Dienstag, 22. Januar 2019

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Es läuft gut bei den Volleyballdamen des SV Sinsheim

erstellt am Montag, 24 Dezember 2018
Mannschaftsfoto der Volleyballerinnen nach dem Spiel gegen den SSC Bad Vilbel. Mannschaftsfoto der Volleyballerinnen nach dem Spiel gegen den SSC Bad Vilbel. Bild: Siegfried Lörz

Tabellenführer der 3. Liga Süd

In der Saison 2018/19 stehen die Volleyballerinnen des SV Sinsheim nach zehn Spieltagen, mit neun Siegen und einer Niederlage, an der Tabellenspitze der 3. Liga Süd. Im letzten Heimspiel des Jahres, gegen den Tabellendritten SSC Bad Vilbel, eroberten sich die Sinsheimerinnen die Tabellenführung zurück und überwintern als "Weihnachtsmeister" ganz oben.

"Genau das war, nach den letzten erfolgreichen Wochen, unser Ziel", lobte ein zufriedener Trainer Jörg Binder seine "Mädels". Komplimente gab es auch von Gästetrainer Christoph Haase: "Sinsheim ist in allen Positionen besser besetzt als wir. So stark habe ich die Kraichgauer in dieser Saison noch nicht gesehen. Ich bin mir sicher, dass sie am Ende auch ganz oben stehen werden".

Die Mannschaft begeisterte die zahlreichen Zuschauer mit hochklassigem Volleyball. Nach 25:11 und 25:15 wurde schnell eine 2:0 Führung herausgespielt. Zuspielerin Kim Kretzler konnte ihre Angreiferinnen ein ums andere Mal gut in Szene setzten. Gegen die Angriffspower der Sinsheimerinnen waren die Gäste machtlos. Sinsheims Trainer war sich nach dem 2:0 Vorsprung sehr sicher, das Spiel nach Hause zu bringen und hat im dritten Satz durchgewechselt, um auch den anderen Spielerinnen Einsatzzeiten zu ermöglichen. Prompt ging dieser unglücklich mit 24:26 verloren.

"Vilbel hat sich gut gewehrt. Aber ich hatte keine Angst, dass wir das Spiel verlieren", meinte Trainer Jörg Binder, der seit Sommer, die für die dritte Liga erforderliche B-Lizenz besitzt und die Mannschaft jetzt alleine trainieren kann. Im vierten Satz machte dann sein Team alles klar und sicherte sich mit einem 25:20 den 3:1 Sieg und die erneute Tabellenführung.

Schmetterball von Marie-Christin Werner (SV Sinsheim) / Schnellangriff durch die Mitte. Szene aus dem Spiel gegen den SSC Bad Vilbel. Bild: Siegfried Lörz.

Der Höhenflug der Sinsheimer Volleyballerinnen ist für viele überraschend. Nach einer durchwachsenen Saison 2017/18, mit einem fünften Platz und einer Saison, geprägt von Personalproblemen, waren viele skeptisch wie es mit dem Volleyball in Sinsheim weiter geht. Dazu gab es mit Luise Mauersberger (Umzug nach Freiburg) und Lena Vorsatz (Auslandsstudium) weitere Abgänge zu verkraften, vor allem der Abgang der ehemaligen Bundesligaspielerin Luise Mauersberger schmerzte besonders.

Die Linkshänderin war über viele Jahre hinweg als Führungsspielerin und Kapitänin ganz wichtig für die Mannschaft. Sie hat sich nach ihrer beruflichen Veränderung dem Ligakonkurrenten VfR Umkirchen angeschlossen. Es wird also ein Wiedersehen mit "Lulu", wie sie in Sinsheim genannt wird, geben. Den Verantwortlichen des SV ist es aber trotzdem gelungen, für die Saison 2018/19 eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Altbekannte Gesichter sind unter den Neuen.

Außenangreiferin Angelina Schatz hat sich von Zweitliga-Absteiger TG Bad Soden verabschiedet, um in "Sinse" wieder schmettern zu können, Diagonalspielerin Hanna Baumann kommt von der TSG HD-Rohrbach zurück. Ebenfalls in Rohrbach war Luca Schnabel im Einsatz. Sie verstärkte den Drittligisten aus dem Kraichgau ebenso wie Vanessa Rühl (TSG Wiesloch), Chrissie Werner und Kalyn El Berins (Heidelberger TV). 15 Spielerinnen gehören dem Kader an, eine Luxusausstattung im Vergleich zum Rumpfteam der vergangenen Saison. Dass es so viele geworden sind, hat der SV Sinsheim unter anderem Libera Nadine Himmelhan zu verdanken, die Trainer Binder gerne als "unsere Managerin" nennt.

"Nadine hat ihre Augen überall und richtig gute Kontakte", sagte der SVS-Trainer und meinte: "Beim Sichtungstraining haben die neuen Spielerinnen sofort gemerkt, was für eine tolle Truppe wir hier in Sinsheim sind." Das weiß natürlich auch Natallia Antanovich. Die ehemalige Bundesligaspielerin des SV Sinsheim wird nach ihrem Kreuzbandriss dem Team weiterhin erhalten bleiben. Die Mittelblockerin arbeitet fleißig an ihrem Comeback und unterstützt Binder als Co-Trainerin.

Nach seiner frisch bestandenen B-Lizenz Prüfung bereitete sich Jörg Binder intensiv auf den Saisonstart Mitte September gegen den TV Villingen vor. Die Südbadener rangierten letzte Saison immerhin einen Rang (Platz vier) vor den Kraichgauerinnen. Für Trainer und Team sollte es eine erste Standortbestimmung sein. Mit einem fulminanten 3:0 gegen die Südbadener setzte das neu formierte Team ein erstes Ausrufezeichen. Es war eine beindruckende Vorstellung beim Saisonauftakt. Sven Johansson konnte nur staunen. "Mein lieber Mann", sagte der Trainer des TV Villingen sichtlich beeindruckt: "Ich bin überrascht, wie eingespielt Sinsheim schon ist." Der TV-Coach lobte den SVS für seine Aufschläge, seine Angriffe und die "unglaubliche Abwehr" um Libera Nadine Himmelhan, die den Bällen wie ein Fußballtorwart hinterherhechtete.

Kollektiver Jubel bei den Volleyballdamen des SV Sinsheim nach einem Satzgewinn. Bild: Siegfried Lörz

Schon beim ersten Spiel zeigte sich, der SV Sinsheim ist mit den Neuzugängen im Team flexibler geworden. "Das war unsere große Sorge, wie wir den Abgang von Luise Mauersberger kompensieren können. Ich habe den Mädels gesagt, wenn wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen, dann sind wir weniger ausrechenbar und das macht uns noch stärker", sagte der Trainer. Das scheint Jörg Binder und den SV-Mädels gelungen zu sein.

Die erste große Bewährungsprobe für das Team war der vierte Spieltag, als der damalige Tabellenführer TB Lebach in Sinsheim aufschlug. Die Saarländerinnen mussten die Überlegenheit der Sinsheimer anerkennen. Nur im ersten Satz konnten die Gäste den SV in Verlegenheit bringen und gewannen diesen mit 25:22. Mit drei beeindruckenden Sätzen demonstrierten die SV-Damen ihre Stärke und holten sich mit einem 3:1 die Tabellenführung wieder zurück.

"Unsere junge Mannschaft hat heute nicht zu ihrem Spiel gefunden. Ich habe meinen Spielerinnen vor dem Spiel gesagt, wenn wir hier was mitnehmen wollen, brauchen wir einen Sahnetag. Leider gab es nur trockenen Kuchen", zog Gästetrainer Philipp Betz am Ende ein nüchternes Fazit. Ausgerechnet das berüchtigte "verflixte siebte Spiel" bei Aufsteiger VfR Umkirch sollte das erste Mal in die andere Richtung laufen.

Bei den Südbadener gab es ein Wiedersehen mit Luise Mauersberger. Die langjährige Mitspielerin war plötzlich eine Gegenspielerin. Aber alle freuten sich auf ein Wiedersehen mit "Lulu". Bis heute wirkt ihr Einfluss in Sinsheim. Jörg Binder wäre nie SVS-Trainer geworden, hätte "Lulu" ihn nicht dazu ermuntert. "Ich hatte nie vor Trainer zu werden, die Trainerausbildung zu machen und in den Leistungsvolleyball zurückzukehren", kann sich Binder noch heute gut daran erinnern.

Der VfR Umkirch ging mit besonderem Ehrgeiz in dieses Match und brachte den SV-Mädels die erste Niederlage bei. In vier Sätzen, mit 12:25, 25:17, 17:25 und 16:25, musste sich der Volleyball-Drittligist bei den Südbadener geschlagen geben. Es gab keine Siegerbilder auf der SV-Facebook Seite. Es war ein erster Warnschuss an das Team, für die restlichen Spiele des Jahres die Konzentration hoch zu halten und jeden Gegner ernst zu nehmen.

Dies ist in den folgenden Spielen auch gelungen. Es blieb die einzige Niederlage im bisherigen Saisonverlauf und das Binder-Team überwintert an der Tabellenspitze der 3. Liga Süd. Trotz der Erfolgsserie kommt ein Aufstieg in die zweite Liga für den SV Sinsheim nicht in Frage. Es fehlen hierzu die nötigen finanziellen Mittel und vor allem Sponsoren, die bereit wären den Verein zu unterstützen. Eigentlich schade, denn die aktuelle Mannschaft hat durchaus das Potential sich auch in der zweiten Liga zu behaupten.

 

Auch erschienen in unserer Printausgabe vom 20.12.2018

 

 

Letzte Änderung am Montag, 24 Dezember 2018