Samstag 19 Mai 2012

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Zahlt Hauptsponsor Jesper Nielsen überhaupt noch?!

Können auslaufende Verträge mit Leistungsträgern verlängert werden?

SPORTKURIER. Sportlich lief es zuletzt richtig gut: Es war ein goldener Oktober, den die Rhein-Neckar Löwen da in der Handball-Bundesliga, der stärksten Liga der Welt, erwischten. Die Mannschaft scheint sich so langsam zu finden, brilliert in der Offensive und in der Defensive. Der Lohn: Platz Fünf. Gute Laune ist demnach Programm – zumindest in Spieler- und Fankreisen.

 Hinter den Kulissen soll es nämlich ein klein wenig anders aussehen. Offenbar hängt der Haussegen schief.
Nach Informationen des Sportkuriers brodelt es sogar richtig. Auslöser soll Jesper Nielsen, der ehemalige Aufsichtsrats-Boss der Löwen, der als Hauptsponsor nach wie vor einen Großteil des Etats zu stemmen hat, sein. Doch zahlt er auch wirklich? Anscheinend nicht. Zuletzt soll das badische Handball-Flaggschiff auf einige Zahlungen vergeblich gewartet haben. Das es nicht kenterte, soll einzig und allein an anderen Sponsoren gelegen haben, die einsprangen und somit das Schlimmste verhinderten. Ein Dauerzustand kann dies aber nicht sein. Und genau deshalb sollen mittlerweile auch Anwälte eingeschaltet worden sein.

Wie auch immer, eines scheint sonnenklar zu sein: Da das Geld nicht mehr so locker sitzt, wie noch in der letzten Saison, wird es einige personelle Veränderungen geben. Allein nach dieser Saison laufen vier Verträge aus – von denen nach aktuellem Stand möglicherweise keiner verlängert werden wird. Abwehrspezialist Oliver Roggisch, Kreismann Robert Gunnarsson, Torhüter Henning Fritz und Rückraum-Ass Michael Müller sind die Kandidaten. Alles Spieler, die Gehälter einstreichen, die weit über dem Ligaschnitt liegen. Eben Gehälter, die ausgehandelt wurden, als es den Löwen finanziell noch besser ging, als sich der Klub und Jesper Nielsen noch lieb hatten und dementsprechend der Rubel rollte. Geht es nach Leistung, so könnte Roggisch gute Karten haben, um doch noch ein, zwei Jahre in der Manege dranhängen zu können.

Ist Leistungsträger Oliver Roggisch überhaupt noch zu halten? Alles eine Frage der finanziellen Möglichkeiten
Klar, ein reiner Defensivmann ist im modernen Handball, der immer schneller wird, keine Ideallösung. Aber Roggisch ist aktuell kaum wegzudenken. „The Rogg“ – so lautet sein Spitzname – hat sich in den letzten Monaten deutlich gesteigert. Ganze zehn Kilogramm soll der blonde Hüne abgenommen haben. Zu übersehen ist das nicht: Der Ex-Magdeburger, der auch in der deutschen Nationalmannschaft der Abwehrchef ist, ist nun viel schneller auf den Beinen, einfach beweglicher. Wie es mit ihm und den Löwen weitergehen wird, ist momentan noch völlig unklar. Löwen-Manager Thorsten Storm erklärte kürzlich, dass man bislang „noch nicht über Olli oder mit Olli gesprochen hat“. Und weiter: „Ob wir ihn weiter beschäftigen können, hängt auch von unseren finanziellen Möglichkeiten ab.“

Bleiben würde Roggisch sicher gerne, schließlich ist es von der Kurpfalz bis nach Villingen-Schwenningen, wo der 2,02-m-Mann aufgewachsen ist, nur ein Katzensprung. Doch auch in der Kurpfalz fühlt er sich wohl, hat sich häuslich eingerichtet. Inklusive Koi-Karpfen, die er sich im heimischen Teich hält.

Zwei, die die Löwen auf keinen Fall verlieren möchten, sind Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki. Sie sind quasi die Kronjuwelen. Die jungen Deutschen, die auch in der Nationalmannschaft die Flügelzange bilden. Für die Löwen sind sie echte Identifikationsfiguren. Doch kann man zwei solche Spieler wirklich dauerhaft halten? Vor allem dann, wenn man über kurz oder lang eben vielleicht nur noch Mittelmaß ist? Eher nicht. Denn beide haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen um Titel mitspielen. Und zwar immer. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Dortmunds Fußball-Juwel Mario Götze. Auch er äußerte sich kürzlich erstmals zu einem Wechsel, sprach von der Champions League, in der er dauerhaft spielen möchte, nicht nur alle zwei, drei Jahre. Gensheimer und Groetzki geht es da nicht anders. Ein Handball-Leben ohne Königsklasse ist für sie kein Handball-Leben. In dieser Saison muss das Duo ohne sie auskommen. Beide hoffen nun, dass es ein einmaliger Ausrutscher war, sprich, dass man schon im nächsten Jahr wieder dabei ist. Doch das wird kein Selbstläufer.

Hinter dem THW Kiel ist die Liga ganz eng zusammengerutscht. Es gibt fünf, sechs Mannschaften, die an einem guten Tag jeden schlagen können – und an schlechten gegen jeden verlieren. Die Jagd auf Gensheimer soll im Hintergrund jedenfalls schon begonnen haben. Die Topklubs sind heiß auf den Friedrichsfelder, der bei den Gelben allerdings noch bis 2014 unter Vertrag steht.

Ein Klub, der im Zusammenhang mit „Gensel“ immer wieder fällt, ist der THW Kiel. Der Branchenführer. Im hohen Norden Schwärmen sie von seinen Fähigkeiten, müssen jedoch noch mindestens bis 2014 warten. Oder vielleicht doch nicht? Jeder Vertrag besitzt eine festgeschriebene Ablösesumme! Und manchmal hat man das Geld eben nötig.

Sei’s drum: Noch ist es nicht soweit. Möglicherweise findet sich ja schon bald ein neuer, ein potenter Geldgeber, der die Löwen wieder in ruhigeres Fahrwasser führt. Diesbezüglich ruhen die Hoffnungen auf Manager und Geschäftsführer Thorsten Storm. Er ist bekannt dafür, Sponsoren zu akquirieren.

Auch Nielsen schnappte er einst dem THW Kiel vor der Nase weg. Und dass das Kapitel Nielsen nun so enden würde, war damals nicht abzusehen. Stichwort Nielsen: Finanziell geht es ihm aktuell offenbar selbst nicht so gut. Durch den Börsengang seiner Schmuckmarke „Pandora“ soll er rund eine halbe Milliarde Kronen eingebüßt haben.

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