nun wohl auch zum Verhängnis. Der Montenegriner muss nach der Saison schon wieder gehen.

Für ihn kommt Niclas Kirkelökke, der aus Dänemark stammt und auch schon in der Nationalmannschaft sein Können unter Beweis gestellt hat. Sein Vorteil gegenüber Lipovina: Der 24-jährige kann auch Abwehr. Und das wird auch immer wichtiger, denn gerade ein Petersson braucht in seinem Alter mittlerweile auch mal eine Pause, um genug Luft für seine Offensiv-Qualitäten zu haben.

Petersson ist 38 Jahre alt und hat erst kürzlich bis 2021 verlängert. Das zeigt, welch großes Vertrauen die Löwen in den Mann haben, der ihnen nun schon seit 2012 - damals kam er von den Füchsen Berlin - die Treue hält. Ein Risiko ist der "Rentenvertrag" dennoch. Denn gerade bei Hochleistungssportlern lässt die Leistungsfähigkeit im Alter nach. Und mit über 40 Jahren im Rückraum einer Bundesliga-Mannschaft zu spielen, ist schon recht ambitioniert.

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 30 November 2018

Handball