Dienstag, 22. Januar 2019

Keine Artikel in diesem Warenkorb

Mit Uwe Koschinat in Liga 3?

erstellt am Montag, 17 Dezember 2018
Etwas ratlos wirkt dieser Tage SVS-Coach Uwe Koschinat. Sieben Spiele ohne Sieg - es droht der Abstieg in Liga 3. Etwas ratlos wirkt dieser Tage SVS-Coach Uwe Koschinat. Sieben Spiele ohne Sieg - es droht der Abstieg in Liga 3. Bild: Siegfried Lörz

Der SV Sandhausen am Scheideweg

sport-kurier. Es war der 3. Juli 2016, als der SV Sandhausen einen neuen Trainer präsentierte. Es war damals Kenan Kocak, der zuvor nur ein paar Kilometer vom Hardtwald entfernt Werbung in eigener Sache gemacht hatte. Über mehrere Jahre leistete der Ilvesheimer gute Arbeit beim Regionalligisten SV Waldhof Mannheim, scheiterte letztlich aber in der Relegation zur 3. Liga. Kurz darauf klopfte der SVS an. Für Kocak, damals 35 Jahre alt, war das eine große Ehre. Über Nacht ging es in die zweithöchste deutsche Spielklasse.

Kaum in Sandhausen angekommen, drückte Kocak der Mannschaft auch schon seinen Stempel auf, feierte wichtige Siege und verhalf den Hardtwäldern in seiner über 2-jährigen Amtszeit zu vielen positiven Schlagzeilen. Selbst als Aufstiegskandidat in die Bundesliga wurde man ab und an gehandelt.

In dieser Saison war dann nun alles anders. Von Beginn an war der Wurm drin, eigentlich lief es sogar schon in der Rückrunde der Vorsaison nicht mehr so gut. Die Ergebnisse stimmten nicht mehr, was aber nicht nur am SVS lag, sondern eben vielmehr auch daran, dass die Konkurrenz aufgeholt hatte.

Die Heidenheimer warfen den SVS aus dem Pokal und gewannen auch in Sandhausen. Hier geht der 1. FCH mit 1:2 im BWT-Stadion in Führung. Bild: AS Sportfotos

Am 8. Oktober zog Sandhausen schließlich die Notbremse: Kenan Kocak wurde beurlaubt, Uwe Koschinat kam. 47 Jahre alt, geboren in Koblenz. Seine Vita liest sich gut: Von 2011 bis 2018 wirkte er beim Traditionsverein Fortuna Köln, den er in der Saison 2013/2014 von der Regionalliga in die 3. Liga führte. Allerdings fehlte ihm - und darüber musste man sich beim SVS im Klaren sein - die Erfahrung auf höherer Ebene.

Also auf einem Level, auf dem sich Kocak bereits bewiesen hatte. Mit dem Ex-Waldhöfer spielte Sandhausen sicher nicht immer den attraktivsten Fußball, aber man war über mehrere Jahre erfolgreich. Kocak machte aus wenig viel. Ohne Stars verschaffte er sich Respekt im Unterhaus. Eine seine größten Stärken soll es zudem gewesen sein, über die emotionale Schiene zu kommen, um so mittels motivierender Ansprachen das Letzte aus seinem Personal rauszuholen.

Koschinat ist da anders. Er setzt eher auf andere Stilmittel: Das Taktische steht bei ihm über allem. Hier gilt er als Fachmann durch und durch. Das Problem in Sandhausen soll aber sein, dass man für eine entsprechende Taktik auch ein entsprechendes Personal braucht, das die Vorgaben umsetzen kann.

Fakt ist jedenfalls, dass die erhoffte Wende zum Guten bislang auf sich warten lässt. Nach seinem 4:0 Sieg zum Einstand gegen die überraschend schlechten Ingolstädter kam nicht mehr viel, kein weiterer Sieg. Sieben sieglose Spiele (0-4-3), zzgl. das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal beim FC Heidenheim (3:0) stehen in der Statistik von Uwe Koschinat. Eine für die Fans enttäuschende Spielbilanz, die auch aufzeigt, dass Kenan Kocak aus dem Kader wohl das Maximale herausgeholt hatte. Einen kleinen, aber feinen Unterschied gilt es auch zu beachten. Kocak spielte bis zu seiner Freistellung fast durchweg gegen Spitzenteams, Koschinat eher gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte.

Hatten sich die Verantwortlichen zu früh von Kenan Kocak getrennt? Seit seiner Entlassung läuft es sportlich noch schlechter. Bild: AS Sportfotos

Im Umfeld des SVS sprechen deshalb viele bereits vom Abstieg. Der Glaube an die eigene Mannschaft schwindet. Ein weiterer Trainerwechsel könnte das Problem lösen. Doch das ist eben auch immer eine Kostenfrage. Denn das Gehalt von
3 Trainern ist für einen Dorfverein wie den SV Sandhausen kaum zu stemmen.

Ungemütlich könnte es so langsam auch für Otmar Schork, Sandhausens Geschäftsführer Sport, werden. Er soll der maßgebliche Mann bei der Koschinat-Verpflichtung gewesen sein und auch, wenn es darum geht, Spieler zu verpflichten, hat er das letzte Wort. Aber bei all der Kritik, noch hat der SVS die Zeit, sich selbst da unten raus zu spielen. Von Vorteil ist sicherlich, dass es einige Mannschaften gibt, die derzeit Probleme haben. Auch Teams wie Ingolstadt, Magdeburg oder Duisburg kommen im Keller nicht wirklich von der Stelle.

Somit scheint zumindest der drittletzte Platz, der zur Relegation berechtigen würde, durchaus realistisch zu sein.

Auch erschienen in der Printausgabe des sport-kurier.

 

 

Letzte Änderung am Montag, 17 Dezember 2018

2. Bundesliga