Zufriedener Rückblick/Stressige Vorschau
Wiesloch. Durchaus zufrieden verlief das abgelaufene Fußballjahr, doch dem Präsidenten des Badischen Fußballverbandes, Ronny Zimmermann ist bewusst, dass 2010 aufgrund der Vielzahl an Aktivitäten noch wesentlicher stressiger wird. Mit dem 48-jährigen Rechtsanwalt aus Wiesloch unterhielt sich Siegfried Müller von der bfv-Geschäftsstelle.
Herr Zimmermann, derzeit sieht es im Profibereich für Baden nicht mehr so rosig aus wie noch vor zwölf Monaten?
Zimmermann: Das kann man wohl so sagen. Trotzdem sind wir mit zwei Vereinen im Ländle noch immer führend. 1899 Hoffenheim wird sich sicherlich wieder erholen, wobei man auch aus einer längeren Durststrecke seine Lehren ziehen kann. Ich verschwende jedenfalls keinen Gedanken daran, dass die Mannschaft noch in Bedrängnis kommt. Mit den Bedingungen, die Mäzen Dietmar Hopp geschaffen hat, werden die Kraichgauer auf Dauer die Bundesliga erhalten und in den nächsten Jahren auch auf internationaler Bühne zu finden sein. Es muss alles wachsen, man darf nichts überstürzen, denn die Konkurrenz schläft ja nicht. Letztendlich wird es im Sport immer zu Rückschlägen kommen. Das gehört dazu. Wichtig ist, wie man damit umgeht.
Anders ist es beim Karlsruher SC gelagert, dessen Vereinsschiff ja seit dem Abstieg im Sommer etwas ins schlingern geraten ist?
Zimmermann: Aufgrund der Infrastruktur und dem fehlenden, modernen Stadion wird der KSC immer ums Überleben kämpfen, obwohl der Abstieg ja völlig unnötig war. Dass es bei einem neuen Präsidium zu neuen Ideen, neuer Führungslinie und auch zu keineswegs unberechtigten Umstrukturierungen kommen würde, war zu erwarten. Natürlich passieren dann auch Fehler. Allerdings hatte das jetzige Gremium vornehmlich in der heimischen Presse ganz offensichtlich nicht den Hauch einer Chance. Vieles wurde einseitig und negativ dargestellt und zunächst einmal schlecht geschrieben. Es wird Zeit, dass in jeder Beziehung Normalität einkehrt, denn Karlsruhe ohne Profifußball ist eigentlich nicht vorstellbar. Die Kräfte müssen gebündelt werden, damit die seit Jahren vorhandenen Problemfelder schnell abgearbeitet werden können. Wichtig ist, in den elementaren und überlebensnotwendigen Bereichen die Saat für eine gute Zukunft zu legen. Die Region und der KSC hätten es verdient.
Der SV Sandhausen gehört weiter zu einer Belebung der dritten Liga, ohne dass die Zuschauer es honorieren.
Zimmermann: Was beim SV Sandhausen auf ehren- und hauptamtlichen Gebiet geleistet wird, ist phänomenal. Beim Vergleich der Zuschauerzahlen mit den anderen Spitzenclubs wird man neidisch und diese finanzielle Schieflage muss aus anderen Töpfen gemeistert werden. Noch hat die Dais-Elf die Möglichkeit, den Aufstieg zu erreichen. Der Erfolg in Jena, vor allen Dingen einmal ohne Gegentreffer, lässt da schon für die Rückrunde hoffen. Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen in der Hoffnung, dass auch das Publikum die Anstrengungen in der zweiten Serie besser honoriert. Den wackeren Vereinsverantwortlichen wäre es jedenfalls zu gönnen.
Zwar blicken wir erst zur Herren-WM nach Südafrika, doch die Frauen- Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land, ja im eigenen Verband ist bereits nahe.
Zimmermann: Mit den Vorbereitungen der Frauen-WM sind wir aufgrund der vier Begegnungen in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim natürlich schon jetzt hautnah konfrontiert. Unser Ziel wird es sein, zusammen mit der Stadtverwaltung und 1899 Hoffenheim vier ausverkaufte Stadien zu bekommen. Der Verkauf der Städteserie ist überaus erfreulich angelaufen. Das Hauptaugenmerk gilt jetzt aber der Verkaufsphase Zwanzig11, also 20 Prozent Rabatt bei dem Erwerb von mindestens elf Gruppenkarten durch Vereine und Schulen, die am 15. Februar startet und bis Juli gehen wird, ehe Einzeltickets angeboten werden. Exakt ein Jahr vor der WM-Eröffnung am 26.Juni 2010 findet in allen neun Fußballkreisen ein Tag des Mädchenfußballs unter dem Motto „Wir spielen für Sinsheim 2011“ mit einem interessanten Programm statt. Ein Erfolg scheint auch der DFB- Wettbewerb Team 2011 zu werden, der seit einem halben Jahr läuft und bis zur Eröffnung der WM geht. Die Förderung des Mädchenfußballs und die Kooperation Verein/Schule stehen im Mittelpunkt. Bis jetzt haben sich bei uns 144 Vereine und 64 Schulen gemeldet. Es gibt tolle Preise zu gewinnen, sodass ein Mitmachen sich allemal lohnt und wirklich alle aufgefordert sind, hier teilzunehmen.
Kommen wir zur Verbandsarbeit. Gewalt in und um die Amateurplätze bleibt ein Dauerbrenner. Besteht eine Chance, dies einzudämmen?
Zimmermann: Gegenüber dem Vorjahr haben die Gewaltdelikte nicht zugenommen. Dies ist zunächst positiv. Negativ ist allerdings, dass die Brutalität fast keine Grenzen mehr kennt. Die Hemmschwelle rückt immer tiefer und das ist besorgniserregend, auch wenn dies alles nur ein Abbild unserer Gesellschaft ist. Früher ist man von Ballungszentren ausgegangen, heute knallt es aber auch auf dem flachen Land. Wir werden nunmehr gemeinsam mit der örtlichen Polizei präventiv tätig und falls erforderlich, in allen neun Fußballkreisen Informationsveranstaltungen mit einem Grundsatzreferat über die Gewalt auf Sportplätzen abhalten, wo die Vereine auch aufgefordert werden, massiv im eigenen Umfeld bereits gegen Gewaltansätze und Beleidigungen von Schiedsrichtern und Gästen vorzugehen. Den Anfang machen wir in den nächsten Wochen im Fußballkreis Mannheim mit vier Veranstaltungen.
Was tut sich Neues in Schöneck? Stillstand bedeutet ja Rückschritt.
Zimmermann: Stillstand kann es bei einem solch großen Objekt nie geben. Die Sportschulen in Baden-Württemberg wurden ebenfalls in das Bundes- und Landeskonjunkturprogramm für energetische Verbesserungen aufgenommen, worüber wir sehr dankbar sind. Wir haben mit den Arbeiten bereits angefangen und werden diese 2011 mit einem Volumen von rund 1.3 Millionen Euro beenden. Das Waldhaus sowie die Fritz-Meinzer-Halle und die Halle II mit Schwimmbad sind hiervon betroffen. Wegen dem Wintereinbruch stockt derzeit lediglich etwas der Baufortschritt. Ansonsten haben wir 2009 die Zimmer, Flure und Treppenhäuser einschließlich Seminarräume im Waldhaus renoviert sowie die Brücke zur Fritz-Meinzer-Halle neu konzipiert. Durch die energetischen Maßnahmen erhoffen wir uns eine spürbare Entlastung bei den Energiekosten.
Immer wichtiger werden die Qualifizierungsangebote an die Vereine, um die ehrenamtlichen Tätigkeiten zu entlasten, Abläufe zu optimieren und die Vereinsfunktionäre auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.
Zimmermann: Das haben wir schon vor vielen Jahren erkannt und danach auch unsere Angebote ausgerichtet, die wiederum in einer Broschüre zusammengefasst sind. Neu ist die Möglichkeit der Online-Anmeldungen zu Lehrgängen aller Art. Die Kurzschulungen sind leider etwas zurückgegangen. Deshalb der Appell an die Vereine, dieses kostenlose Angebot vor Ort zur Schulung der Trainer anzunehmen. Es kann aus acht Themen ausgewählt werden, bald sind es sogar zwölf. Das DFB-Mobil fährt weiter, auch im Winter mit einem speziellen Hallenprogramm. Von Mai bis jetzt wurden rund 70 Vereine besucht. Bis April soll die Hundertergrenze überschritten werden bei Demotraining mit Kindern und einem Theorieteil.
Was steht den ehren- und hauptamtlich Tätigkeiten für dieses Jahr bevor? Hat sich der Terminkalender gelichtet und weiter verdichtet?
Zimmermann: Ich glaube eher das Zweite ist der Fall. 2010 wird richtig stressig. Neben den ureigensten Aufgaben eines Fußballverbandes und den angesprochenen Maßnahmen in der Sportschule, müssen eine eminent große Anzahl anderer Dinge auf den Weg gebracht werden. Im April wird mit der Uni Mannheim ein Sportrechtssymposium in der Quatratestadt durchgeführt, danach folgen Jugendverbandstag und Verbandstag mit Satzungs- und Ordnungsänderungen sowie Neuwahlen. Die WM 2011 wird verstärkte Anstrengungen verursachen, im Oktober wird voraussichtlich eine U19-EM-Qualifikation bei uns ablaufen und im November sind wir federführend beim vierten Ballspielsymposium in der Karlsruher Europahalle. Fürwahr eine stolze, abwechslungsreiche und interessante Auflistung und wie schon erwähnt, dies alles neben den Aufgaben, welche ohnehin tagein tagaus anfallen.
Quelle: Badischer Fußballverband
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