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Wenn sich auch mal der Abteilungsleiter mit seinen 45 Jahren zwischen die Torpfosten stellt" - "Lacky" Paschaloglou vom Landesligisten VfL K. Neckarau tat es

erstellt am Mittwoch, 18 Mai 2016
Der 45- jährige Abteilungsleiter des VfL Kurpfalz Neckarau, Lacky Paschaloglou,  stand gegen den 1.FC Mühlhausen zwischen den Pfosten. Der 45- jährige Abteilungsleiter des VfL Kurpfalz Neckarau, Lacky Paschaloglou, stand gegen den 1.FC Mühlhausen zwischen den Pfosten. Bild: Berno Nix

von Sportkurier. Wer sich häufiger mit der Fußball-Landesliga Rhein-Neckar beschäftigt und ab und an auch die Spielberichtsbögen im Internet studiert, dürfte sich nach dem letzten Spieltag verwundert die Augen gerieben haben.

Auf dem Bogen der Partie zwischen dem VfL Kurpfalz Neckarau und dem 1. FC Mühlhausen tauchte nämlich ein Name auf, den man schon seit ein paar Jahren nicht mehr in den Statistiken gelesen hat: Wassilios Paschaloglou.

In Fußball-Kreisen besser als Lacky bekannt. Richtig, genau der Lacky, der sich einst als Stürmer einen Namen gemacht hatte. Mittlerweile ist er 45, wird bald 46 Jahre. Stimmt, noch hört sich diese Geschichte nicht weiter spektakulär an. Comebacks gibt es ja häufig, gerade dann, wenn es für die eigene Mannschaft um nichts mehr geht. Doch hier war es anders. Denn der Abteilungsleiter des VfL stürmte nicht, nein, er tat das genaue Gegenteil: Paschaloglou streifte sich die Torwart-Handschuhe über und rückte zwischen die Pfosten.

Alle Keeper waren verhindert

Wohlgemerkt in der Landesliga und nicht bei irgendeinem Jedermanns-Turnier. Ist er so talentiert als Schlussmann? "Sicher nicht", schmunzelt er, "aber in der Situation hatten wir keine andere Wahl." Zur Erklärung: In Neckarau stehen vier Keeper unter Vertrag. Zwei für die erste Mannschaft und zwei für die Reserve. Macht vier - und keiner konnte. Die etatmäßigen Keeper mussten samstags arbeiten, bekamen auf Teufel komm raus nicht frei. Und was war mit den anderen beiden? Schließlich war die zweite ja sogar spielfrei! Genau das war das Problem: Beide sind sehr gut befreundet und befanden sich auf einem Junggesellen-Abschied. Und zu allem Überfluss war der A-Jugendkeeper auch noch im Urlaub.

"Wir standen dann vor der Wahl, entweder versauen wir den Jungs den Junggesellen-Abschied, opfern einen Feldspieler oder ich stelle mich rein", berichtet Paschaloglou. "Irgendwann habe ich dann halt gesagt, dass ich es mache. Lieber wollte ich mich blamieren, als einer unserer Feldspieler. Da wollte nämlich auch keiner ins Tor."

Außerdem hatte Paschaloglou auch schon Erfahrung im Kasten: "Als ich noch in Walldorf gespielt habe, das ist aber sicher schon 15 Jahre her, hat sich mal im Spiel unser Torhüter verletzt. Damals bin ich auch für rund 70 Minuten eingesprungen. Das war auf einem Hartplatz in Rauenberg, das vergesse ich nie", lacht der Aushilfskeeper.

Mit Talent hatte das damals allerdings nichts zu tun. Denn im Tore verhindern war und ist Paschaloglou kein Ausnahmekönner. Und trotzdem wäre es am letzten Wochenende fast gut gegangen: Der VfL führte durch ein Tor von Egzon Abdullahu (56.) mit 1:0, war klar besser und steuerte einem Heimsieg entgegen.

Auch als Feldspieler macht Lacky Paschaloglou noch eine gute Figur. Bei Benefizspielen schnürt sich der ehemalige Torjäger (blau) noch gerne die Kickstiefel. Hier in einem Sportkurier-Allstarteam gegen eine Kreisauswahl. Bild: SPK

Bis zur 70. Minute stand die Null

Bis zur 70. Minute, da passierte etwas, das Paschaloglou nach wie vor Kopfzerbrechen bereitet: Er wollte einen Rückpass direkt weiterleiten und eben nicht nach vorne hämmern, um die Situation spielerisch zu lösen. Also genau das, was er als Feldspieler viele Jahre lang souverän gemacht hatte. Und dann das: Mühlhausens Sachar Theres, der hinlänglich als begnadeter Fußballer bekannt ist, roch den Braten, spritzte in den Querpass dazwischen, schnappte sich die Kugel und zog ab: 1:1.
 
"Puh, war ich da auf einmal klein. Ich dachte, ich sterbe. Warum habe ich das Ding nicht einfach weggehauen?! Im Vorfeld dachte ich ja, die hauen mir die Bude voll, aber die Mannschaft hat super gearbeitet und nichts zu gelassen. Mir hat das unendlich leid getan für die Jungs." Wobei er einmal doch sein ganz Können aufbieten musste: Paschaloglou musste ein Eins-gegen-Eins-Duell meistern. Und genau das tat er dann auch. "Wenn ich da das Tor bekommen hätte, wäre es ja okay gewesen. Aber nicht so. In der Nacht darauf habe ich wirklich kaum geschlafen. Mich macht das immer noch fertig."

Die Spieler haben es hingegen längst vergessen. Schon nach dem Spiel haben sie ihrem Schlussmann den Rücken gestärkt. Dann spricht eigentlich nichts gegen ein Comeback am nächsten Wochenende!? "Nein, nein, das ist ausgeschlossen, definitiv!", grinst Paschaloglou.

Letzte Änderung am Donnerstag, 19 Mai 2016

Landesliga Rhein-Neckar